PERFORMING PRIMAL COMMUNISM
PERFORMING PRIMAL COMMUNISM – A REENACTMENT PROJECT
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (60%); Soziologie (20%)
Keywords
-
Collaborative,
Science,
Commune,
Utopia,
Art,
Research
Wider Research Context Performing Primal Communism arbeitet an einer künstlerisch forschenden Perspektive auf die von dem Wiener Aktionismus Künstler Otto Mühl 1972 gegründete und 1990 aufgelöste AAO-Kommune. Die Kommune widmete sich der Auflösung etablierter sozialer Institutionen und Habitualisierungen (siehe: Janov, Reich). Ihr erklärtes Ziel war es, autoritäre Institutionen wie Staat, Kirche, bürgerliche Familie, Kapitalismus und Patriarchat mit Hilfe von Wissenschaft und Kunst zu überwinden. Aber das soziale Experiment endete in einem hochgradig autoritären System innerhalb einer kontrollierten Gemeinschaft. Mühl wurde wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs verurteilt und zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt. Gemeinsam mit ehemaligen Kommunard*innen strebt das Projekt nach einer Neubesichtigung und Rekontextualisierung der Kommune durch Forschung in und durch die Künste (Borgdorff 2006), indem es einen Forschungsrahmen für das Reenactment (Rau 2014) der gemeinsamen Geschichte der AAO aufbaut: (Re)writing of Reality through (Re)enactment. Projektteam Paul-Julien Robert, Künstler, aufgewachsen in der ehemaligen AAO-Gemeinde, Regisseur des Dokumentarfilmprojekts Meine (k)eine Familie Thomas Marschall, Sozialanthropologe, Ausstellungs-Kurator Elisabeth Schäfer, Philosophin, Expertin für Geschlechterfragen Ida Clay, Autorin, Künstlerin Das Projektteam arbeitet eng mit dem Österreichischen Museum für Volkskunde zusammen.
Das Forschungsteam des PEEK-Projekts zur kritischen Aufarbeitung der Geschichte der "Mühl-Kommune" in Friedrichshof/Burgenland in Österreich ist eine Gruppe von Wissenschaftler*innen und in der "Kommune" aufgewachsenen Menschen der zweiten Generation, die im künstlerisch-kulturellen Feld als Filmemacher*innen, Autor*innen, Performer*innen etc. etabliert sind. Mit ihrem Wissen als Zeitzeugen über alternative Archive der "Kommune", deren Zugänglichkeit bisher personalisiert (und damit begrenzt) war, verfolgen sie Forschungsansätze zur Neuperspektivierung von Otto Mühls Werk. Dazu gehören Aushandlungsprozesse mit Museen und Galerien, Diskussionsformate und Dialogangebote an die Generation der "Kommune"-Gründer*innen sowie wissenschaftliche Tagungen. Außerhalb öffentlicher Institutionen stehend und von den Akteuren des Kunstmarktes marginalisiert, vertreten sie damit eine aktivistische Position. Dies gilt insbesondere für die Gruppe MATHILDA (siehe online: https://aboutmathilda.com/), die im Rahmen des PEEK-Projekts gegründet wurde. Die Gruppe trat 2019 mit Interventionen in den Ausstellungsräumen am Friedrichshof in Erscheinung und war für eine Kooperation mit dem PEEK-Projekt verantwortlich, in der eine Forschungsinstallation im Volkskunde Museum Wien 2021 entwickelt wurde. Die Veranstaltungen des PEEK-Projekts, die das Volkskunde Museum Wien als nationaler Kooperationspartner durchführt, können somit als offene Räume des Verlernens und der alternativen Wissensproduktion gelesen werden, die in den kuratorischen Methoden der Kunstmuseen noch nicht etabliert sind. Das PEEK-Projekt zeigt somit exemplarisch, wie Ordnungsdiskurse in Museen kritisch hinterfragt werden können und wie Museen gemeinsam mit Communities und marginalisierten Akteur*innen am etablierten Kanon von Museen, an Narrativen und Ausstellungsformaten arbeiten können. Im Zuge dieser durch das PEEK-Projekt initiierten Formate öffneten sich institutionelle Positionen. Denn jenseits der Kontroverse um Zensur wurden die Forschungsinstallationen, Symposien und Workshops des PEEK-Projekts als eigenständige Wissensproduktion bewertet - mit Relevanz sowohl für die Fachwissenschaft als auch für Museen. Mit diesen Beiträgen demonstrierte das Projekt nicht nur einen szenografisch und bildpolitisch sensiblen Umgang mit Mühls Werk, sondern entwickelte auch forschungsbasierte Film- oder Audioformate und Ausstellungsnarrative, die Elemente der Gewalt in Mühls Werk fokussierten. Dass es bei den geforderten Strategien des Bildentzugs nicht nur darum geht, Mühls Werke nicht in Ausstellungen zu zeigen, sondern auch darum, deren potenziell gewalttätige Wirkung auf die Besucher*innen zu reflektieren und die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten zu schützen. Bisherige Ausstellungsnarrative, die den Wiener Aktionismus als Überschreitung von Grenzen beschreiben, würden damit in die Perspektive von Grenzverletzungen gerückt, die bis heute auf die beteiligten Akteur*innen wirken. Mit diesem Wissen könnte die These der radikalen Selbstentblößung und Selbstverletzung im Wiener Aktionismus, die auch für Mühls Aktionen vor 1970 Gültigkeit beansprucht, in Zukunft kritisch überprüft werden.
