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Zellwand Remodeling in Trichoderma atroviride

Dynamic Cell Wall Architecture in Trichoderma Mycoparasitism

Sabine Gruber (ORCID: 0000-0001-6232-763X)
  • Grant-DOI 10.55776/P34669
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status Beendet
  • Projekt­beginn 01.07.2021
  • Projektende 31.12.2025
  • Bewilligungs­summe 557.449 €
  • Projekt-Website

Matching Funds - Tirol

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

  • Trichoderma atroviride,
  • Cell Wall,
  • Chitosan,
  • Biocontrol,
  • Mycoparasitism,
  • Chitin
Abstract Zusammenfassung

Als Schädlinge auf Pflanzen stellen phytopathogene Pilze eine enorme Herausforderung für die Landwirtschaft dar. Sogenannte Mykoparasiten werden als vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Pestiziden als biologische Pflanzenschutzmittel in der Agrar-Biotechnologie eingesetzt. Dabei werden Pathogene durch spezielle Infektionsstrukturen, durch die Produktion von Metaboliten und durch die Sekretion von Enzymen von Mykoparasiten angegriffen und getötet. Einige filamentöse Bodenpilze der Gattung Trichoderma sind bekannt für ihr parasitäres Verhalten gegenüber phytopathogenen Pilzen. Trotz ihrer starren Form unterliegt die Zellwand von Pilzen im Verlauf des Wachstums einer dynamischen Umstrukturierung. Die Fähigkeit, während des Parasitismus in Wirtsorganismen einzudringen, erfordert eine adaptive Neugestaltung der Zellwand, um die Erkennung durch den Wirt und seine Abwehrreaktionen zu verhindern. Diese Flexibilität gewährleistet eine enorme Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen, aber auch eine erhöhte Resistenz gegenüber Angreifern. Die wichtigsten Bestandteile der Zellwand von Pilzen sind Chitin, Chitosan und Glucan. Insbesondere Chitosan, die deacetylierte Form von Chitin, spielt eine entscheidende Rolle bei der Resistenz von filamentösen Pilzen während der Interaktion mit Feinden. Strategien, mit denen die Zellwand dem Immunsystem des Wirts entgeht, sind allen pflanzlichen und menschlichen Krankheitserregern gemeinsam, wurden jedoch bei Mykoparasiten noch nicht untersucht. Das vorliegende Projekt befasst sich mit der Charakterisierung des modularen Aufbaus der Bestandteile Chitin, Chitosan und Glucan in der Zellwand von Trichoderma atroviride und dem Zusammenspiel ausgewählter Enzyme. Mit fluoreszenzmikroskopischen Methoden wird das synergistische Verhalten von Chitin-, Chitosan- und Glucan modifizierenden Enzymen während der mykoparasitischen Interaktion und während der Hyphenentwicklung analysiert. Die Entwicklung einer spezifischen Sonde ermöglicht Nachweisprozesse von Chitosan-während der Wechselwirkungen der Pilze in vivo, und könnte auch für Schnelltests zum Nachweis anderer Schädlinge weiterentwickelt werden. Ziel ist es, ein ganzheitliches Bild der dynamischen Zellwand von Pilzen während ihres Angriffs auf einen Wirt zu erhalten. Darüber hinaus hilft Trichoderma atroviride als Mykoparasit, das Wissen über den ökologischen Landbau in Bezug auf Biokontrolle zu erweitern. Die Klimakrise erfordert ein Umdenken im Hinblick auf den Landbau und insbesondere im Hinblick auf die geänderten EU Richtlinien mit dem Ziel, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Letztendlich könnte das gewonnene Wissen auch auf pathogene Pilze für Mensch, Tier und Pflanze übertragen werden und so die Entwicklung neuer und alternativer Antimykotika vorantreiben.

