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ATLAS VON ARKADIEN

ATLAS OF ARCADIA

Meike Schmidt-Gleim (ORCID: 0000-0001-7971-2702)
  • Grant-DOI 10.55776/AR126
  • Förderprogramm Entwicklung und Erschließung der Künste
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2012
  • Projektende 30.09.2015
  • Bewilligungssumme 348.844 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (15%); Kunstwissenschaften (55%); Philosophie, Ethik, Religion (30%)

Keywords

    Historiography, Utopian History, Image Sciences, Walter Benjamin, Image-based Research, Aby Warburg

Abstract Endbericht

Der ATLAS VON ARKADIEN strebt an, für die Epoche nach dem Kalten Krieg eine neue Sozialgeschichte in Bildern statt als Text zu erstellen. Es geht dabei jedoch um die aktuelle Gegenwart. Eine Gegenwart, die vorwiegend als das logische und unvermeidbare Ergebnis der Vergangenheit präsentiert wird, die ihrerseits dazu dient zu erklären, warum die Dinge so und nicht anders sind. Der ATLAS VON ARKADIEN (Arkadien als Chiffre für die Utopie einer besseren Welt) will dagegen zeigen, dass es immer Alternativen gibt, geben wird und gegeben hat. Es geht also darum zu zeigen, dass unsre Gegenwart nicht für immer von der Vergangenheit vorbestimmt ist und dass die Geschichte an jedem Punkt ihres Entstehens auch anders hätte verlaufen können. Der ATLAS VON ARKADIEN entlehnt seine Werkzeuge auf der einen Seite Walter Benjamins Manuskript einer Sozialgeschichte des Paris des 19. Jahrhunderts: dem "Passagenwerk" (1927-1940, Erstveröffentlichung 1982) und auf der anderen aus Aby Warburgs "Mnemosyne Atlas" (1924-1929, eine Rekonstruktion wurde 2000 veröffentlicht), einer [Kunst-]Geschichte in Form von Bildern, die sorgfältig ausgewählt und auf Tafeln arrangiert wurden. Der ATLAS VON ARKADIEN ist die Aneignung von Benjamins "Passagenwerk" für das späte 20. Jahrhundert. Er versammelt Materialien gemäß der von Benjamin entwickelten Kriterien und versieht diese mit Kommentaren im Geiste des Autors. Statt auf des Paris des 19. Jahrhunderts konzentriert sich der ATLAS VON ARKADIEN auf internationale urbane Orte und ihre Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit: Sozial brisante Trabantenstädte wie die Cités im Pariser Banlieue und Slums in Megacities, Themenpark Städte wie Las Vegas und Dubai, Gated Communities, Shopping Malls oder Video-Überwachungssysteme im öffentlichen Raum wie in der Londoner City. Anders als Benjamin konzentriert sich unser Projekt auf Bilder und bezieht sich damit auch auf Warburgs Praxis. Der ATLAS VON ARKADIEN versammelt Postkarten, Zeitungsausschnitte, Magazinseiten und eigene Fotos und Zeichnungen. Text wird nur eingesetzt, um die Bilder für sich selbst "sprechen" zu lassen. Wie im Falle der Warburg`schen Tafeln ist Text weder das einzige noch wichtigste Mittel, um Bilder zum Sprechen zu bringen. Dies kann ebenso durch ihre Größe, Verknüpfung, Zusammenstellung usw. erreicht werden. Benjamins Methode dient dazu, mythische und archaische Elemente der dominanten Geschichtsschreibung von utopischen zu entflechten, die historischen Elemente neu zu komponieren, um die Wahrnehmung, nur ein Verlauf der Geschichte sei möglich, zu unterlaufen, und sie auf eine Weise visuell neu zu arrangieren, dass es der Gegenwart überlassen bleibt, über das Schicksal der Geschichte zu entscheiden. Der Fortschritt des ATLAS VON ARKADIEN wird online dokumentiert. Die endgültige Montage der gesammelten Materialien wird als Wanderausstellung präsentiert, begleitet von einem Katalog. Um die Ausstellungstour zu ermöglichen, wird das Ausstellungs-Display, das integraler Bestandteil des Projekts ist, so gestaltet, dass es leicht auf- und abzubauen sowie transportierbar ist. Mögliche Vorbilder dafür sind die von Charles Eames verwendeten Steckkarten oder die Displays, die Friedrich Kiesler in den 1920er Jahren entworfen hat (Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik, 1924 oder Raumstadt, 1925).

