MetLung, ein innovatives 3D Lungenmetastasen Modell
MetLung, an innovative 3D lung metastasis model
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (60%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%)
Keywords
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Pediatric cancer,
Metastasis,
Bio-Printing,
Organoids,
Drug Testing
Metastasierung ist die führende Todesursache bei Krebspatienten. Die häufigste Lokalisation von Metastasen bei soliden Tumoren des Kindesalters ist die Lunge. Ein Grund für das therapeutische Versagen bei metastasierter Erkrankung liegt in unserem geringen Wissen über die Besonderheiten der metastatischen Nische, welches auf einen Mangel an relevanten Tumormodellen zurückzuführen ist. Tiermodelle werden immer noch als Goldstandard für die präklinische Forschung angesehen, obwohl sie die menschliche Biologie nur unvollständig widerspiegeln und sie eine Vorhersage des Medikamentenansprechens in nur sehr geringem Maße zulassen. Neue technologische Fortschritte ermöglichen jedoch alternative Ansätze: Aus Gewebestammzellen können im Reagenzglas Organoide hochgezogen werden, welche die spezielle Architektur, Zusammensetzung und funktionellen Eigenschaften des Ursprungorgans rekapitulieren, während dreidimensional gedruckte Konstrukte die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Gewebeumgebung nachahmen. Unser Ziel ist es, vielseitig verwendbare und skalierbare in vitro Alternativen zu Tiermodellen für Lungenmetastasen solider Tumore zu schaffen, die in der präklinischen Medikamententestung Anwendung finden sollen. Unsere Modelle werden schrittweise mit steigender Komplexität konstruiert. Das Design der Modelle folgt der Zusammensetzung und den Eigenschaften von echten Lungenmetastasen der Patienten, welche mittels neuester, räumlich auflösender genomischer Einzelzellanalysen im Hochdurchsatz ermittelt werden, um eine höchstmögliche Vergleichbarkeit der Modelle mit der metastatischen Nische der Lunge zu erreichen. Die zelluläre Komplexität und die physikalischen Eigenschaften der Lungennische wird dann mit Lungenorganoid Kulturen in 3D- gedruckten Konstrukten simuliert. Diese Modelle werden dann mit Tumorzellen von Metastasen der Patienten besiedelt, und zur Ermittlung der Sensitivität gegenüber einer Vielzahl von Medikamenten herangezogen. So wollen wir den formalen Beweis erbringen, dass patientenspezifische 3D Modelle von Lungenmetastasen pädiatrischer solider Tumore eine ernstzunehmende Alternative zu Tiermodellen darstellen, um eine personalisierte Therapieauswahl für Patienten mit Lungenmetastasen zu ermöglichen. Zum ersten Mal werden wir Einzelzellgenomik, Organoid, und 3D-Druckverfahren kombinieren, um in vitro das Tumorwachstum in der metastatischen Nische nachzubilden. Dies erlaubt uns einen gezielten Eingriff in die Interaktion zwischen Tumor und metastatischer Nische, um effizientere, Biologie-basierte, personalisierte Behandlung von Lungenmetastasen zu ermöglichen.
Die häufigste Todesursache von Krebspatienten ist die Ausbildung von Therapie resistenten Absiedelungen in andere Organe. Viele solide Tumore tendieren dazu in die Lunge zu metastasieren. Dies gilt insbesondere auch für Knochentumoren des Kindes- und Jugendalters. Um Therapien zu entwickeln, die effektiv Lungenmetastasen bekämpfen, bedarf es geeigneter Modelle, die die Beobachtung von Tumorzellen im Lungenkontext ermöglichen. Bisher standen für die Metastasen spezifische Medikamententestung ausschließlich Tiermodelle zu Verfügung, welche die humane Biologie nur teilweise abbilden. In diesem Projekt entwickelten wir ein modulares, auf rein humanen Organoiden basierendes Kulturverfahren, das die Infiltration primärer humaner Tumorzellen in die menschliche Lunge ex vivo nachvollzieht. Dabei entdeckten wir unterschiedliche Muster der Tumorinfiltration bei Osteosarkomen und Ewing Sarkomen, den häufigsten Knochentumoren im Jugendalter. Während Osteosarkomzellen tief ins Innere der komplexen Lungenorganoide vordrangen, blieben Ewing Sarkomzellen in der Regel oberflächennahe. Die zur Validierung unserer Ergebnisse vorgenommene systematische Auswertung von Computertomographie Scans von Lungenmetastasen bei Patienten ergab ähnliche Infiltrationsmuster: Osteosarkomabsiedelungen fanden sich in der Lunge in der Regel in größerer Tiefe als Ewing Sarkom Metastasen. Die Adaptierung unseres Modells an Flüssigkulturbedingungen ermöglichte uns, frühe Auswirkungen des Kontaktes von Knochentumorzellen mit dem Lungenepithel zu untersuchen. Phänotypisch beobachteten wir