Zellwand Remodeling in Trichoderma atroviride
Dynamic Cell Wall Architecture in Trichoderma Mycoparasitism
Matching Funds - Tirol
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
- Trichoderma atroviride,
- Cell Wall,
- Chitosan,
- Biocontrol,
- Mycoparasitism,
- Chitin
Als Schädlinge auf Pflanzen stellen phytopathogene Pilze eine enorme Herausforderung für die Landwirtschaft dar. Sogenannte Mykoparasiten werden als vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Pestiziden als biologische Pflanzenschutzmittel in der Agrar-Biotechnologie eingesetzt. Dabei werden Pathogene durch spezielle Infektionsstrukturen, durch die Produktion von Metaboliten und durch die Sekretion von Enzymen von Mykoparasiten angegriffen und getötet. Einige filamentöse Bodenpilze der Gattung Trichoderma sind bekannt für ihr parasitäres Verhalten gegenüber phytopathogenen Pilzen. Trotz ihrer starren Form unterliegt die Zellwand von Pilzen im Verlauf des Wachstums einer dynamischen Umstrukturierung. Die Fähigkeit, während des Parasitismus in Wirtsorganismen einzudringen, erfordert eine adaptive Neugestaltung der Zellwand, um die Erkennung durch den Wirt und seine Abwehrreaktionen zu verhindern. Diese Flexibilität gewährleistet eine enorme Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen, aber auch eine erhöhte Resistenz gegenüber Angreifern. Die wichtigsten Bestandteile der Zellwand von Pilzen sind Chitin, Chitosan und Glucan. Insbesondere Chitosan, die deacetylierte Form von Chitin, spielt eine entscheidende Rolle bei der Resistenz von filamentösen Pilzen während der Interaktion mit Feinden. Strategien, mit denen die Zellwand dem Immunsystem des Wirts entgeht, sind allen pflanzlichen und menschlichen Krankheitserregern gemeinsam, wurden jedoch bei Mykoparasiten noch nicht untersucht. Das vorliegende Projekt befasst sich mit der Charakterisierung des modularen Aufbaus der Bestandteile Chitin, Chitosan und Glucan in der Zellwand von Trichoderma atroviride und dem Zusammenspiel ausgewählter Enzyme. Mit fluoreszenzmikroskopischen Methoden wird das synergistische Verhalten von Chitin-, Chitosan- und Glucan modifizierenden Enzymen während der mykoparasitischen Interaktion und während der Hyphenentwicklung analysiert. Die Entwicklung einer spezifischen Sonde ermöglicht Nachweisprozesse von Chitosan-während der Wechselwirkungen der Pilze in vivo, und könnte auch für Schnelltests zum Nachweis anderer Schädlinge weiterentwickelt werden. Ziel ist es, ein ganzheitliches Bild der dynamischen Zellwand von Pilzen während ihres Angriffs auf einen Wirt zu erhalten. Darüber hinaus hilft Trichoderma atroviride als Mykoparasit, das Wissen über den ökologischen Landbau in Bezug auf Biokontrolle zu erweitern. Die Klimakrise erfordert ein Umdenken im Hinblick auf den Landbau und insbesondere im Hinblick auf die geänderten EU Richtlinien mit dem Ziel, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Letztendlich könnte das gewonnene Wissen auch auf pathogene Pilze für Mensch, Tier und Pflanze übertragen werden und so die Entwicklung neuer und alternativer Antimykotika vorantreiben.
Trichoderma spp. stellen eine wirksame biologische Lösung zum Schutz von Nutzpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten dar. Anstelle chemischer Fungizide kann die Landwirtschaft auf diese Form der Biokontrolle zurückgreifen, bei der Pilze eingesetzt werden, die Schadpilze gezielt parasitieren und so Krankheiten wie Krautfäule, Weißfäule und Erdbeerfäule eindämmen. Kürzlich konnten wir zudem nachweisen, dass Trichoderma auch Blattfleckenkrankheiten an Zuckerrüben wirksam reduziert - eine bedeutende Bedrohung für landwirtschaftliche Erträge. Unsere Forschungsarbeiten zeigen, dass Trichoderma atroviride seine äußere Schicht, die Zellwand, aktiv modifiziert, um der Erkennung und Abwehr durch andere Pilze, die er parasitiert, zu entgehen. Diese Anpassungsfähigkeit ist ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg als mykoparasitischer Organismus. Gleichzeitig dient die Zellwand nicht nur dem Schutz vor Stress, sondern ermöglicht auch die gezielte Interaktion mit anderen Pilzen sowie die kontrollierte Freisetzung essenzieller Proteine. Wir konnten nachweisen, dass Trichoderma seine Zellwand in verschiedenen Lebensstadien rasch anpasst, sowohl zum Schutz vor schädlichen Pilzen als auch zur Unterstützung von Wachstums- und Entwicklungsprozessen. Dabei spielt ein von uns identifizierter Schlüsselregulator der Genexpression eine zentrale Rolle, insbesondere bei der Bildung und Reifung von Sporen, die für die Verbreitung des Pilzes und somit auch für die Anwendung im Pflanzenschutz essenziell sind. Eine weitere wichtige Entdeckung ist die Anreicherung des Biopolymers Chitosan in der Zellwand während der Interaktion mit anderen Organismen. Dieses Molekül trägt wesentlich zur Flexibilität der Zellstruktur bei und unterstützt den Erfolg von Trichoderma sowohl in der Interaktion mit anderen Pilzen als auch möglicherweise in der Interaktion mit Pflanzen. Darüber hinaus identifizierten wir mehrere Enzyme, die für den Aufbau und den Umbau der Zellwand verantwortlich sind. Einige dieser Enzyme sind für das normale Wachstum unerlässlich, während andere insbesondere unter Stressbedingungen aktiv werden und zur Sporenbildung beitragen. Diese funktionelle Differenzierung unterstreicht die hohe Anpassungsfähigkeit des Organismus. