Perspektive und Literarisierung: Italienische Reisen
Perspective and Literarization: Italian Journeys
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
ITALIENISCHE REISE,
GOETHEZEIT (1770-1830),
PERSPEKTIVE,
19. JAHRHUNDERT,
LITERARISIERUNG,
MODERNE (1900-1940)
Forschungsprojekt P 14821 Perspektive und Literarisierung: Italienische Reisen Irmgard EGGER 27.11.2000 Zu den anregendsten Entwicklungen der Kultur- und Literaturwissenschaften der letzten Jahrzehnte zählt die Reiseliteraturforschung, und zwar vor allem in der Untersuchung der produktiven Spannung zwischen dem Eigenen und dem Fremden, zwischen Identität und Alterität. Wegweisende Arbeiten liegen hier zu den klassischen Reiseländern und -Epochen vor, besonders zur Reiseliteratur des Dixhuitieme und der Goethezeit und zu den Italienreisen (etwa Brenner, Grimm, Wiedemann). - Bei dieser Erfassung der Kavaliers-, Gelehrten-, Bildungs- und Kunstreisen ebenso wie der berühmten literarisierten Reisen von Goethe bis zu Heine sind jedoch, trotz wichtiger Ansätze im einzelnen, drei entscheidende, spezifisch literaturwissenschaftliche Aspekte in ihrer Gesamtheit noch weitgehend unerforscht geblieben: erstens die Philologie des Reisetextes, zweitens der Prozeß seiner Literarisierung und drittens deren Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Erzählliteratur vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. In besonderem Maße wird dies an den Italientexten deutlich, die seit Goethes epochemachender Reise zur nahezu unverzichtbar erscheinenden Schule der dichterischen aisthesis geworden sind. Das Forschungsinteresse meines Projekts setzt daher, ausgehend vom späten 18. Jahrhundert, an den einzelnen Etappen dieser Textwerdung an, und zwar: Blick und Wahrnehmung; Adjustierung der Perspektive in deren Schärfung und Verengung oder auch Erweiterung, Auffächerung oder Verschiebung; erste Verarbeitung im Text der Reisenotizen; Überarbeitung für den Druck - Fiktionalisierung und Literarisierung zur erzählten Reise, Verselbständigung der Strukturen und Motive des Italienreisens in weiterreichenden literarischen Kontexten. - Ziel des Projekts ist es, die Dynamik dieser Wahrnehmungs-, Verarbeitungs- und Fiktionalisierungsvorgänge an einem repräsentativen Textkorpus in ihrem literarischen Stellenwert darzustellen. Zu erfüllen sind damit die Forschungsdesiderate einer Philologie und einer Literaturgeschichte des Reisens in Arkadien als Paradigmen der Wahrnehmung und des Erzählens davon an der Schwelle zur Moderne.
Im Verlauf der Projektarbeit wurden die Ansätze der Planung bestätigt und noch beträchtlich erweitert. In einer Reihe paradigmatischer Untersuchungen literarischer Italienreisen von Goethe bis Koeppen wurde programmatisch in intensivem close-reading die Tiefenstruktur der Texte erschlossen und so als wichtigstes Ergebnis eine Philologie des literarischen Reisetextes erarbeitet. Ihre bedeutendsten wissenschaftlichen Forstschritte sind: - die Dialektik von visueller Wahrnehmung, Einbildungskraft und schöpferischer Erinnerung und deren dynamische Inszenierung; - die Dynamik von Bild und Text und die Umsetzung topographischer Bildstrategien (Perspektive und Panorama) in Textstrategien sowie deren Auffächerung und Dekonstruktion; - die Konstituierung emblematischer klassischer Italienmythen und wieder deren produktive Auffächerung und Dekonstruktion; - die fortschreitende narrative Entwicklung von realistischen zu fiktionalen zu imaginären Reisetexten.
- Universität Wien - 100%