Propaganda, Kommunikation und Öffentlichkeit (11. bis 16. Jahrhundert)
Propaganda, Kommunikation und Öffentlichkeit (11. bis 16. Jahrhundert)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Propaganda,
Öffentlichkeit,
Kommunikationsgeschichte,
Konfliktanalyse
Die in den letzten Jahren gestiegene Bedeutung der Medien hat zu einer verstärkten Erforschung von Kommunikation und Öffentlichkeit vergangener Epochen geführt. Dabei wurde offensichtlich, wie wichtig die Kenntnis von Kommunikationsmitteln und -praktiken für das Verständnis des Funktionierens vorparlamentarischer mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftssysteme ist. Ein Desiderat stellte bisher die Erforschung von "Propaganda" im Mittelalter und am Übergang zur Neuzeit dar, das mit vorliegendem Sammelband einer Wiener Tagung teilweise beseitigt wird und einen Anstoß zu weiterer Forschung geben will. In einem einleitenden Beitrag wird der kommunikationsgeschichtliche Rahmen der folgenden Untersuchungen abgesteckt und dabei festgestellt, daß der Begriff "Propaganda" in seiner modernen Bedeutung unter bestimmten Prämissen auch in der Mittelalterforschung seinen Platz hat. Die folgenden Beiträge erfassen den Raum der heutigen Länder Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechien und Italien in einem chronologischen und thematischen Querschnitt der Zeit vom 11. bis zum 16. Jahrhundert. Sie zeigen auf, wie und zwischen welchen gesellschaftlichen Gruppen Propaganda stattfand, welche die kontextuellen politisch-sozialen Kommunikationssituationen waren und vor allem welcher "Medien" sich die damaligen Propagandisten bedient haben. Verknüpft damit ist die Analyse von Verschriftlichungsprozessen und propagandistischen Schriftguttypen und ihrer Textfunktion und -strategie. Die Autoren zeigen auf, daß Propagandaschriftgut bereits seit dem Mittelalter in der "öffentlichen" und "privaten" Sphäre zum Einsatz kam und daß hierbei Institutionen wie Kirche (Päpste, Orden, Konzilien, Reformgruppen), Königtum, Städte, Universitäten, revolutionäre Bewegungen aber auch einzelne "Privatpersonen" und Historiographen involviert waren. Dementsprechend bewegen sich die von der damaligen Propaganda transportierten Themen zwischen privaten rechtlichen Problemen bis zu staatsrechtlichen und politischen Angelegenheiten ganzer Herrschaften und Länder.
- Karel Hruza, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in