AM PULS analysierte die Wechselwirkungen von Gesellschaft und Natur. – Mit einem klaren Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit.

In ihrer 46. Ausgabe von AM PULS analysierten die Umwelthistorikern Verena Winiwarter und der Meeresbiologe Gerhard Herndl die Wechselwirkungen von Gesellschaft und Natur. – Mit einem klaren Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit.

Im 17. Jahrhundert schaffte man zu Fuß fünf Kilometer pro Stunde, heute fliegt man 200 Mal so schnell um den Erdball. „Mit dieser Beschleunigung haben wir uns in einen Zustand gebracht, in dem wir uns ständig selbst überfordern“, so die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter bei der Veranstaltungsreihe AM PULS des Wissenschaftsfonds FWF. Dadurch würden die Menschen immer mehr Nebenwirkungen wie den Klimawandel generieren.

Durch dieses enorme Tempo könne man zum Beispiel nicht die nötige Anzahl von verantwortungsbewussten Entscheidungen treffen, meinte Winiwarter, die am in Wien ansässigen Institut für Soziale Ökologie der Universität Klagenfurt arbeitet. „Wir haben dabei auch viele Dinge geschaffen, die man nicht von heute auf morgen ändern kann, und die uns in eine Risikospirale treiben, deren Folge unter anderem der Klimawandel ist“, sagte sie.

Bis heute keine überzeugende Strategie

Es gäbe bis heute keine überzeugende Strategie gegen die globale Erwärmung, obwohl das nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch viel sinnvoller wäre, als weiterzumachen wie bisher. Denn laut Berechnungen würde ein „Business as usual“-Szenario bis zu 20 Prozent des Welteinkommens verschlingen, während die „Behandlungskosten“ der vom Menschen gemachten Klimaerwärmung auf durchschnittlich ein Prozent geschätzt werden.

Der Klimawandel betrifft freilich auch die Weltmeere, die dadurch versauern, und vielerorts schon überfischt sind, obwohl sie derzeit gerade einmal zwei Prozente der weltweiten Nahrungsmittel liefern, erklärte Gerhard Herndl vom Department für Limnologie und Bio-Ozeanographie der Universität Wien bei AM PULS im Wiener Akzent-Theater. „Im Nordostatlantik sind etwa 39 Prozente der Bestände gefährdet, im Mittelmeer 88 Prozente“, sagte Herndl. Für seine  Leistungen in der Ozeanografie hat der Wissenschafter 2011 den Wittgenstein-Preis des FWF und einen ERC-Grant des Europäischen Forschungsrats erhalten.

Muscheln statt Lachs

In der Landwirtschaft würde man sich an den untersten Gliedern der Nahrungskette bedienen, also an Getreide und Pflanzenfressern. Aus dem Meer hole man sich jedoch große Raubfische, die an der Spitze der Nahrungspyramiden stehen, wie etwa Thunfische und Lachse. „Wenn wir diese Art des Fanges an Land betreiben würden, würden wir Wölfe und Löwen essen“, sagte Herndl. Stellte man die Fischerei auf die untersten Glieder der Nahrungspyramide um, und würde sich etwa vor allem an Muscheln bedienen, könne man statt der aktuellen 100 Millionen Tonnen Nassgewicht pro Jahr problemlos 4.000 Millionen Tonnen aus den Meeren ernten.

Im Dialog mit der Öffentlichkeit

Die Veranstaltungsreihe AM PULS ist eine Initiative des Wissenschaftsfonds FWF in Kooperation mit der Wiener Agentur für Wissenschaftskommunikation, PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung. Das Wissenschaftsformat lädt seit 2007 die interessierte Bevölkerung zum Dialog mit der Wissenschaft. Renommierte Forscherinnen und Forscher berichten bei AM PULS aus ihrem Arbeitsalltag, über neue Methoden und Erkenntnisse und vermitteln dabei die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft. Die Themen der Reihe spiegeln die Vielfalt der vom FWF geförderten Projekte aus der Grundlagenforschung wider und reichen von der Kometenlandung über die Bewusstseinsforschung bis zu Menschenrechte und Umweltgeschichte.

Terminvorschau

Die nächste AM-PULS-Veranstaltung zum Thema „Anatolien, Ephesos & Österreich – 120 Jahre Archäologie“ findet am 1. Dezember 2015 mit den beiden Archäologinnen und Ephesos-Expertinnen Sabine Ladstätter und Barbara Horejs statt. Eintritt frei. Anmeldungen an schnell(at)prd.at

(APA/FWF)

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