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern ein detailliertes Verständnis darüber, wie sich Trichoderma an unterschiedliche Umweltbedingungen anpasst und im Pflanzenschutz effektiv eingesetzt werden kann. Sie eröffnen neue Perspektiven für die sichere und gezielte Anwendung biologischer Kontrollstrategien und schaffen zugleich die Grundlage für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Pilzinfektionen. Insgesamt beleuchten die Ergebnisse zentrale molekulare Mechanismen des Zellwandstoffwechsels, die es mykoparasitären Pilzen ermöglichen, die Abwehrreaktionen ihrer Wirte zu überwinden. Damit tragen sie zur Optimierung des Einsatzes von Trichoderma atroviride in der biologischen Schädlingsbekämpfung bei und liefern zugleich wichtige Ansätze für die Entwicklung neuer Antimykotika. Die Resultate unterstreichen die hohe gesellschaftliche Relevanz nachhaltiger, biologischer Lösungen im Pflanzenschutz.
- FH Campus Wien - 10%
- Medizinische Universität Innsbruck - 90%
- Harald Kühnel, FH Campus Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 44 Zitationen
- 6 Publikationen
- 1 Policies
- 4 Methoden & Materialien
- 4 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
-
2026
Titel Insights into chitosan metabolism: deciphering the functional roles of fungal chitosanases Typ Conference Proceeding Abstract Autor Carolina Escobar Rodriguez -
2022
Titel The multilateral efficacy of chitosan and Trichoderma on Sugar Beet Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lisa Kappel Konferenz MICROBE-ASSISTED CROP PRODUCTION OPPORTUNITIES, CHALLENGES & NEEDS", Vienna, July 11-14, 2022. Link Publikation -
2024
Titel "The AbaA-like transcription factor Tec1 impacts mycoparasitism and is an important regulator of conidiophore maturation and chitin metabolism in Trichoderma atroviride" Typ Conference Proceeding Abstract Autor Carolina Escobar Rodriguez Konferenz IMC12 - NETHERLANDS - August 2024 -
2024
Titel A comparative cell wall analysis of Trichoderma spp. confirms a conserved polysaccharide scaffold and suggests an important role for chitosan in mycoparasitism DOI 10.1128/spectrum.03495-23 Typ Journal Article Autor Kappel L Journal Microbiology Spectrum Link Publikation -
2022
Titel The Multilateral Efficacy of Chitosan and Trichoderma on Sugar Beet DOI 10.3390/jof8020137 Typ Journal Article Autor Kappel L Journal Journal of Fungi Seiten 137 Link Publikation -
0
Titel submitted paper to Mycoshere 2026 Typ Other Autor Kappe Lisa And Carolina Escobar
-
2022
Titel Contribution to the growing adoption of biological pest control at both local and international levels Typ Influenced training of practitioners or researchers
-
2020
Titel Fungal knockout lines Typ Biological samples Öffentlich zugänglich -
0
Titel Fungal knockout lines Typ Cell line Öffentlich zugänglich -
0
Titel Fluorogenic probe Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich -
2026
Titel Fungal overexpression cell line Typ Cell line Öffentlich zugänglich
-
2023
Link
Titel Gruber, Sabine: Insekten liefern einen Wirkstoff, der Pflanzen schützt (Interview). In: Die Presse vom 11.11.2023 Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2022
Link
Titel Am Ende steht das Enzym" Jahresbericht 22/23 der FH Campus Wien/ChisMet Arbeitsgruppe Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2023
Link
Titel Podcast neunemalklug Hochschule Campus Wien Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2023
Link
Titel Gruber, Sabine: Pilze als Ersatz für chemische Pestizide (Interview). In: derStandard.at vom 06.01.2023. Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link
-
2021
Titel several invitations to work as guest editors for various journals. Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International
-
2022
Titel Expanding the value chain - biological extraction of chitosan for insect-based waste bioconversion Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2022 Geldgeber University of Applied Sciences Wien