Der ATLAS VON ARKADIEN entwirft eine neue Form von Sozialgeschichte in Bildern. Ziel war es eine materialistisch-visuelle Darstellung der Welt nach dem Kalten Krieg zu entwickeln. Vorbild für dieses Verfahren ist das 1982 rekonstruierte Passagen-Werk (1929 1940) des Philosophen Walter Benjamin (1892 1940): der Entwurf einer Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Stadt Paris. Die Motive der Benjaminschen Geschichte des industriellen Zeitalters werden in die jüngere Vergangenheit, vor allem in die Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer übertragen. Das Motiv des Spiegels aus dem Passagen-Werk taucht im ATLAS VON ARKADIEN anhand von digitaler Fotografie oder Social Media wieder auf, die Haussmannisierung in Form zeitgenössischer Technologien zur Kontrolle des öffentlichen Raums wie Videoüberwachung, usw. Benjamins Methode der literarischen Montage das Passagen-Werk ist im Wesentlichen eine Montage von Exzerpten aus Briefen, historischen Werken und anderen Quellen übersetzt der ATLAS in Bildmontagen. Das Bild spielt nicht nur in unserer Gegenwart eine entscheidende Rolle für Kommunikation und Wissensvermittlung, auch Benjamin selbst hätte wohl gern mit Bildern gearbeitet. Im Passagen-Werk schrieb er Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen. (GW, V.1. S. 574) und fordert damit auf, seine Textmontagen wie Bildmaterial zu betrachten. Die Ergebnisse wurden bisher in vier Einzelausstellungen (VBKÖ und Neuer Kunstverein Wien, Wien 2013; Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz 2014; Akademie der Bildenden Künste Wien, 2015) und einer Reihe von internationalen Gruppenausstellungen (National Theatre Zenica, Bosnien Herzegowina; Fabra i Coats Centre dart contemporani de Barcelona und Galerie Wedding, Berlin) gezeigt. Werkserien des Projekts wurden in die Sammlungen der Albertina sowie des Oberösterreichischen Landesmuseums aufgenommen. Die umfangreiche Abschlussausstellung des Projekts wurde im xhibit der Akademie der Bildenden Künste Wien gezeigt (12. März17. Mai 2015). Zahlreiche Führungen sowie die internationale Konferenz READING THE WORLDWHAT IS VISUAL KNOWLEDGE? (10.11. April 2015) bildeten das Begleitprogramm. Eine umfassende Publikation ist in Arbeit. Die Methode des ATLAS VON ARKADIEN überkreuzt das ästhetische Paradigma der visuellen Form mit dem epistemischen Paradigma des Wissens und schafft mit künstlerischen Mitteln bisher ungesehene Verbindungen zwischen Dingen. So präsentiert der ATLAS einen differenzierten Begriff visueller Erkenntnis, der in Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen einer größeren Öffentlichkeit vermittelt wurde. Darüber hinaus wird gezeigt, dass sich die Ergebnisse künstlerischer Forschung zur Sozialgeschichte mit denjenigen traditioneller wissenschaftlicher Herangehensweisen messen können.

Forschungsstätte(n)
  • Akademie der bildenden Künste Wien - 100%

Research Output

  • 25 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Lo Nuevo vestido de antiguo, lo antiguo vestido de Nuevo. Dos ejemplos de las Series COUNTERPARTS.
    Typ Journal Article
    Autor Artaker A
    Journal Martí Peran (ed.), Futurs abandonats, Fabra i Coats Centre d'art contemporani de Barcelona, 2014
  • 2012
    Titel The New in the Guise of the Old, the Old in the Guise of the New.
    Typ Other
    Autor Schmidt-Gleim M
  • 2012
    Titel Atlas of Arcadia.
    Typ Other
    Autor Schmidt-Gleim M
  • 0
    Titel Sichtbar harmonisch.
    Typ Other
    Autor Hofleitner J
  • 0
    Titel Fragmente einer Sprache der Bilder.
    Typ Other
    Autor Scheyerer N
  • 0
    Titel Eine Discokugel in Mekka. Das Projekt 'Atlas von Arkadien' zeigt mit Bildern Zusammenhänge auf.
    Typ Other
    Autor Huber M
  • 2012
    Titel Atlas von Arkadien.
    Typ Other
    Autor Schmidt-Gleim M
  • 2012
    Titel Die Lesbarkeit der Welt als Mimesis.
    Typ Other
    Autor Schmidt-Gleim M
  • 2012
    Titel The readability of the world as mimesis (ATLAS OF ARCADIA).
    Typ Other
    Autor Schmidt-Gleim M
  • 2013
    Titel Auf dem Tisch (ATLAS OF ARCADIA). (On the table).
    Typ Other
    Autor Schmidt-Gleim M
  • 2013
    Titel Domino: Interieurs.
    Typ Journal Article
    Autor Artaker A
    Journal Roland Fischer-Briand, Amelie Zadeh (eds.), Streulicht, issue n° 2: Photography - Dis/Order, Wien, Mai 2013
  • 2013
    Titel Atlas of Arcadia: The Interior, The Trace.
    Typ Journal Article
    Autor Artaker A
    Journal C. Egger, C. Mayer, R. Weismann et al. (eds.), Acid, Wien/Berlin September 2013
  • 2013
    Titel Domino (Interiors).
    Typ Other
    Autor Schmidt-Gleim M
  • 2015
    Titel Sternstunden der Menschheit in Bildern.
    Typ Journal Article
    Autor Jothady M
    Journal der die das bildende, Academy publication
  • 2015
    Titel So glorios wie ruinös.
    Typ Other
    Autor Benzer C
  • 2015
    Titel Atlas von Arkadien.
    Typ Journal Article
    Autor Artaker A
    Journal Akademie der Bildenden Künste Wien (ed.), der die das bildende
  • 2015
    Titel Atlas von Arkadien: Der verpflanzte Flaneur.
    Typ Other
    Autor Gerold R
  • 0
    Titel Immer der Mauer entlang: Studien zur Baukunst.
    Typ Other
    Autor Scheyerer N
  • 0
    Titel Einblicke in den 'Atlas von Arkadien.
    Typ Other
    Autor Boberski H
  • 0
    Titel Ein Puzzle aus lauter gleichen Teilen.
    Typ Other
    Autor Posch L
  • 0
    Titel Notizen, Zitate und Handschriftliches.
    Typ Other
    Autor El-Himoud-Sperlich I
  • 0
    Titel Sozialgeschichte zum Staunen.
    Typ Other
    Autor Grabher A
  • 0
    Titel Atlas von Arkadien.
    Typ Other
    Autor Ortner-Kreil L
  • 0
    Titel Zeit und Form.
    Typ Other
    Autor Rohringer S
  • 0
    Titel Unmögliche Straße und Werbung für Voyeure: Schau 'Atlas von Arkadien'.
    Typ Other
    Autor Nn (Apa)

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