Wissenschaftsdisziplinen
Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (10%); Kunstwissenschaften (80%); Werkstofftechnik (10%)
Keywords
-
Speculative And Critical Design,
Hybrid Arts,
Digital Fabrication,
E-Textiles Technology,
Crafted (Macro)Electronics,
Invention And Artistic Intervention
Verknüpfte Welten verbindet die gemeinsamem künstlerischen Forschungsgebiete von Kunst, Design, Open Culture, Digitaler Fabrikation, Informationstechnologie und Elektronik mit den wissenschaftlichen Methoden der Textiltechnologie. Das Projekt untersucht Textiltechnologien als kontroversielles Mittel digitaler Fabrikation, im Speziellen dem elektronischen Objekt, basierend auf Erkenntnissen vorangegangener künstlerischer Forschung: Die Muster nach denen gestrickt, gewebt und gestickt wird, entsprechen dem zugrundeliegenden Code der digitalen Manufaktur. Da das Muster gespeichert, kopiert und geteilt werden kann, kann das Textil zu unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten und wiederholt Gestalt annehmen. Des Weiteren könnte es mit dem Aufkommen elektrischer Textilien möglich werden, Textilproduktionen dahingehend zu adaptieren, Muster in elektronische Funktionen zu übersetzten. Elaborierte Prozesse und Materialien können folglich eingesetzt werden, um elektronische Komponenten wie Widerstände, Kondensatoren, Spulen und schließlich komplette elektronische Anwendungen zu fabrizieren. Im Gegensatz zu vergangenen Projekten, die sich mit ähnlichen Forschungsthematiken aus technologischer und modischer Perspektive auseinander gesetzt haben, soll Verknüpfte Welten in den Laboratorien experimenteller Produktion angesiedelt sein. Dadurch soll das Feld künstlerischer Auseinandersetzung erschlossen werden, die nicht an den Zweck technologischer Forschung gebunden ist, sondern mögliche weitreichende Implikationen auch auf kulturelle Werte und Praktiken reflektiert. In dieser Hinsicht stellt Verknüpfte Welten die entscheidende Frage, ob dem `was` wir machen tatsächlich mehr Bedeutung zukommen soll als dem `wie` wir es machen. Anstatt neuer Dinge zu erfinden, die neue Konsumenten erschließen, widmen wir uns neuen Produktionsprozeduren, die neue handelnde AkteurInnen mit sich bringen. Was wäre, wenn elektronische Objekte aus textiler Produktion entstehen würden? Wie würde sich Technologien unterscheiden, Handwerk und textile Techniken die Katalysatorinnen der Elektronikindustrie wären? Das Projekt besteht aus vier parallel und in Interaktion zueinander ausgeführten Forschungsbereichen. (1) `Experimentation` beschreibt die Untersuchung der technischen Möglichkeiten elektronische Komponenten zu stricken, zu weben oder zu sticken in Kollaboration mit Textiltechnologie,- und Elektronikexperten. (2) `Theoretische Studien` geben einen tieferen Einblick in spekulative Gedanken aus den assoziierten Fachgebieten Wirtschaft, Technologien, Politik und Materialwissenschaften. (3) `Spekulation` beschreibt die ästhetischen Investigationen prototypischer Objekte und Installationen, ausgerichtet auf das Entdecken neuer, provokativer Formen künstlerischen Ausdrucks basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen. (4) `Reflektion und Dissemination` schließlich ist darauf ausgerichtet, das Verständnis und die Position unserer eigenen künstlerischen Praxis im gegenwärtigen künstlerischen Diskurs zu stärken. Verknüpfte Welten zielt auf die Kreation sogenannter textiler `Tactual Tales` ab. Objekte und Installation stellen Narrativen plausibler/fiktiver Welten zur Disposition, eine Welt in der Textil und Elektronik neuartig zusammenfinden. Die Resultate des künstlerischen Forschungsprozesses und der damit einhergehenden Fragestellungen werden schließlich über eine Ausstellung und eine Publikation einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Das Projekt Stitching Worlds untersuchte Textiltechnologien im Kontext kontroversieller Möglichkeiten elektronische Objekte damit herzustellen. Hierbei war ein spezieller Fokus auf die Verwendung traditioneller, dekorativer Metallfäden als elektrische Leiter gerichtet. Die Fragen, die durch diese Forschungsarbeit, auf kritische und künstlerische Weise bearbeitet wurden waren wie folgt: Was wäre, wenn der Industriezweig der Elektronik aus