Reperfusionsschaden nach endovaskulärer Schlaganfalltherapie
Reperfusion Injury after Endovascular Stroke Treatment
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (100%)
Keywords
- Ischemic Stroke,
- Mechanical Thrombectomy,
- Reperfusion Injury,
- Intracranial Hemorrhage,
- Transcranial Duplex Sonography,
- Cerebral Hyperperfusion
In Österreich erleiden jedes Jahr ca. 25.000 Menschen erstmals einen Schlaganfall, der somit zu den häufigsten medizinischen Notfällen zählt. Schwere Schlaganfälle, ausgelöst durch Verschlüsse großer Hirnarterien durch Blutgerinnsel, können seit einigen Jahren neben Medikamenten vor allem mit Hilfe einer radiologischen Kathetertechnik erfolgreich behandelt werden. Dieses Verfahren wird als mechanische Thrombektomie bezeichnet. Nach Punktion einer Arterie in der Leistenregion wird unter bildgebender radiologischer Kontrolle ein dünner Katheter zum verschlossenen Hirngefäß geführt und das Blutgerinnsel (welches das Hirngefäß blockiert) anschließend abgesaugt oder mittels Drahtgeflecht, in welchem sich das Gerinnsel verfängt, entfernt. Durch diese neue Behandlung, die in Österreich mittlerweile flächendeckend an größeren neurologischen Zentren zur Verfügung steht, gelingt es in nahezu 90% der Fälle das verschlossene Hirngefäß wieder zu eröffnen, sodass das Gehirn wieder mit Blut und Sauerstoff versorgt werden kann. Bei ca. der Patient*innen kommt es jedoch nach erfolgreicher Thrombektomie zu einer Einblutung im Gehirn, welche nicht nur die weitere Therapie erschwert, sondern bei entsprechendem Ausmaß auch die neurologische Funktion und Prognose der Patient*innen verschlechtert. Die genauen zugrundeliegenden Mechanismen, warum ein Teil der Patient*innen nach erfolgreicher Gefäßwiedereröffnung durch die mechanische Thrombektomie Gehirnblutungen erleiden, sind jedoch noch unklar. In ersten Untersuchungen konnten wir und andere internationale Forschungsgruppen zeigen, dass möglicherweise eine schädliche vermehrte Durchblutung im Bereich der ehemals minderdurchbluteten Areale des Gehirns vorliegt, welche mittels einfacher Ultraschalluntersuchungen der Hirngefäße rasch am Krankenbett erkannt werden kann. In dieser nun geplanten Studie, die an neurologischen Schlaganfallspezialkliniken in Graz, Innsbruck und Salzburg durchgeführt wird, untersuchen wir Risikofaktoren für das Auftreten von Gehirnblutungen nach erfolgreicher Schlaganfalltherapie. Speziell interessieren wir uns für Blutflussveränderungen nach mechanischer Thrombektomie beim Schlaganfall unter Zuhilfenahme von Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) und deren Zusammenhang mit Einblutungen und Schwellungen im Gehirn. Außerdem studieren wir, ob bestimmte neue Blutparameter diese wichtigen Komplikationen beim Schlaganfall voraussagen können. Sollten sich unsere Annahmen bestätigen, könnte es in Zukunft möglich werden, durch einfache Ultraschalluntersuchungen der Gehirndurchblutung und Labortests Risikopatient*innen zu identifizieren, die Gefahr laufen weitere Gehirnschäden (v.a. Einblutung und Schwellung) nach erfolgter Schlaganfallakuttherapie zu entwickeln.
In unserem Forschungsprojekt untersuchten wir, wie sich die Durchblutung des Gehirns nach einer modernen Schlaganfallbehandlung verändert. Im Mittelpunkt stand die sogenannte mechanische Thrombektomie - ein Verfahren, bei dem Blutgerinnsel aus Hirnarterien entfernt werden, um die Blutversorgung möglichst rasch wiederherzustellen. Diese Behandlung hat die Versorgung schwerer Schlaganfälle in den letzten Jahren revolutioniert. Dennoch entwickeln manche Patientinnen und Patienten trotz erfolgreicher Wiedereröffnung des Gefäßes Komplikationen oder erholen sich schlechter als erwartet. Ziel unseres Projekts war es daher, frühe Warnzeichen für solche Komplikationen zu identifizieren. Dafür untersuchten wir über 200 Schlaganfallpatientinnen und -patienten mit einer speziellen Ultraschallmethode ("transkranielle Duplexsonographie") sowie ergänzend mit modernen MRT-Durchblutungsuntersuchungen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass es nach erfolgreicher Wiedereröffnung eines Hirngefäßes häufig zu einer vorübergehenden "Überdurchblutung" des betroffenen Hirnareals kommt. Diese Veränderungen konnten wir direkt am Krankenbett mittels Ultraschall erfassen. Besonders wichtig war dabei der Nachweis, dass die Ultraschallbefunde sehr gut mit den deutlich aufwendigeren MRT-Untersuchungen übereinstimmen. Damit konnte gezeigt werden, dass Ultraschall eine einfache, schnelle und zuverlässige Methode zur Überwachung der Hirndurchblutung nach Schlaganfall ist. Darüber hinaus zeigte sich, dass Patientinnen und Patienten mit einer ausgeprägten Überdurchblutung häufiger größere Hirnschäden, Hirnschwellungen oder Blutungen entwickelten und insgesamt ein höheres Risiko für einen ungünstigen Verlauf hatten. Die Studie liefert damit wichtige Hinweise darauf, dass nicht nur die erfolgreiche Wiedereröffnung des Gefäßes entscheidend ist, sondern auch die anschließende Regulation der Hirndurchblutung. Die Ergebnisse unseres Projekts tragen dazu bei, die Behandlung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten weiter zu verbessern. Langfristig könnten Ultraschalluntersuchungen helfen, Risikopatienten frühzeitig zu erkennen und Therapien - etwa die Blutdruckbehandlung oder intensivmedizinische Überwachung - individueller anzupassen. Dadurch könnten Komplikationen reduziert und die Erholung nach einem Schlaganfall verbessert werden. Weitere Arbeiten aus diesem mulizentrischen Projekt (Medizinische Universitäten Graz und Innsbruck sowie PMU Salzburg) beschäftigen sich mit Blutbiomarkern in der Prognoseeinschätzung und Erkennung nach Komplikationen nach Schlaganfall und werden in Kürze veröffentlicht werden.
- Michael Knoflach, Medizinische Universität Innsbruck , nationale:r Kooperationspartner:in
- Johannes Sebastian Mutzenbach, nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 4 Zitationen
- 1 Publikationen
-
2025
Titel Effect of Thrombolytics on Delayed Reperfusion After Incomplete Thrombectomy DOI 10.1212/wnl.0000000000213641 Typ Journal Article Autor Mujanovic A Journal Neurology Link Publikation