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Online-Trigger bei nicht-suizidalen Selbstverletzungen

Triggers Online Resulting in Nonsuicidal Self-Injury (TORN)

Oswald Kothgassner (ORCID: 0000-0002-3243-0238)
  • Grant-DOI 10.55776/KLI963
  • Bewilligungs­summe Klinische Forschung
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.01.2022
  • Projektende 31.12.2025
  • Bewilligungs­summe 378.097 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (100%)

Keywords

  • Self-Harm,
  • Non-Suicidal Self-Injury,
  • Child And Adolescent Psychiatry,
  • Social Media
Abstract Zusammenfassung

Selbstverletzungen in nicht suizidaler Absicht sind ein eklatantes Gesundheitsproblem und beginnen gehäuft im Jugendalter. Das folgende Projekt geht der Frage nach, welche Rolle die Nutzung von Social Media Plattformen bei der Entstehung von nicht-suizidalem selbstverletzenden Verhalten bei Jugendlichen spielt. Dabei geht es zum einen um die Bedeutung von einschlägigen Signalworten oder Bildern, welche Jugendliche in Gruppen miteinander teilen und die selbstverletzendes Verhalten triggern können. Zum anderen aber auch um möglicherweise verstärkende Phänomene des (digitalen) sozialen Ausschlusses, da Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten besonders sensitiv auf negatives Feedback von anderen reagieren. Das Team um Oswald D. Kothgassner rekrutiert 50 Jugendliche mit nicht-suizidalem selbstverletzenden Verhalten und 25 gesunde Jugendliche, um ein besseres Verständnis von auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren von nicht-suizidalem selbstverletzenden Verhalten im Kontext von Social Media Plattformen zu bekommen. Das Projekt besteht aus drei Studien: (1) einer Tagebuchstudie über sieben Tage, um Erleben und Verhalten der Jugendlichen im Alltag abfragen zu können, (2) einer Labor Studie mit Augenbewegungsmessung und elektrophysiologischen Aufzeichnungen in welcher versucht wird Trigger-Effekte von Signalworten oder Bildern im Kontext mit selbstverletzendem Verhalten herauszufinden, und (3) einer Laborstudie, welche den Einfluss von digitalem sozialen Ausschluss simuliert und deren Auswirkung auf diese Trigger-Effekte untersucht. Die Neuheit des Projekts liegt darin, dass erstmalig diese Trigger-Effekte in Social Media Plattformen bei Jugendlichen mit selbst- verletzendem Verhalten in deren Alltag longitudinal, sowie auch im Labor experimentell untersucht werden. Des Weiteren werden die Mechanismen, welche zu selbstverletzendem Verhalten führen mittels einer großen Bandbreite an verschiedenen Methoden überprüft.

Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten reagieren besonders sensibel auf belastende Inhalte in sozialen Medien Unsere Forschung zeigt: Jugendliche, die sich selbst verletzen, reagieren besonders stark auf Bilder und belastende Erfahrungen rund um Selbstverletzung - vor allem in sozialen Medien. Solche Inhalte können Stress erhöhen und den Drang verstärken, sich erneut zu verletzen. Das ist für Prävention und Behandlung besonders wichtig. Nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten bedeutet, dass sich Jugendliche absichtlich verletzen, ohne sterben zu wollen, zum Beispiel durch Schneiden, Kratzen oder Schlagen gegen Gegenstände. Dieses Verhalten kommt im Jugendalter relativ häufig vor und hängt oft mit starkem innerem Stress, seelischer Belastung und anderen psychischen Problemen zusammen. Viele Betroffene berichten, dass Selbstverletzung kurzfristig hilft, intensive Gefühle zu regulieren. Soziale Medien gehören zum Alltag fast aller Jugendlichen. Gleichzeitig gibt es die Sorge, dass Bilder oder Texte über Selbstverletzung dort belastend wirken und Rückfälle auslösen können. Im TORN-Projekt haben wir deshalb untersucht, wie Jugendliche mit und ohne Vorgeschichte von Selbstverletzung auf solche Inhalte reagieren - im Labor und direkt im Alltag. In einer ersten Studie zeigte sich, dass Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten Bilder von Selbstverletzung schneller und länger betrachteten als andere Bilder. Gleichzeitig berichteten sie über einen stärkeren Drang, sich selbst zu verletzen. Bei Jugendlichen ohne entsprechende Vorgeschichte zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Das spricht dafür, dass solche Inhalte für besonders gefährdete Jugendliche eine andere Bedeutung haben als für gesunde Gleichaltrige. In einer zweiten Studie begleiteten wir Jugendliche über eine Woche mehrmals täglich per Smartphone im Alltag. Dabei zeigte sich: Wenn belastende Ereignisse in sozialen Medien stattfanden, waren sie häufiger mit mehr Stress, schlechterer Stimmung und stärkerem Drang zur Selbstverletzung verbunden als belastende Ereignisse im direkten Offline-Leben. Das deutet darauf hin, dass nicht nur Bilder, sondern auch negative soziale Erfahrungen im Netz - etwa Ausgrenzung oder Mobbing - sehr belastend sein können. In einer dritten Studie untersuchten wir genauer, was sozialer Ausschluss bewirkt. Nach einer experimentell ausgelösten Erfahrung von Ausgrenzung reagierten Jugendliche mit Selbstverletzungsgeschichte sensibler auf belastende Reize, berichteten mehr Stress und stärkere Selbstverletzungsdränge. Gleichzeitig zeigten sich auch körperliche Stressreaktionen. Insgesamt macht das TORN-Projekt deutlich, dass soziale Medien für gefährdete Jugendliche ein wichtiger Auslöser sein können - nicht für alle Jugendlichen, aber für eine besonders belastete Gruppe. Daraus ergibt sich ein klarer praktischer Nutzen: Fachkräfte, Eltern und Schulen sollten den Umgang mit belastenden Online-Inhalten stärker thematisieren. Jugendliche brauchen Unterstützung dabei, Gefühle anders zu regulieren, Warnsignale früh zu erkennen und sicherer mit sozialen Medien umzugehen.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Peter Marschik, Medizinische Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Laurence Claes, University of Leuven - Belgien
  • Ulrich Ebner-Priemer, Karlsruher Institut für Technologie - Deutschland
  • David Garcia, Universität Konstanz - Deutschland

