Liturgy, Libraries and Learning
Liturgy, Libraries and Learning
Disciplines
History, Archaeology (25%); Philosophy, Ethics, Religion (25%); Linguistics and Literature (50%)
Keywords
-
Byzantium,
Manuscripts,
Liturgy,
History Of Education,
Social History
Liturgie, Bibliotheken und Bildung anhand der byzantinischen Euchologia erforscht Manuskripte in mittelalterlichem Griechisch, die liturgische Texte für den Gebrauch von Priestern enthalten (euchologion bedeutet wörtlich Buch mit Gebeten). Von besonderem Interesse sind die kleinen Gebete für spezifische Anlässe (Anlassgebete), z.B. den ersten Schultag von Buben, Frauen mit Komplikationen bei der Geburt, die Segnung von Bienenkörben, oder die Weinernte. Dieses reiche Material kann Aufschluss geben über das Leben von Frauen, Männern und Kindern in allen Schichten der byzantinischen Gesellschaft und deren alltäglichen Anliegen. Von den Handschriften, die zwischen ca. 850 und ca. 1650 kopiert wurden, sind ca. 2000 bis 3000 auf uns gekommen. Diese enthalten ca. 600 verschiedene Gebetstexte. Seit 2015 widmet sich das Vienna Euchologia Project an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften der systematischen Erforschung dieses reichen, aber bisher wenig beachteten Materials. Liturgie, Bibliotheken und Bildung stellt Phase II des Vienna Euchologia Project dar, das in drei Phasen konzipiert ist. Die langfristigen Ziele sind die Erstellung eines Zensus der Handschriften, die die kleinen Gebete überliefern, und die Schaffung einer Datenbank von Gebeten, die die einzelnen Gebetstexte mit den Handschriften verlinkt, die diese enthalten. Beide dieser Ziele werden von dem gesamten Forschungsteam, einschliesslich der Nationalen Kooperationspartner, bearbeitet. Zusätzlich bearbeiten Projektmitarbeiter*innen fokussierte Einzelstudien als Grundlage für weiterführende Forschungen und um den Wert dieses Materials auch für das Bildungswesen und die Kulturgeschichte in byzantinischer Zeit zu demonstrieren. (1) Aufgrund der ca. 300 Handschriften, die lokalisierbar und datierbar sind, wird eine Matrix erstellt, auf der dann weitere Handschriften, denen diese Informationen fehlen, eingeordnet werden können. (2) Weiters werden die euchologia-Handschriften erforscht, die über Jahrhunderte in den Sammlungen von Klöstern überliefert wurden, um auf diese Weise mehr über deren Gebrauch und deren Besitz zu erfahren. Dies kann einen wichtigen Beitrag zum Entstehen der frühesten Bibliotheken Europas leisten. (3) Die Gebetstexte in den euchologia, die sich auf den Unterricht beziehen, sollen mit Lehr- und Lerntexten, die in höheren Bildungseinrichtungen verwendet wurden, verglichen werden. Professoren verfassten gelegentlich Lehrtexte in Gebetsform, oder sie verwendeten bereits bestehende Gebete im Unterricht. Auf diese Weise lassen sich neue Einblicke in die Verflechtung von Religion und Gelehrsamkeit im mittelalterlichen Byzanz gewinnen. Liturgie, Bibliotheken und Bildung wird die Erforschung der euchologia in Byzanz voranbringen mit besonderem Augenmerk auf die Kontexte, in denen die Handschriften und die darin enthaltenen Gebete entstanden sind und verwendet wurden. Damit lassen sich auch neue Erkenntnisse für die Geschichte von Klosterbibliotheken und die Geschichte der Bildung in Byzanz gewinnen.
- Eirini Afentoulidou, Österreichische Akademie der Wissenschaften , national collaboration partner
- Elisabeth Schiffer, Österreichische Akademie der Wissenschaften , national collaboration partner
- Daniel Galadza, Universität Regensburg - Germany