Handlungsempfehlungen für die Begutachtung wissenschaftlicher Projektanträge

Die hier angeführten Handlungsempfehlungen sollen Gutachter/innen dabei unterstützen, ihre eigenen unbewussten Vorurteile zu erkennen, ihnen aktiv entgegenzuwirken und so zu möglichst unvoreingenommenen Entscheidungen zu kommen. Die Empfehlungen basieren auf bestehenden Leitfäden15 von wissenschaftlichen Einrichtungen und den Guidelines des EU-geförderten GEECCO-Projektes.

Für die Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen werden die folgenden Grundsätze und Umsetzungsschritte empfohlen:

  • Reflexion über die Kriterien zur Beurteilung wissenschaftlicher Exzellenz. Haben Frauen und Männer tatsächlich die gleichen Möglichkeiten, diese Kriterien zu erfüllen?16
  • Berücksichtigung folgender Fragen:
    • Werden an unterrepräsentierte Kandidat/inn/en andere Erwartungen gestellt als an ebenso qualifizierte Antragsteller/innen, die der Mehrheit angehören?
    • Wird Forschung von Angehörigen von Minderheiten unterbewertet?
    • Wird Forschung von kleineren Forschungseinrichtungen unterbewertet?

  • Vermeiden vager Formulierungen und unbegründeter Bewertungen.17
  • Zur Überprüfung einer möglichen Voreingenommenheit in den eigenen Bewertungen kann der Implizite Assoziationstest, der an der Harvard University entwickelt wurde, herangezogen werden.
  • Widmung ausreichender zeitlicher Ressourcen für die Bewertung der Anträge.18 
  • Abschließende selbstkritische Reflexion in Bezug auf möglichen, die Bewertung beeinflussenden unconscious bias; ggf. Neubewertung und Adaptierung des Gutachtens.

Quellen (3)

 

 

15 Adaptiert nach folgenden Leitfäden: RS unconscious-bias-briefing-2015.pdf (st-andrews.ac.uk);
https://www.chairs-chaires.gc.ca/program-programme/equity-equite/bias/module-eng.pdf; GEECCO Project: Promoting gender equality in the evaluation process: Guideline for jury members, reviewers and research funding organizations’ employees

16 Frauen und Männer können unterschiedliche Output-Muster haben: Mihaljević-Brandt et al. 2016; Huang et al. 2020; Nygaard und Bahgat 2018

17 Raymond 2013, Artiles Viera et al. 2017

18 Studien haben gezeigt, dass Bewerter/innen, die mit anderen Aufgaben beschäftigt oder abgelenkt waren, Frauen bei der gleichen schriftlichen Bewertung der Arbeitsleistung niedrigere Punktzahlen gaben als Männern. Kaatz et al. 2014, Martell 1991