Das Werk Paulus Hochgatterers zeichnet sich aus durch einen feinkörnigen Realismus, oft rätselhafte
Handlungen und großen Anspielungsreichtum; außerdem durch eine Unzahl an Dingen, und zwar ganz konkret:
an materiellen Gegenständen. Sie gehören den Figuren dieser Texte, und dienen ihnen etwa als
Ausrüstungsgegenstände, als Werkzeuge, als Modeartikel, Talismane, Waffen. Auffällig ist dabei schon einmal
die starke Präsenz dieser sonst oft so unscheinbaren Dinge in den Texten dieses Autors, die Genauigkeit, in der
sie beschrieben, benannt, oft auch mit ihrem Markennamen versehen werden. Nicht nur erhalten die Dinge,
diese vermeintlichen Nebensachen, ein ungewöhnliches Maß an Aufmerksamkeit vonseiten der Texte wie ihrer
Protagonisten; dazu kommt, dass die Dinge, anstatt ihren Besitzern bloß zuhanden zu sein, immer wieder auf
unaufdringliche Art Eigenleben entwickeln: Sie beeinflussen ihre Besitzer, werden zu Trägern vielfältiger
Bedeutungen, mitunter stellen sie sich den Menschen auch in den Weg.
Dinge dieser Art wurden im Lauf der letzten zweihundert Jahre intensiv erforscht, vonseiten der Ethnologie, der
marxistischen Warenökonomie, der Psychiatrie und Psychoanalyse, meist unter dem Begriff des Fetisch. Der
Fetisch stellt eine Kategorie von Dingen dar, zu denen der Mensch in einer irrationalen, mit Hartmut Böhme
gesprochen: korrumpierten Beziehung steht, sei es im Bereich der Religion, der Ware und des Konsums oder
der Sexualität.
Die Texte Hochgatterers beziehen sich vielfach auf diese wissenschaftlichen Traditionen und Diskussionen (mit
einem Schwerpunkt auf psychoanalytischen Fetisch-Theorien). Ein genauerer Blick auf die in ihnen
literarisierten Objekte macht zweierlei deutlich: Erstens sind es gerade diese oft unauffälligen, am Rand der
Handlung anzutreffenden Dinge, die auf die Geheimnisse im Kern dieser rätselhaften Texte hindeuten. Zweitens
kann man den Texten des Autors auch Überlegungen dazu entnehmen, wie solche korrupten
Objektbeziehungen heutzutage - nachdem die Diskussionen über den Fetischismus abgeebbt sind - zu bewerten
wären: ob ein Leben ohne solche verdächtigen, verehrten, geliebten Dinge möglich oder überhaupt
wünschenswert wäre.