Research Output

  • 60 Zitationen
  • 9 Publikationen
  • 3 Datasets & Models
  • 4 Disseminationen
  • 9 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2025
    Titel Additional file 1 of Impact of social media on triggering nonsuicidal self-injury in adolescents: a comparative ambulatory assessment study
    DOI 10.6084/m9.figshare.28327646
    Typ Journal Article
    Autor Chang D
    Link Publikation
  • 2026
    Titel Temporal dynamics of shame and guilt in adolescent NSSI: an ambulatory assessment study
    DOI 10.3389/fpsyt.2026.1758601
    Typ Journal Article
    Autor Goreis A
    Journal Frontiers in Psychiatry
  • 2026
    Titel Digitale Medien und Sozialer Stress
    Typ Postdoctoral Thesis
    Autor Oswald D. Kothgassner
  • 2024
    Titel Efficacy of mentalization-based therapy in treating self-harm: A systematic review and meta-analysis
    DOI 10.1111/sltb.13044
    Typ Journal Article
    Autor Gross C
    Journal Suicide and Life-Threatening Behavior
    Seiten 317-337
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Impact of social media on triggering nonsuicidal self-injury in adolescents: a comparative ambulatory assessment study
    DOI 10.1186/s40479-025-00280-9
    Typ Journal Article
    Autor Goreis A
    Journal Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation
    Seiten 4
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Stress reactivity during short trauma narratives in adolescents with post-traumatic stress disorder (PTSD) and complex PTSD
    DOI 10.1080/20008066.2025.2532273
    Typ Journal Article
    Autor Kothgassner O
    Journal European Journal of Psychotraumatology
    Seiten 2532273
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Attentional Biases and Nonsuicidal Self-Injury Urges in Adolescents.
    DOI 10.1001/jamanetworkopen.2024.22892
    Typ Journal Article
    Autor Goreis A
    Journal JAMA network open
  • 2023
    Titel Physiological stress reactivity and self-harm: A meta-analysis
    DOI 10.1016/j.psyneuen.2023.106406
    Typ Journal Article
    Autor Goreis A
    Journal Psychoneuroendocrinology
    Seiten 106406
    Link Publikation
  • 2024
    Titel A systematic review and meta-analysis on the efficacy of dialectical behavior therapy variants for the treatment of post-traumatic stress disorder
    DOI 10.1080/20008066.2024.2406662
    Typ Journal Article
    Autor Prillinger K
    Journal European Journal of Psychotraumatology
    Seiten 2406662
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2024 Link
    Titel MBT Meta-Analysis
    DOI 10.17605/osf.io/bqmyz
    Typ Data analysis technique
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Dataset of Stimuli
    DOI 10.17605/osf.io/6pjrn
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Self-harm Meta-Analysis
    DOI 10.17605/osf.io/dqyme
    Typ Data analysis technique
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2025 Link
    Titel Urania-Lecture
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2022
    Titel Annual Research Retreat
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2024
    Titel Tag der Offenen Tür der SCAR-Unit
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
  • 2024
    Titel Lange Nacht der Forschung 2024
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2026
    Titel Editorial Board Member of Psychoneuroendocrinology
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2025
    Titel Rudolf Quatember Prize for Clinical Psychology
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
  • 2025
    Titel Science Award of the Austrian Society for Child and Adolescent Psychiatry
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2025
    Titel Stressbedingte Impulskontrollstörungen bei Jugendlichen, 4. Reichenauer Herbstgespräche, Reichenau an der Rax 25.-26. September 2026
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2025
    Titel Best Poster Award at the 5th Conference of the World Association for Stress-Related and Anxiety Disorders (WASAD)
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2025
    Titel Soziale digitale Welt: Was wir dort suchen und was wir dort finden. Vortrag am 58. Pädiatrischen Fortbildungskurs, Obergurgl, Österreich, Jänner 2.-30. 2025
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2024
    Titel The Unbearable Stress of Life or why People Self-Harm. Invited Talk at University Ulm Colloquium, Ulm, Germany, May 16, 2024.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2024
    Titel The Stress of a Virtual Life: Transitioning from Digital Stressors to Virtual Reality Therapy. Keynote lecture at CoBeNe PhD Academy, Vienna, Austria, January 31 - February 02, 2024.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2024
    Titel Associate Editor of "Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health"
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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