Trichoderma spp. stellen eine wirksame biologische Lösung zum Schutz von Nutzpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten dar. Anstelle chemischer Fungizide kann die Landwirtschaft auf diese Form der Biokontrolle zurückgreifen, bei der Pilze eingesetzt werden, die Schadpilze gezielt parasitieren und so Krankheiten wie Krautfäule, Weißfäule und Erdbeerfäule eindämmen. Kürzlich konnten wir zudem nachweisen, dass Trichoderma auch Blattfleckenkrankheiten an Zuckerrüben wirksam reduziert - eine bedeutende Bedrohung für landwirtschaftliche Erträge. Unsere Forschungsarbeiten zeigen, dass Trichoderma atroviride seine äußere Schicht, die Zellwand, aktiv modifiziert, um der Erkennung und Abwehr durch andere Pilze, die er parasitiert, zu entgehen. Diese Anpassungsfähigkeit ist ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg als mykoparasitischer Organismus. Gleichzeitig dient die Zellwand nicht nur dem Schutz vor Stress, sondern ermöglicht auch die gezielte Interaktion mit anderen Pilzen sowie die kontrollierte Freisetzung essenzieller Proteine. Wir konnten nachweisen, dass Trichoderma seine Zellwand in verschiedenen Lebensstadien rasch anpasst, sowohl zum Schutz vor schädlichen Pilzen als auch zur Unterstützung von Wachstums- und Entwicklungsprozessen. Dabei spielt ein von uns identifizierter Schlüsselregulator der Genexpression eine zentrale Rolle, insbesondere bei der Bildung und Reifung von Sporen, die für die Verbreitung des Pilzes und somit auch für die Anwendung im Pflanzenschutz essenziell sind. Eine weitere wichtige Entdeckung ist die Anreicherung des Biopolymers Chitosan in der Zellwand während der Interaktion mit anderen Organismen. Dieses Molekül trägt wesentlich zur Flexibilität der Zellstruktur bei und unterstützt den Erfolg von Trichoderma sowohl in der Interaktion mit anderen Pilzen als auch möglicherweise in der Interaktion mit Pflanzen. Darüber hinaus identifizierten wir mehrere Enzyme, die für den Aufbau und den Umbau der Zellwand verantwortlich sind. Einige dieser Enzyme sind für das normale Wachstum unerlässlich, während andere insbesondere unter Stressbedingungen aktiv werden und zur Sporenbildung beitragen. Diese funktionelle Differenzierung unterstreicht die hohe Anpassungsfähigkeit des Organismus. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern ein detailliertes Verständnis darüber, wie sich Trichoderma an unterschiedliche Umweltbedingungen anpasst und im Pflanzenschutz effektiv eingesetzt werden kann. Sie eröffnen neue Perspektiven für die sichere und gezielte Anwendung biologischer Kontrollstrategien und schaffen zugleich die Grundlage für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Pilzinfektionen. Insgesamt beleuchten die Ergebnisse zentrale molekulare Mechanismen des Zellwandstoffwechsels, die es mykoparasitären Pilzen ermöglichen, die Abwehrreaktionen ihrer Wirte zu überwinden. Damit tragen sie zur Optimierung des Einsatzes von Trichoderma atroviride in der biologischen Schädlingsbekämpfung bei und liefern zugleich wichtige Ansätze für die Entwicklung neuer Antimykotika. Die Resultate unterstreichen die hohe gesellschaftliche Relevanz nachhaltiger, biologischer Lösungen im Pflanzenschutz.

Forschungsstätte(n)
  • FH Campus Wien - 10%
  • Medizinische Universität Innsbruck - 90%
Nationale Projektbeteiligte
  • Harald Kühnel, FH Campus Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Vincent Bulone, Royal Institute of Technology - Schweden

Research Output

  • 44 Zitationen
  • 6 Publikationen
  • 1 Policies
  • 4 Methoden & Materialien
  • 4 Disseminationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2026
    Titel Insights into chitosan metabolism: deciphering the functional roles of fungal chitosanases
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Carolina Escobar Rodriguez
  • 2022
    Titel The multilateral efficacy of chitosan and Trichoderma on Sugar Beet
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Lisa Kappel
    Konferenz MICROBE-ASSISTED CROP PRODUCTION OPPORTUNITIES, CHALLENGES & NEEDS", Vienna, July 11-14, 2022.
    Link Publikation
  • 2024
    Titel "The AbaA-like transcription factor Tec1 impacts mycoparasitism and is an important regulator of conidiophore maturation and chitin metabolism in Trichoderma atroviride"
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Carolina Escobar Rodriguez
    Konferenz IMC12 - NETHERLANDS - August 2024
  • 2024
    Titel A comparative cell wall analysis of Trichoderma spp. confirms a conserved polysaccharide scaffold and suggests an important role for chitosan in mycoparasitism
    DOI 10.1128/spectrum.03495-23
    Typ Journal Article
    Autor Kappel L
    Journal Microbiology Spectrum
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The Multilateral Efficacy of Chitosan and Trichoderma on Sugar Beet
    DOI 10.3390/jof8020137
    Typ Journal Article
    Autor Kappel L
    Journal Journal of Fungi
    Seiten 137
    Link Publikation
  • 0
    Titel submitted paper to Mycoshere 2026
    Typ Other
    Autor Kappe Lisa And Carolina Escobar
Policies
  • 2022
    Titel Contribution to the growing adoption of biological pest control at both local and international levels
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
Methoden & Materialien
  • 2020
    Titel Fungal knockout lines
    Typ Biological samples
    Öffentlich zugänglich
  • 0
    Titel Fungal knockout lines
    Typ Cell line
    Öffentlich zugänglich
  • 0
    Titel Fluorogenic probe
    Typ Technology assay or reagent
    Öffentlich zugänglich
  • 2026
    Titel Fungal overexpression cell line
    Typ Cell line
    Öffentlich zugänglich
Disseminationen
  • 2023 Link
    Titel Gruber, Sabine: Insekten liefern einen Wirkstoff, der Pflanzen schützt (Interview). In: Die Presse vom 11.11.2023
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Am Ende steht das Enzym" Jahresbericht 22/23 der FH Campus Wien/ChisMet Arbeitsgruppe
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Podcast neunemalklug Hochschule Campus Wien
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Gruber, Sabine: Pilze als Ersatz für chemische Pestizide (Interview). In: derStandard.at vom 06.01.2023.
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2021
    Titel several invitations to work as guest editors for various journals.
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2022
    Titel Expanding the value chain - biological extraction of chitosan for insect-based waste bioconversion
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2022
    Geldgeber University of Applied Sciences Wien

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