Frage 4

Was ist Ihnen ein Student/eine Studentin wert? Wie wollen Sie das 2%-BIP-Ziel für den tertiären Bildungssektor erreichen? Soll die derzeitige Rekordzahl von über 300.000 Studierenden an den Universitäten weiter ansteigen bzw. wann sehen Sie den Plafond erreicht?

SPÖ – Sozialdemokratische Partei Österreichs

Wir wollen nicht mehr länger Mangelwirtschaft und Minimalwissenschaft betreiben. Wir müssen eine Frage klären: wie bekommen die klügsten Köpfe Österreichs die besten Universitäten. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt und müssen auch wissenschaftlich die fortschrittlichsten sein. Der internationale Vergleich zeigt aber, dass beispielsweise die Zahl der AbsolventInnen auf Bachelor-Niveau in Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt liegt. Die moderne Arbeitswelt im Zeitalter der Digitalisierung erfordert eine immer höhere Qualifikation. Wenn Österreich weiter an der Spitze stehen will, müssen wir den Anteil der Studierenden und AbsolventInnen weiter steigern.

Um hohe Studierendenzahlen und zugleich steigende Qualität für die Universitäten zu ermöglichen, braucht es eine klare Steigerung der budgetären Mittel und eine generelle Strukturreform des Hochschulsektors. Mit den zusätzlichen Mitteln von 1,35 Mrd. Euro ist ein erster wichtiger Schritt gesetzt. Der nächste Bundesfinanzrahmen muss einen klaren Pfad zur Erreichung des 2%-BIP-Ziels beinhalten.

Es ist evident, dass sich die heimischen Universitäten aufgrund der aktuellen Ressourcenausstattung mit ihren Kapazitätsgrenzen konfrontiert sehen. Daher braucht es, wie bereits ausgeführt (siehe Antwort Frage 1), die Entwicklung und Verfolgung eines gesamtheitlichen Hochschulstrategie, die auch die anderen öffentlich finanzierten Hochschulsektoren miteinbezieht. Dazu planen wir auch den Ausbau des FH- und den PH-Sektors.

ÖVP – Österreichische Volkspartei

Wir müssen im Bereich der Autonomie der Universitäten durch flächendeckende Zugangsregelungen den nächsten Schritt machen und die Auswahl der Studierenden in ihre Verantwortung legen – so wie das international auch in den meisten anderen Ländern die Regel ist. Dabei gibt es international mehrere Modelle: von Regelungen, die bisherige schulische Leistung in Form der Abschlussnoten der Matura in den Mittelpunkt stellen, bis zu standardisierten Tests für fachliche Eignung. Daneben spielt bei international erfolgreichen Universitäten zum Beispiel auch die Motivation für ein Studium eine Rolle. Es bleibt beispielsweise zu diskutieren, ob in Zukunft die Matura oder Berufsreifeprüfung weiter die einzige Voraussetzung für die Aufnahme an eine Universität sein soll oder ob auch die fachliche Eignung und die Motivation der Kandidatinnen und Kandidaten über die Aufnahme mitentscheiden sollen.

FPÖ – Freiheitliche Partei Österreichs

Wir Freiheitliche bekennen uns zum freien Hochschulzugang als unverzichtbaren Bestandteil des österreichischen Bildungswesens. Die aktuellen Zugangsbeschränkungen schließen hauptsächlich österreichische Studierwillige vom Studium aus. Jedoch ist eine zwanghafte Akademisierungsquote für uns nicht zielführend. Jeder soll nach seinen Interessen und Fähigkeiten eine Ausbildung absolvieren. Ein Lehrberuf ist per se nicht schlechter als ein Universitätsstudium.

Für die Finanzierung der Universitäten ist eine Anhebung des Budgets notwendig, wobei dies für die nächste LV-Periode durch einen Beschluss des Nationalrates mit den Stimmen von SPÖ, FPÖ und Grüne (gegen die Stimmen der Kurz-Volkspartei) bereits erfolgt ist.

Die derzeitige Rekordzahl von über 300.000 Studierenden ist auch der großen Zahl von ausländischen Studierenden aus dem EU-Raum und aus Drittstaaten geschuldet. Das übersteigt naturgemäß die zur Verfügung stehenden Ressourcen aus dem Wissenschaftsbudget.

Wir Freiheitliche treten daher einerseits für Verhandlungen mit Brüssel über Ausgleichszahlungen für den Überhang von Studierenden aus dem EU-Inland ein und fordern andererseits, dass Studierende aus Drittstaaten eine kostendeckende Studiengebühr zu entrichten haben.

Die Grünen – Die Grüne Alternative

Im Juni ist uns ein großer Coup gelungen: mit dem grünen Antrag zur Uni-Finanzierung konnten wir ein Plus von 1,35 Milliarden Euro für die nächste Uni-Leistungsvereinbarungsperiode sichern – ein wichtiger Schritt auch für das 2%-Ziel, wenngleich weitere nötig sind.

Österreich hat mit 16% nach wie vor die zweit-niedrigste Akademiker_innenquote im OECD-Vergleich, und auch bei den Studienanfänger_innen liegen wir unter dem OECD-Schnitt. Das zu lösende Problem ist also nicht eine angeblich zu hohe Zahl an Studierenden, sondern eine hohe Zahl an Studienabbrüchen. Auch hier gilt es genauer hinzusehen: Die Hälfte des Drop-Outs ist laut IHS-Studie auf Studienwechsel zurückführen. Der zweithäufigste Grund für einen Abbruch ist der Übergang in die Erwerbstätigkeit.

Statt sich auf die Frage zu konzentrieren, wie die Zahl der Studierenden reduziert werden kann, gilt es, Lösungen zu finden, dass möglichst alle die ein Studium beginnen dieses auch abschließen (können). Folgende Punkte sind dafür relevant:

  • Studienwahl: ein großer Teil des Drop-Outs ist eigentlich keiner: Doppel- und Mehrfachinskriptionen ließen sich durch eine gemeinsame Studieneingangsphase zur echten Vorbereitung und Orientierung verhindern
  • Stipendien: Zwei Drittel der Studierenden arbeiten im Schnitt 20 Stunden pro Woche neben dem Studium. Damit verzögert sich die Studiendauer und mit steigendem Alter dominiert die Erwerbsarbeit. Es braucht Stipendien, die die Konzentration aufs Studium ermöglichen.

NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum

Das 2%-Ziel ist natürlich weiterzuverfolgen, aber viel interessanter sind die tatsächlichen finanziellen Mittel, die pro Studierendem ankommen. Hier hinken wir weit hinter der Schweiz oder Schweden hinterher. Der Plafond der tatsächlich Studierenden ist noch nicht erreicht, allerdings sind zu viele prüfungsinaktive Studierende in dieser Zahl enthalten. Mit Zulassungsbeschränkungen und einer kapazitätsorientierten Studienplatzfinanzierung sollten wir diese Zahl deutlich senken können und gleichzeitig die Studienbedingungen verbessern.