Disciplines
Other Humanities (15%); Philosophy, Ethics, Religion (5%); Linguistics and Literature (80%)
Keywords
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Literary Studies,
Hochgatterer,
Paulus,
Fetishism,
New Historicism
Das Werk Paulus Hochgatterers zeichnet sich aus durch einen feinkörnigen Realismus, oft rätselhafte Handlungen und großen Anspielungsreichtum; außerdem durch eine Unzahl an Dingen, und zwar ganz konkret: an materiellen Gegenständen. Sie gehören den Figuren dieser Texte, und dienen ihnen etwa als Ausrüstungsgegenstände, als Werkzeuge, als Modeartikel, Talismane, Waffen. Auffällig ist dabei schon einmal die starke Präsenz dieser sonst oft so unscheinbaren Dinge in den Texten dieses Autors, die Genauigkeit, in der sie beschrieben, benannt, oft auch mit ihrem Markennamen versehen werden. Nicht nur erhalten die Dinge, diese vermeintlichen Nebensachen, ein ungewöhnliches Maß an Aufmerksamkeit vonseiten der Texte wie ihrer Protagonisten; dazu kommt, dass die Dinge, anstatt ihren Besitzern bloß zuhanden zu sein, immer wieder auf unaufdringliche Art Eigenleben entwickeln: Sie beeinflussen ihre Besitzer, werden zu Trägern vielfältiger Bedeutungen, mitunter stellen sie sich den Menschen auch in den Weg. Dinge dieser Art wurden im Lauf der letzten zweihundert Jahre intensiv erforscht, vonseiten der Ethnologie, der marxistischen Warenökonomie, der Psychiatrie und Psychoanalyse, meist unter dem Begriff des Fetisch. Der Fetisch stellt eine Kategorie von Dingen dar, zu denen der Mensch in einer irrationalen, mit Hartmut Böhme gesprochen: korrumpierten Beziehung steht, sei es im Bereich der Religion, der Ware und des Konsums oder der Sexualität. Die Texte Hochgatterers beziehen sich vielfach auf diese wissenschaftlichen Traditionen und Diskussionen (mit einem Schwerpunkt auf psychoanalytischen Fetisch-Theorien). Ein genauerer Blick auf die in ihnen literarisierten Objekte macht zweierlei deutlich: Erstens sind es gerade diese oft unauffälligen, am Rand der Handlung anzutreffenden Dinge, die auf die Geheimnisse im Kern dieser rätselhaften Texte hindeuten. Zweitens kann man den Texten des Autors auch Überlegungen dazu entnehmen, wie solche korrupten Objektbeziehungen heutzutage - nachdem die Diskussionen über den Fetischismus abgeebbt sind - zu bewerten wären: ob ein Leben ohne solche verdächtigen, verehrten, geliebten Dinge möglich oder überhaupt wünschenswert wäre.