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Die österreichischen Ausgrabungen der letzten dreißig Jahre in Tell el-Dabca erwiesen, daß es sich um den größten und ältesten Mittelbronzezeitfundort im östlichen Nildelta handelt. Seit dem Beginn der Ausgrabungen im Jahr 1966, mit einer Pause von 1970 bis 1974, fanden etwa 50 Ausgrabungs- und Aufarbeitungskampagnen statt. Im Lauf dieser Arbeiten wurde eine riesige Menge an stratifiziertem Fundmaterial, das von der 12. Dynastie bis zum späten Neuen Reich datiert, ans Tageslicht gebracht. Die meisten der untersuchten Phasen gehören in eine Zeitspanne vom späten Mittleren Reich bis zur Hyksoszeit. Dieser Band, der erste von zweien, beschäftigt sich mit der Keramik des späten Mittleren Reiches bis zum Ende der Hyksoszeit und enthält neben einer Einführung ein Generalcorpus der altägyptischen und levantinischen Keramik der späten 12. und 13. Dynastie. Das Nebeneinander der altägyptischen und der syrisch-palästinensischen Mittelbronzezeitkultur während des späten Mittleren Reiches und der Zweiten Zwischenzeit wird hier erstmals detailliert definiert. Zusammen mit dem bereits abgeschlossenen zweiten Band, der die Keramik der Hyksoszeit und die Zusammenfassung enthalten wird, wird diese Arbeit einen wichtigen Teil der Ausgrabungspublikationen von Tell el-Dabca bilden. Abgesehen von der Memphis-Fayumregion und Elephantine ist die Keramik des späten Mittleren Reiches und der Zweiten Zwischenzeit nur wenig bekannt, sodaß die Publikation dieses Materials wertvolle Informationen über die in dieser Zeit aktiven regionalen Keramiktraditionen liefert. Band 1 bietet eine allgemeine Einführung in Umfang und Ziele der Publikation, Rohstoffe der Keramik, Terminologie der Gefäße und Gefäßteile sowie in das verwendete System von Abkürzungen für die Beschreibung der einzelnen Objekte. Besonders erwähnenswert ist die Diskussion der Terminologie der Krüge, einer speziellen Gefäßklasse, die bisher noch nie in solchem Umfang und Detail vorgenommen wurde. Darauf folgt das eigentliche Corpus, das v.a. aus vollständig rekonstruierbaren Formen besteht. Das Material - 755 analysierte und illustrierte Gefäße - wurde in 196 Gefäßtypen aufgegliedert. Die Anordnung beginnt mit den aus ägyptischen Traditionen entwickelten Niltonformen, die ihrerseits wiederum in dekorierte Feinkeramik, undekorierte Feinkeramik und Grobkeramik unterteilt wurde. Alle Gefäßtypen wurden sowohl mit englischen als auch deutschen Fachtermini ausgestattet, sodaß eine einfache Verwendung für beide Sprachgruppen gewährleistet werden kann. Danach folgen jene 19 Gefäßtypen, die aus ägyptischem Mergelton hergestellt und zweifellos nach Tell el-Dabca importiert worden waren. Diese insgesamt 69 Gefäßtypen stellen ein typisches Repertoire dar, wie es auch im übrigen Ägypten in der späten 12. und frühen 13. Dynastie vorkommt, aber noch nie zuvor so detailreich vorgelegt wurde. Daher wird dieses Corpus für alle in Ägypten arbeitende Archäologen von größter Wichtigkeit sein. Der nächste Abschnitt dieser Arbeit, der 83 Gefäßtypen umfaßt, wird durch die levantinischen Importe und deren zahlreiche lokale Kopien gebildet. Hier ist besonders herauszustreichen, daß dieses Corpus, das ebenfalls in Fein- und Grobkeramik unterteilt ist, wahrscheinlich einzig und allein in Tell el-Dabca vorkommt. Der letzte Teil dieser Bearbeitung beschäftigt sich mit Votivkeramik aus dem späten Mittleren Reich. Schließlich enthält dieser Band eine substantielle Bibliographie. Alle Gefäße wurden typologisch angeordnet, um eine schnelle Übersicht über die Entwicklung der einzelnen Typen zu ermöglichen, um so mehr als darauf geachtet wurde einen benutzerfreundlichen Maßstab für die Gefäßzeichnungen anzuwenden.
- David Anthony Aston, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in