Inter_agency: Die Komposition von klanglichen Mensch-Computer Agent-Netzwerken
Inter_agency: Composing sonic human-computer agent networks
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Sound And Music Computing,
Composition,
Computer Music,
Live Electronic Music
Das Projekt Inter_agency erforscht die Interaktion zwischen MusikerInnen und intelligenten Computersystemen aus kompositorischer Sicht. Unser Ziel ist es, Kompositionen zu schaffen, bei denen sowohl der Musiker/die Musikerin als auch der Computer aufeinander hören und reagieren. Voraussetzung dafür ist die Gestaltung von Computersoftware, die intelligentes, menschenähnliches Verhalten aufweist: Software die hören kann. Das heißt, dass der Computer den Instrumentalklang analysiert und auf diesen durch die Generierung von eigenem Klangmaterial in Echtzeit reagiert. Gleichzeitig hört der Musiker/die Musikerin auf das vom Computer generierte Material und passt sein/ihr Verhalten dem Verhalten des Computers kompositorischen Anweisungen folgend an. Diese Art von Kompositionen können nicht in Form von fixierten Partituren niedergeschrieben werden, weil sie von der Live-Interaktion zwischen den MusikerInnen und dem Computer abhängig sind. In der Praxis heißt das, dass zwei Aufführungen derselben Komposition ganz unterschiedlich sein können. Anstatt Klänge werden klangliche Zusammenhänge komponiert: ein Ansatz, der zu einem völlig neuen Verständnis von Komposition und einer radikal neuen Aufführungssituation führt. Um unsere Hypothesen zu testen, werden wir verschiedene Kompositionen als Fallstudien realisieren. Dabei werden wir mit dem Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (OFAI) und den MusikerInnen von Klangforum Wien und Schallfeld Ensemble zusammenarbeiten. Unsere Kollaboration mit den MusikerInnen wird uns ermöglichen, unsere Software zu testen und damit nicht nur technisch, sondern auch aesthetisch zu experimentieren. Zusätzlich zu unserem Forschungsteam, bestehend aus Artemi-Maria Gioti und Gerhard Eckel, werden noch drei international renommierte KomponistInnen aus dem Bereich der Musik und Künstlichen Intelligenz zum Projekt beitragen, indemsieals Artists-in-residence Kompositionen/Installationenentwickeln.Unsere Forschungsergebnisse werden in Konzerten, Vorträgen, wissenschaftlichen Publikationen, einem Kompositionsworkshop und einer internationalen Konferenz der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Das Projekt befasste sich mit dem Desiderat einer Mensch-Computer-Symbiose in der elektro-instrumentalen Musik und zielte darauf ab, die Mensch-Maschine-Kommunikation in Kompositionen für akustische Instrumente und Elektronik zu verbessern, indem intelligente agentenbasierte Systeme in diese integriert werden. Der konzeptuelle Rahmen für das Projekt war Rowes Player-Paradigma, ein Modell, in dem der Musiker und der Computer in wechselseitiger Interaktion gemeinsam agieren. Der Software-Agent nimmt musikalische Handlungen durch maschinelles Zuhören wahr und agiert in Reaktion darauf und gemäß interner generativer Prozesse. Im Rahmen des Projekts wurden zahlreiche Musikwerke komponiert und international aufgeführt (Converge/Diverge von Artemi-Maria Gioti, Imitation Game und Bias, die in Zusammenarbeit mit den Ensembles Schallfeld und Klangforum Wien entstanden sind) und zwei kleine Ensembles gegründet: utrumque (Gerhard Eckel und Ludvig Elblaus) und 0x03 (Luc Döbereiner, Gerhard Eckel und Ludvig Elblaus). Diese Ensembles schufen gemeinsam eine größere Anzahl hochgradig interaktiver Stücke, die zumeist auf akustischen und strukturellen Rückkopplungen beruhen, die durch verschiedene Formen der vernetzten Verflechtung zwischen den Ausführenden und den Aufführungsräumen realisiert werden. Durch all diese Kooperationen zwischen Komponisten und Interpreten wurde Arts-based Research als kollektive und kollaborative Praxis gestärkt. Für bestimmte Arten der engen Zusammenarbeit (z. B. in den Ensembles) bildete Arts-based Research eine wichtige Voraussetzung, indem die notwendigen Formen der Kommunikation und Explikation für die gemeinsame Kreation erst geschaffen werden konnten. Die Bedeutung von Feedback-Prozessen auf verschiedenen Ebenen (akustisch, elektromechanisch, digital und konzeptionell) erwies sich als wesentlich für die Entwicklung intelligenter agentenbasierter Musiksysteme und führte zu einer Verfeinerung der Ausgangshypothesen des Projekts sowie zur Formulierung von Folgeprojekten. Als zentrales Werkzeug wurde die akustische Modellierung der Aufführungsorte als wichtige Erweiterung einer ortsspezifischen Musikpraxis entwickelt, die in verschiedenen kollektiven Kompositionsprojekten erprobt wurde. Die meisten transdisziplinären Aspekte des Projekts waren in diesem Bereich angesiedelt, in dem sich raum- und instrumentenakustische Forschung, instrumentale und digitale Aufführungstechniken und ko-kreative Kompositionsansätze gegenseitig informierten und verstärkten.
- Francois Pachet, SONY CLS-Paris - Frankreich
- Gérard Assayag, Sorbonne Université - Frankreich
- Johan Van Kreij, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Niederlande
- Simon Emmerson, De Monfort University - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 39 Zitationen
- 7 Publikationen
- 5 Künstlerischer Output
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2020
Titel Acoustic modelling as a strategy for composing site-specific music DOI 10.1145/3411109.3411141 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Elblaus L Seiten 69-76 -
2020
Titel utruchirp DOI 10.1145/3411109.3411140 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Elblaus L Seiten 61-68 -
2019
Titel Imitation Game: Real-Time Decision-making in an Interactive Composition for Human and Robotic Percussionist Typ Conference Proceeding Abstract Autor Gioti A-M Konferenz International Computer Music Conference -
2021
Titel Agency and Distributed Creativity in Interactive Compositions Typ PhD Thesis Autor Artemi - Maria Gioti Link Publikation -
2021
Titel Artificial Intelligence for Music Composition DOI 10.1007/978-3-030-72116-9_3 Typ Book Chapter Autor Gioti A Verlag Springer Nature Seiten 53-73 -
2021
Titel A Compositional Exploration of Computational Aesthetic Evaluation and AI Bias. DOI 10.21428/92fbeb44.de74b046 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Gioti A Link Publikation -
2020
Titel From Artificial to Extended Intelligence in Music Composition DOI 10.1017/s1355771819000438 Typ Journal Article Autor Gioti A Journal Organised Sound Seiten 25-32
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2020
Link
Titel Gerhard Eckel & Ludvig Elblaus, Clockwork Typ Performance (Music, Dance, Drama, etc) Link Link -
2020
Link
Titel Artemi-Maria Gioti, Bias, for bass clarinet and interactive music system Typ Composition/Score Link Link -
2019
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Titel Artemi-Maria Gioti, Converge/Diverge, for piano, double bass and interactive music system Typ Composition/Score Link Link -
2018
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Titel Artemi-Maria Gioti, Imitation game, for human and robotic percussionist Typ Composition/Score Link Link -
2022
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Titel Luc Döbereiner, Gerhard Eckel & Ludvig Elblaus, Constellations Typ Artefact (including digital) Link Link