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Transpositionen: Künstlerische Datenverarbeitung

Tanspositions: Artistic Data Exploration

Gerhard Eckel (ORCID: 0000-0002-7061-0897)
  • Grant-DOI 10.55776/AR257
  • Förderprogramm Entwicklung und Erschließung der Künste
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2014
  • Projektende 31.12.2017
  • Bewilligungssumme 322.794 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    Texture, Figure, Sonification, Visualisation

Abstract Endbericht

Das Forschungsprojekt sucht nach neuen künstlerischen Klang- und Bildformen als Resultat der Analyse und der mathematischen Transformation von wissenschaftlichem Datenmaterial. Es geht weiterhin der Frage nach, inwieweit eine solche Arbeit auch von wissenschaftlicher Relevanz sein kann, indem die Naturwissenschaftler aufgefordert werden, die künstlerischen Ergebnisse zu interpretieren. Indem die KünstlerInnen einerseits ihren eigenen Ansprüchen folgen und andererseits das Datenmaterial zwar transponieren aber nicht verfälschen, entsteht ein gemeinschaftlicher Forschungsraum, in dem KünstlerIn und WissenschaftlerIn herausgefordert werden, neue Arbeitsweisen zu entwickeln. Dies geschieht für die NaturwissenschaftlerInnen durch die Erfahrung von sinnlich- komplexen, künstlerischen Werken und für die KünstlerInnen durch den Kontakt mit hochspezialisierten wissenschaftlichen Forschungsmethoden. Das Forschungsprojekt wird die Interaktionsformen, die sich für die KünstlerInnen und/oder WissenschaftlerInnen als bedeutsam herausgestellt haben, auf einer Metaebene analysieren und darstellen. Sonifikations- und Visualisierungsstrategien werden in der zeitgenössischen Naturwissenschaft in immer größerem Umfang verwendet, um Daten auszuwerten und Ergebnisse zu kommunizieren. Die so entstandenen Darstellungen sind selten von künstlerischem Wert, da sie lediglich Vehikel sind. Künstlerische Arbeiten, die sich wissenschaftlicher Daten bedienen, eröffnen oftmals neue Erfahrungshorizonte, wobei diese jedoch nur selten die naturwissenschaftliche Arbeit, deren Ergebnisse und ihre Methoden beeinflussen. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Datendarstellungen erscheint es besonders sinnvoll, dass KünstlerInnen sich damit kritisch auseinandersetzen. Obwohl sich Kunst und Wissenschaft, was ihre ästhetischen und epistemischen Ziele betrifft, unterscheiden, können Arbeitsweisen, die im vorliegenden Forschungsprojekt entwickelt werden, Synergieeffekte erzielen. In drei Fallstudien, in denen Datenmaterial aus verschiedenen Wissenschaftszweigen verwendet wird, werden die einreichenden Künstler spezifische Kunstwerke schaffen, die im Anschluss durch die jeweiligen WissenschaftlerInnen analysiert werden. Die Künstler arbeiten seit drei Jahren zusammen, besitzen langjährige Erfahrung in der Musik und der bildenden Kunst, und haben sich auf die Erzeugung von Texturen bzw. Figuren spezialisiert. Aufgrund des transdisziplinären Aufbaus des Forschungsprojekts können Fragen der Intermedialität nicht nur zwischen Kunst und Wissenschaft, sondern auch innerhalb der Kunst untersucht werden. Dabei werden Analyse- und Schaffensprozesse fortlaufend im Research Catalogue online nachhaltig dokumentiert, während Aufführungen und Ausstellungen die künstlerischen Ergebnisse den Wissenschaftlern im Projekt und der Öffentlichkeit im Allgemeinen zugänglich machen.

