Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
Conservatism,
Czech national movement,
Aristocracy,
Christian Socials,
Moravia,
Antisemitism
Abstract
Die Tagebücher des Grafen Egbert Belcredi (1816-94) aus den Jahren ab 1850 wurden vom
mährischen Historiker Antonin Okac während der Zeit der KP-Herrschaft in jahrzehntelanger
privater Arbeit zur Veröffentlichung vorbereitet; doch nur ein kleiner Teil davon konnte im
Gefolge des Prager Frühlings unter einem anderen Namen publiziert werden. Die
gegenwärtige Edition umfaßt das gesamte Konvolut der Edition, ergänzt um einleitende
biographische Essays über Okac und Belcredi. Der Anmerkungsapparat wurde gründlich
überarbeitet, mit Verweisen auf die Korrespondenz Belcredis versehen und um die seither
erschienene Fachliteratur ergänzt.
Egbert Belcredi, der Bruder des österreichischen Ministerpräsidenten (1865-67) Richard
Belcredi, bekleidete keine ähnlich hohe Position. Doch er war über dreißig Jahre lang als
Abgeordneter im mährischen Landtag bzw. im cisleithanischen Reichsrat tätig und
engagierte sich vielfach in der konservativen Publizistik, insbesondere um die Zeitung Das
Vaterland. Zudem war Egbert Belcredi wie kaum ein anderer angesiedelt an der Schnittstelle
von ständisch-adeligem Konservativismus, böhmisch-staatsrechtlichen bzw. tschechisch-
nationalen Bestrebungen und politischem Katholizismus im Übergang zur christlichsozialen
Bewegung.
Seine Tagebücher vermitteln nicht bloß ein plastisches Bild der Gedankenwelt eines
entschiedenen Gegenspielers der Liberalen, mit all seinen Ecken und Kanten; sie sind auch
eine Fundgrube von Informationen zur altösterreichischen und insbesondere mährischen
Politik und liefern mit ihren (meist ungeschminkt harten) Urteilen über die handelnden
Persönlichkeiten einen wertvollen Beitrag zur Charakteristik der Epoche.