Handwerkstechniken, wie z.B.: Stricken, Weben, Häkeln und Sticken, entstanden wäre? Wie würde sich die Technologien von der heutigen unterscheiden, wenn Textilhandwerk und textile Techniken als Katalysatoren der Elektronikindustrie fungiert hätten? Das Projekt stellt bis dato unangefochtene, gesellschaftlich akzeptierte Wertesysteme und deren Folgen infrage, indem unerwartete Potentiale und das Sichtbarmachen oftmals unterschätzter Kenntnisse und Fertigkeiten aufgezeigt und erforscht wurden. Stitching Worlds ruhte auf drei wichtigen Säulen: (1) die Textilelektronikwerkstätte, eingerichtet an der Universität für Angewandte Kunst Wien; (2) der Forschungsblog zu dem Projekt (www.stitchingworlds.net); und (3) ein interdisziplinäres und internationales ExpertInnennetzwerk. Für die Erforschung der zu verwendenden Technologien wurden weiters vier verschiedene, aber stark untereinander verwobene, Wege eingeschlagen: (1) Untersuchung der technischen Umsetzbarkeit, elektronische Komponenten herzustellen, die auf Textiltechnologie basieren. (2) Theoretische Studien zur Untersuchung tieferer, interdisziplinärer Themen rund um die Geschichte der Elekronik und Textilien. Erforschung und Miteinbeziehen von unterschätzten und ungenutzten Textiltechniken, Fertigkeiten und Manufakturen. (3) Konstante Spekulation und Optimieren der entwickelten prototypischen Objekte und Installationen, ausgerichtet auf das Entdecken neuer Formen künstlerischen Ausdrucks. (4) Reflexion und Dissemination, um das Verständnis und die Position unserer eigenen künstlerischen Praxis im gegenwärtigen künstlerischen Diskurs zu stärken. Das Design neuer Werkzeuge für potentielle TextilelektronikerInnen, die Untersuchungen Ton durch die Verwendung von Stahlfasern aufzunehmen, und die Erfindung eines textil- basierten, elektromechanischen Relays zur Erschaffung eines handwerklich gefertigten, Computers, sind nur einige Highlights unserer wichtigsten Ergebnisse. Im Rahmen des Projektes wurden mehr als 10 Forschungsartikel, Zeitungsberichte und Beiträge in Magazinen veröffentlicht; es entstanden ca. 25 Konferenzbeiträge, darunter viele öffentliche Vorträge. Verschiedene Stadien des Projektes wurden außerdem regelmäßig auf internationalen Ausstellungen präsentiert. Das Projekt wurde mit einer Ausstellung, begleitet von einer Buchveröffentlichung, finalisiert. In dieser Ausstellung wurden fünf innovative Kunstinstallationen sowie eine Rekonstruktion der Stitching Worlds Textilelektronikwerkstätte im Angewandte Innovation Laboratory (AIL) in Wien von 09.-27. April 2018 gezeigt. Das Buch mit dem Titel Stitching Worlds: Exploring Textiles and Electronics, publiziert im Revolver Verlag, zeichnet den Entwurf eines Forschungsraums, außerhalb industriell und profitorientierter Untersuchungen.
- Hannah Perner-Wilson, Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin - Deutschland
- Mika Satomi, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Deutschland
- Anthony Dunne, Royal College of Art - Großbritannien
- Mark Miodownik, University College London - Großbritannien
- Lars Hallnäs, University College of Boras - Schweden
- Sevil Yesilpinar, Dokuz Eylul University - Türkei
- Onur Akmehmet, Tufts University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Orkan Telhan, University of Pennsylvania - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 127 Zitationen
- 5 Publikationen
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2017
Titel Crafting Tools for Textile Electronic Making DOI 10.1145/3027063.3052972 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Posch I Seiten 409-412 -
2017
Titel E-textile tooling: new tools—new culture? DOI 10.1186/s13731-017-0067-y Typ Journal Article Autor Posch I Journal Journal of Innovation and Entrepreneurship Seiten 10 Link Publikation -
2017
Titel Crafting tools DOI 10.1145/3038227 Typ Journal Article Autor Posch I Journal Interactions Seiten 78-81 -
2016
Titel CRAFTED LOGIC Towards Hand-Crafting a Computer DOI 10.1145/2851581.2891101 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Posch I Seiten 3881-3884 -
2018
Titel Integrating Textile Materials with Electronic Making DOI 10.1145/3173225.3173255 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Posch I Seiten 158-165