Dem Forschungsprojekt "Transpositionen: Künstlerische Datenverarbeitung" ist es gelungen, künstlerisch mit in wissenschaftlichen Daten verborgenen Strukturen zu arbeiten. Entstandene Kunstwerke wurden in Ausstellungen, Performances, Videos, einem Kunstkatalog und im Internet präsentiert; Ihre Bedeutung wurde in Symposien und einer wissenschaftlichen Publikation diskutiert, an der WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen sowie TheoretikerInnen von Wissenschaft und Kunst teilnahmen. Bei der Herstellung dieser Kunstwerke stellte das Team fest, dass solche Datenstrukturen tatsächlich aus komplexen Schichten von Spuren bestehen, die nicht nur auf den Untersuchungsgegenstand zurückzuführen sind sondern auch auf die Apparaturen, mit denen die Experimente realisiert wurden. Während die Arbeiten für die WissenschaftlerInnen, die sich zumeist nur für ganz bestimmte Arten von Spuren interessierten, nicht immer von Bedeutung waren, zeigten die Arbeiten trotzdem eine den WissenschaftlerInnen vertraute Kohärenz und Logik, da viele der mathematischen Transformationen und statistischen Analysen aus der Wissenschaft übernommen und adaptiert wurden. Dies erzeugte eine ästhetische Erfahrung der Daten jenseits bloßer Visualisierung und Sonifikation, die künstlerisch gestaltet und verstärkt werden konnte, um wichtige Aspekte wie Redundanz, Verzögerung, strukturelle Ähnlichkeit und Relationalität hervorzuheben. Diese emergenten Eigenschaften beeinflussten zudem auch die Art und Weise wie Kunst präsentiert wurde Ausstellungen reaktiver und interaktiver Installationen, die das Verhalten der Daten erlebbar machten; ein experimenteller Kunstkatalog, der wie ein Speichergerät aus Papier funktioniert, der aber auch wie ein Daumenkino abgespielt werden kann; Symposien, die ein fließendes, kollaboratives Konzert interdependenter Stimmen schaffen usw., kurz, Ergebnisse wurden formal einzigartig und künstlerisch originell zugänglich gemacht. Um die Forschung auf diese Weise zu belegen, hat das Forschungsprojekt neue Formen vorgeschlagen, in denen künstlerische Praxis als Forschung exponiert werden kann. In den Fällen, in denen Wissenschaftler für sie aussagekräftige Muster fanden, konnten Datenanalysefehler korrigiert oder offene Fragen formuliert werden. Darüber hinaus entwickelte das Projekt den Begriff der "Transposition" zu einem methodologisch relevanten Konzept, zugänglich durch Texte auf der Website des Projekts sowie Beiträge in einem wissenschaftlichen Sammelband. Dies führte zu der Erkenntnis, dass Transpositionen sowohl für die künstlerische als auch für die wissenschaftliche Forschung essentiell sind, oder wie es der Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger in seinem Beitrag ausdrückte: "Es gibt eine Geste, die allen Formen der wissenschaftlichen Praxis gemeinsam ist: Transposition." [Übersetzung: TP] Aufbauend auf solchen gemeinsamen Wurzeln konnte das Forschungsprojekt dennoch deutliche Unterschiede aufzeigen, um transdisziplinäre Kooperationen auf der Grundlage informierter Transpositionen von einem Kontext oder einer Disziplin in einen anderen vorzuschlagen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Musik und darstellende Kunst Graz - 53%
  • Universität für angewandte Kunst Wien - 47%
Nationale Projektbeteiligte
  • Michael Schwab, Universität für angewandte Kunst Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Jan Scheffel, KTH Stockholm - Schweden
  • Johan Hoffman, KTH Stockholm - Schweden
  • Christine Ericsdotter, Stockholm University - Schweden

Research Output

  • 4 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Transpositions : Aesthetico-Epistemic Operators in Artistic Research
    DOI 10.26530/oapen_1000226
    Typ Book
    Autor Arlander A
    editors Schwab M
    Verlag OAPEN Foundation
    Link Publikation

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