Frage 1

Vor dem Hintergrund der letzten Ergebnisse internationaler Rankings: Durch welche Maßnahmen wollen Sie heimische Universitäten auf Spitzenplätze in den internationalen Rankings bringen? Ist das überhaupt eine Priorität für Österreich?

SPÖ – Sozialdemokratische Partei Österreichs

Für die Universitäten braucht es – wie im Plan A von Bundeskanzler Christian Kern dargelegt – eine dringende Verbesserung der Betreuungsverhältnisse und langfristige Finanzierungssicherheit, damit unsere Unis an die internationale Spitze aufschließen können. Als ersten Schritt hat die SPÖ gemeinsam mit allen Fraktionen außer der ÖVP zusätzliche Mittel für die Universitäten in Höhe von 1,35 Mrd. Euro beschlossen. Diese Maßnahme bringt Finanzierungs- und Planungssicherheit für die Universitäten. Die Studierenden profitieren von besseren Studienbedingungen und Betreuungsverhältnissen.

Für die Zukunft braucht Österreich eine kapazitätsorientiere, studierendenbezogene Unifinanzierung. Dafür muss eine klare Strategie erarbeitet werden, die als echte Vision den gesamten tertiären Bildungssektor – Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen – umfasst.
Gleichzeitig braucht es ein klares Bekenntnis, in zukunftsträchtige Studienfächer – wie die MINT-Fächer – gezielt zu investieren und diese auszubauen, um im internationalen Vergleich bestehen zu können.

Aus Sicht der SPÖ ist klar: Beim Studium darf es zu keiner sozialen Selektion kommen. Daher sieht der Plan A auch Maßnahmen für eine bessere soziale Durchmischung an den Universitäten vor. Das bedeutet zum Beispiel, berufsbegleitende Studienangebote auszubauen. Auch die im Parlament beschlossene Erhöhung der Studienbeihilfe  ist ein wichtiger Schritt, um die Chancengerechtigkeit an den österreichischen Universitäten zu fördern.

ÖVP – Österreichische Volkspartei

Im Times-Ranking der Universitäten international liegt die Uni Wien nur mehr auf Platz 165 – alle anderen österreichischen Universitäten sind weiter abgeschlagen. Wenn wir exzellente wissenschaftliche Ausbildung und international herausragende Universitäten haben wollen, müssen wir in unserer Hochschulpolitik einen grundlegend anderen Weg einschlagen: einen Weg hin zu mehr Verbindlichkeit der Studierenden und bessere Planbarkeit der Ressourcen für die Universitäten. Jeder Jugendliche soll an einer österreichischen Hochschule studieren können, aber es ist auch ein Gebot der Gerechtigkeit gegenüber unseren Studierenden, dass wir jedem durch geregelte Zugangsverfahren an Universitäten einen qualitätsvollen Studienplatz garantieren können. Gleichzeitig wollen wir den Fachhochschulsektor weiter ausbauen. In den nächsten Jahren soll das Modell der Studienplatzfinanzierung mit flächendeckenden Zugangsregelungen umgesetzt werden. Dabei erhalten die Universitäten für Studierende einen Budgetbetrag pro Kopf, der eine qualitätsvolle Ausbildung ermöglicht. Nur wenn die Studentenströme gelenkt werden, können wir auch von den Universitäten erwarten, dass sie eine Ausbildung auf Spitzenniveau anbieten. Wir sollten deswegen mit Umsetzung dieses Modelles auch das Ziel definieren, bis 2025 mehrere heimische Unis unter die 100 besten Universitäten der Welt zu bekommen.

FPÖ – Freiheitliche Partei Österreichs

Internationale Rankings sind sicher ein guter Gradmesser, sie sind aber differenziert zu betrachten. Auch die globale Vergleichbarkeit von Universitäten ist zu hinterfragen. Unabhängig davon ist es aber sehr notwendig, einige Maßnahmen zu treffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Universitäten zu steigern. Das wären beispielsweise im organisatorischen Bereich die Neustrukturierung des Universitätsangebotes und im Finanzierungsbereich eine Umstellung auf ein echtes Studienplatzfinanzierungsmodell mit einem starken kompetitiven Teil der Forschungsfinanzierung.

Im Bereich der Lehre soll das Karriere-Modell an jenes des IST-Austria angeglichen werden. Die studentische Mitbestimmung bei Entscheidungen der Leitung der Universitäten (z.B. Berufungsverfahren, Habilitationsverfahren, Organisationsplan, Dreiervorschlag Rektor, Curricula, …) ist insofern einzuschränken, als jedenfalls die Professorenschaft eine qualifizierte Mehrheit stellt.

Die Grünen – Die Grüne Alternative

Rankings sind grundsätzlich mit großer Vorsicht zu genießen. Bei den meisten werden Universitäten ohne Rücksicht auf ihre unterschiedlichen Rahmenbedingungen und nach Kriterien beurteilt, die nicht transparent offengelegt werden. Es ist auch der Anspruch falsch, eine österreichische Uni müsse sich mit Harvard und Co. messen können. Für Institutionen die ein Vielfaches an Mitteln zur Verfügung haben ist das gute Abschneiden in Rankings nicht zwingend eine große Kunst, während gerade die beachtlichen Leistungen vieler österreichischer Universitäten aufgrund der vergleichsweise schlechteren Ausstattung höher bewertet werden müssten.

Deutlich relevanter als die Platzierung in internationalen Rankings ist aus unserer Sicht, ob die Unis ihre Aufgaben – also die kritische Bildung von Studierenden auf hohem Niveau, die Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses, die Erbringung relevanter (Grundlagen)Forschungsergebnisse und der wissenschaftliche Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs – gut erfüllen.

NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum

Bildung muss immer Priorität für Österreich sein. Wir wollen, dass der gesamtösterreichische Hochschulplan sich an einer klaren Vision und Strategie für den Standort Österreich und seine autonom agierenden Hochschulen orientiert. Dafür muss sich das Hochschulsystem an den ursprünglichen Zielen der europaweit gültigen Bologna-Erklärung orientieren. Die Hochschulen sollten die Freiheiten nutzen können, die ihnen die Erklärung lässt. Sie sollen sich nicht einem nationalen Vereinheitlichungszwang unterwerfen müssen.

Auch die Autonomie der Hochschulen und die Freiheit der Studierenden sind auszubauen und zu stärken. Die Hochschulen sollen das Recht haben, nach eigenem Ermessen - unter Berücksichtigung des Antidiskriminierungsgebots - selbst die Auswahl der Studierenden zu treffen und gegebenenfalls Studiengebühren einzuheben: Hochschulen können Studiengebühren in einem gesetzlich vorgegebenen Rahmen einheben und eigenständig verwenden. Die Studiengebühren werden vom Staat vorfinanziert, ab einem gewissen Einkommen sind sie als nachgelagerte Gebühren zurück zu zahlen.