- Peter Schaer, Friedrichshof , nationale:r Kooperationspartner:in
- Hubert Klocker, Sammlung Friedrichshof , nationale:r Kooperationspartner:in
- Matthias Beitl, Verein für Volkskunde , nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 1 Zitationen
- 16 Publikationen
- 4 Künstlerischer Output
- 1 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
-
2023
Titel Truth of violence and violence of truth; In: Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder / violence of images - images of violence Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag Transcript Seiten 5 Link Publikation -
2023
Titel Complicity in visibility; In: Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder / violence of images - images of violence Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag Transcript Seiten 6 Link Publikation -
2023
Titel Komplizenschaft in der Sichtbarkeit; In: Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder / violence of images - images of violence Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag Transcript Seiten 6 Link Publikation -
2022
Titel "Wer forscht, weiß nicht, sondern tastet sich vorwärts, bastelt, zögert, hält seine Entscheidungen in der Schwebe." Perspektiven künstlerischer Forschung am Beispiel eines künstlerischen Forschungsprojektes zur kritischen Neukontextualisierung der ... DOI 10.5281/zenodo.7593618 Typ Other Autor Schäfer E Link Publikation -
2022
Titel "Wer forscht, weiß nicht, sondern tastet sich vorwärts, bastelt, zögert, hält seine Entscheidungen in der Schwebe." Perspektiven künstlerischer Forschung am Beispiel eines künstlerischen Forschungsprojektes zur kritischen Neukontextualisierung der ... DOI 10.5281/zenodo.7593619 Typ Other Autor Schäfer E Link Publikation -
2023
Titel Instead of closing it, the scar opens the wound. Poetics of Stigmata in Writing; In: Fiction Fiction. Language Arts and the Practice of Spatial Storytelling Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag De Gruyter Seiten 271-284 Link Publikation -
2023
Titel Violence of Images - Images of Violence. Challenges for the Curatorial Practice Typ Book Autor Ida Clay / Zarah Gutsch / Paul-Julien Robert / Elisabeth Schäfer (Eds.) Link Publikation -
2023
Titel "Ich bin der Beender." Perspektiven auf einige Leerstellen in der Rezeptionsgeschichte Otto Mühls.; In: Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag Transcript Seiten 25-51 Link Publikation -
2023
Titel Wahrheit der Gewalt und Gewalt der Wahrheit; In: Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder / violence of images - images of violence Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag Transcript Seiten 5 Link Publikation -
2023
Titel Vorwort; In: Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder / violence of images - images of violence Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag Transcript Seiten 2 Link Publikation -
2023
Titel Preface; In: Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder / violence of images - images of violence Typ Book Chapter Autor Elisabeth Schäfer Verlag Transcript Seiten 2 Link Publikation -
2023
Titel PPC - A PROJECT TO CRITICAL REAPPRAISAL OF THE HISTORY OF THE MÜHL "COMMUNE". Typ Other Autor Ida Clay / Paul-Julien Robert / Elisabeth Schäfer Konferenz Open Exposition in Research Catalogue Link Publikation -
2023
Titel "Il faut bien manger" - Bringing ethics and aesthetics to the table. On an installation by the artist Hori Izhaki Typ Other Autor Elisabeth Schäfer Konferenz Contribution to Research Catalogue Open Exposition Seiten 4 Link Publikation -
2023
Titel "Those who research do not know, but grope their way forward, tinkering, hesitating, holding their decisions in flux." Perspectives of artistic research using the example of an artistic research project on the critical recontextualization of the "commune" at Friedrichshof. Typ Other Autor Elisabeth Schäfer Konferenz Contribution to Research Catalogue Open Exposition Seiten 6 Link Publikation -
2020
Titel WRITING AS ARTISTIC RESEARCH DOI 10.1515/9783110665215-009 Typ Book Chapter Autor Schäfer E Verlag De Gruyter Seiten 85-96 -
0
Titel Subjektivation und Widerstand in der "Kommune" am Friedrichshof Typ Journal Article Autor Elisabeth Schäfer Journal i:z. Inklusive Zukunft. Zeitschrift für kritische Psychotherapie Seiten 20
-
2023
Link
Titel Kunst als Vorwand / Art as an excuse Typ Artwork Link Link -
2022
Link
Titel Exhibition and Guided Tour at Friedrichshof // "Exposing Layers" Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2021
Link
Titel "COMPLICITY IN VISIBILITY The film Back to Fucking Cambridge." Research Exhibition and Installation at Volkskunde Museum Vienna Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2021
Link
Titel ACCESS TO THE BODY. Video work. Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link
-
2020
Titel Starting a process of reappraisal at the former "Commune"/now: Friedrichshof Cooperative Typ A formal working group, expert panel or dialogue
-
2023
Titel Invitation of the research project to work on and present an installation for the exhibition "ON STAGE - All the Art World's a Stage" Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Final Remarks DATE: March 31st 2023, Sigmund Freud Museum Vienna OCCASION: "IT HURTS! Violence against Women in Art and Society" International Conference at the Sigmund Freud Museum Vienna Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country)
-
2023
Titel La Loba Fund Herrenberg Typ Studentship Förderbeginn 2023 Geldgeber We gained a funding of 6.000 Euros for the translations of all articles for our bilingual open access anthology "Gewalt der Bilder - Bilder der Gewalt / Violence of Images - Images of Violence" from La Loba-Stiftung. Fuchsweg 1 D-710783 Herrenberg