Sprachbewußtsein und Sprachhandeln. Bedingungen und Formen des Umgangs von Romands mit Deutschschweizern in verschiedenen urbanen Kontexten
Sprachbewußtsein und Sprachhandeln. Bedingungen und Formen des Umgangs von Romands mit Deutschschweizern in verschiedenen urbanen Kontexten
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Ziel meiner Arbeit ist die Herausarbeitung der Wechselbeziehung zwischen Sprachbewußtsein und Sprachhandeln,
konkretisiert in der Frage, in Funktion welchen Sprachbewußtseins französischsprachige Schweizer sprachlich wie
mit Deutschschweizern umgehen, dies in verschiedenen urbanen Kontexten. Die Relevanz des Themas ergibt sich
aus dem Umstand, daß das ideologische und kommunikative Verhältnis zwischen Romands und Deutschschweizern
entscheidend für den Bestand der mehrsprachigen Schweiz ist, eine Aktualität daraus, daß auch in der Schweiz
selbst eine Vertiefung des sog. "Röschtigrabens", also der sprachlichen und kulturellen Differenz zwischen
französisch- und deutschsprachigem Landes- und Bevölkerungsteil, diagnostiziert wird. Besondere Bedeutung und
mein vorrangiges Interesse hat hierbei das Befinden der Romands, die als kleinere der beiden Sprachengruppen
stärker strukturellen Belastungen ausgesetzt sind als die Deutschschweizer und damit zugleich sensiblere
Seismologen für Erschütterungen im Verhältnis der beiden Gruppen zueinander sind.
Methodisch siedelt sich meine soziolinguistische Arbeit im Bereich der sog. qualitativen Sozialforschung an. Der
zentrale Arbeitsbegriff ist der des Sprachbewußtseins. Dieses konzeptualisiere ich als intelligible Verarbeitungs - un
Vermittlungsinstanz zwischen gegebenen anthropogenen und sozialen Voraussetzungen (hier v.a. soziale und
kulturelle Normen, sprachliche Sozialisation, Erfahrungen und Wissen) auf der einen und konkret sprachbezogenen
Deutungen und Bewertungen sowie dem Kommunikationsverhalten auf der anderen Seite. Die Kausalität innerhalb
dieser Funktionstrias - in meiner Arbeit bezeichne ich sie als Zusammenwirken von Determinanten,
Entscheidungen und Manifestationen - ist dabei keine lineare, sondern eine zirkuläre, wobei die Zirkularität ihr
zugleich Dynamik verleiht. Um die Spannweite dieser Dynamik zu erfassen, gilt es, das Funktionieren des
Sprachbewußtseins in verschiedenen sozialen Kontexten zu untersuchen. Vier solcher Kontexte erscheinen mir für
meinen Untersuchungszusammenhang von besonderer Bedeutung zu sein:
a) die gesamtstaatliche Ebene, auf der eine vor allem durch die numerische und ökonomische Dominanz der
Deutschschweizer begründete Majorisierungsfurcht der Romands mit der beruhigenden Gewißheit um die
konstitutionell abgesicherte Gleichrangigkeit der eigenen Sprache kontrastiert;
b) das Gebiet der französischen Schweiz, deren offizielle Monoligualität, gesichert durch das Territoialitätsprinzip,
sowie eine ausgeprägte kulturelle Anlehnung an Frankreich das Gefühl kultureller Bedrohtheit ebenso deutlich
reduziert wie die kommunikatorische Präsenz des Deutschen;
c) das französisch-deutsche Sprachgrenzgebiet in der Schweiz, in dem sich teils konträre Determinanten
variantenreich zu Regulatoren des Sprachbewußtseins zusammenfügen;
d) schließlich das Leben a