eine markante fibrotische Strukturveränderung der Organoide. Entsprechend entdeckte die Einzelzell-Sequenzierung auf Transkriptomebene molekulare Veränderungen verschiedener Lungenepithelzelltypen, die mit Gewebereparatur in Antwort auf den Tumorzellkontakt vereinbar sind. Zur Validierung dieses Befundes untersuchten wir Gewebeschnitte von 21 Knochentumor Lungenmetastasen im Vergleich zu den korrespondierenden Primärtumoren mittels Spatial Transcriptomics Technologie. Wir bestätigten das Auftreten einer mit Gewebereparatur und Fibrose verbundenen Genexpressionssignatur im Lungengewebe der unmittelbaren Nachbarschaft der Metastasen. Weiterführende Einzelzelluntersuchungen erbrachten Hinweise auf die für die Auslösung fibrotischer Veränderungen verantwortliche molekulare Mechanismen, die wir durch Behandlung der gemischten Lungenorganoide mit pharmakologischen Hemmstoffen bestätigen konnten. In einer Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien konnten ferner die Auswirkungen der Exposition gegenüber Mikroplastik in unserem Lungenorganoidmodell studiert werden. Dabei zeigte sich, dass Mikroplastik aus unserer Umwelt das Genexpressionsprogramm gesunder Lungenepithelzellen markant verändert. Gemeinsam zeigen unsere Ergebnisse, dass es möglich ist verschiedene pathologische Prozesse in der Lunge im Organoidmodell nachzuvollziehen und somit die Grundlage für zukünftige Medikamententestung zu legen.
- Martin Metzelder, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Matthias Farlik-Födinger, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Aleksandr Ovsianikov, Technische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Hans Clevers, Universiteit Utrecht - Niederlande
Research Output
- 7 Publikationen
- 1 Methoden & Materialien
- 1 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2026
Titel Modelling EWS::FLI1 protein fluctuations reveal determinants of tumor plasticity in Ewing sarcoma. DOI 10.1038/s44321-025-00364-7 Typ Journal Article Autor Hafemeister C Journal EMBO molecular medicine Seiten 646-676 -
2025
Titel Mevalonate pathway activation in Ewing sarcoma reveals a 3D-specific synergy between statins and BCL-xL inhibition DOI 10.1101/2025.11.20.689456 Typ Preprint Autor Radic-Sarikas B Seiten 2025.11.20.689456 Link Publikation -
2025
Titel Dynamic modelling of EWS::FLI1 fluctuations reveals molecular determinants of phenotypic tumor plasticity and prognosis in Ewing sarcoma DOI 10.1101/2025.04.03.647002 Typ Preprint Autor Suresh V Seiten 2025.04.03.647002 Link Publikation -
2025
Titel Abstract 1304: A novel organoid-based model to study pediatric tumor metastasis to the lung DOI 10.1158/1538-7445.am2025-1304 Typ Journal Article Autor Zylka M Journal Cancer Research Seiten 1304-1304 -
2025
Titel Small Particles, Big Problems: Polystyrene nanoparticles induce DNA damage, oxidative stress, migration, and mitogenic pathways predominantly in non-malignant lung cells DOI 10.1016/j.jhazmat.2025.139129 Typ Journal Article Autor Ernhofer B Journal Journal of Hazardous Materials Seiten 139129 Link Publikation -
2025
Titel Small Particles, Big Problems: Polystyrene nanoparticles induce DNA damage, oxidative stress, migration, and mitogenic pathways predominantly in non-malignant lung cells DOI 10.1101/2025.03.24.644975 Typ Preprint Autor Ernhofer B Seiten 2025.03.24.644975 Link Publikation -
2024
Titel Abstract 196: In vitro modeling of pediatric solid tumor lung metastases DOI 10.1158/1538-7445.am2024-196 Typ Journal Article Autor Zylka M Journal Cancer Research Seiten 196-196 -
2022
Titel Abstract 6245: 3D-models of pediatric bone sarcomas for personalized therapeutic screening DOI 10.1158/1538-7445.am2022-6245 Typ Journal Article Autor Ilg M Journal Cancer Research
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0
Titel Liquid co-culture model of mixed tumor/lung organoids Typ Model of mechanisms or symptoms - in vitro Öffentlich zugänglich
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2024
Titel Participation in an open day (Lange Nacht der Kinderkrebsforschung) Typ Participation in an open day or visit at my research institution
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2025
Titel 2025 AACR-PEZCOLLER FOUNDATION SCHOLAR-IN-TRAINING AWARD Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International
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2025
Titel Harnessing the immune system to treat Ewing sarcoma in the lungs Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2025 Geldgeber Bone Cancer Research Trust