Mythopoesie für Techno-lebende Systeme
Mythopoesis for Techno-Living Systems
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (40%); Kunstwissenschaften (60%)
Keywords
- Posthumanism,
- Technoscience,
- Donna Haraway,
- Feminist speculative fiction
Mit selbstlernenden Algorithmen, Robotik und virtueller Realität wird unsere Gegenwart von fortschreitenden Technologien bestimmt. Vor diesem Hintergrund stellt das Projekt "Mythopoesis for Techno-Living Systems" die Frage: Können die Praktiken der spekulativen Fiktion und des feministischen Fabulierens eine Methodik sein, um nicht-menschliche Entitäten in die Produktion von alternativem Wissen einzubeziehen. Und wie ermöglichen uns diese und andere Technologien, die Wahrnehmung des "Menschlichen" zu hinterfragen und neu zu konfigurieren? Um diese und eine Vielzahl verwandter Fragen zu untersuchen, wird dieses Projekt den mythologischen "Cyborg" der Technowissenschaftlerin Donna Haraway als symbolisches Maskottchen verwenden, eine nicht mehr menschliche oder "posthumane" Figur an der Schnittstelle von organischer und computerisierter Welt. Der Cyborg wird als Ausgangspunkt dienen, um Diskussionen über posthumane Verkörperung und Technologie anzustoßen und zu überlegen, wie wir spekulativ die Zukunft gemeinsam gestalten können. In seinem intersektionalen Ansatz wird dieses Projekt auch die sich verändernde Beziehung zu Ideen von Rasse, Klasse und Geschlecht berücksichtigen, die in die Art und Weise einfließen, wie wir Technologie wahrnehmen und gestalten. Wir stellen die Hypothese auf, dass es jetzt, in Zeiten ökologischer Verwüstung und technologischer Beschleunigung, entscheidend ist, unsere Verstrickungen mit nicht-menschlichen Tieren und nicht-organischen Phänomenen zu untersuchen. Mythopoesis for Techno-Living Systems" wird eine kunstbasierte Forschungsmethode namens "writing speculative collectivities" beinhalten, die die Strategie des feministischen kommunalen Handels und der gemeinsamen Aktion einsetzt, um gemeinsam neue vom Bisherigen abweichende Erzählungen zu entwickeln. An der Schnittstelle zwischen menschlicher Kommunikation und algorithmischer Kontrolle wird dieses Projekt spekulative Formen der Fiktion als eine Methode einsetzen, um die potentiellen zukünftigen Verläufe dieser Technologien abzufragen. Indem es eine offene Diskussion zwischen Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Science-Fiction- Autor*innen und Theoretiker*innen anstößt, wird dieses Projekt Themen wie künstliche Intelligenz (KI), künstliches Leben (AL) und maschinelles Lernen umfassen und deren Auswirkungen auf die (post)menschliche Identität hervorheben. Dieses Projekt ist einzigartig, da es einen Raum schaffen wird, in dem eine Vielzahl von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Disziplinen zusammenkommen, um sich gemeinsam neue Arten des Seins in unserem zunehmend technologischen Lebensraum vorzustellen und zu entwickeln. Spekulative Gedankenexperimente werden sowohl den Anstoß zur Kritik an den gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Verhältnissen geben, als auch die Grundlage bilden, auf der das Schreiben spekulativer Kollektive basiert. Die Ergebnisse dieser Forschung werden aggregiert und in eine digitale Plattform eingespeist, die eine Reihe von in Auftrag gegebenen digitalen Kunstwerken und Texten umfasst, mit der durch mutierende algorithmische Programme interagiert werden kann.
Mit lernenden Algorithmen, Robotik und virtueller Realität ist unsere Gegenwart von sich rasant entwickelnden Technologien geprägt. Das Projekt "Mythopoesis for Techno-Living Systems" ging der Frage nach, ob spekulative Fiktion und feministische Fabulation als Methoden dienen können, um nichtmenschliche Entitäten in die Produktion alternativer Wissensformen einzubeziehen. Darüber hinaus wurde untersucht, wie diese und andere Technologien es ermöglichen, bestehende Vorstellungen vom "Menschen" infrage zu stellen und neu zu konfigurieren. Bei der Auseinandersetzung mit diesen und zahlreichen damit verbundenen Fragen diente der von der Wissenschaftstheoretikerin Donna Haraway entwickelte mythologische "Cyborg" als symbolische Leitfigur des Projekts. Als nicht länger ausschließlich menschliche beziehungsweise "posthumane" Figur bewegt sich der Cyborg an der Schnittstelle zwischen organischen und computerbasierten Welten. Er bildete den Ausgangspunkt für Diskussionen über posthumane Verkörperung und Technologie sowie für die Frage, wie wir mögliche Zukünfte gemeinsam und spekulativ gestalten können. Mit seinem intersektionalen Ansatz untersuchte das Projekt auch, wie sich Vorstellungen von race, Klasse und Geschlecht verändern und auf welche Weise sie in unsere Wahrnehmung und Gestaltung von Technologie eingeschrieben sind. Die Ausgangsthese lautete, dass es angesichts ökologischer Zerstörung und technologischer Beschleunigung entscheidend ist, unsere Verflechtungen mit nichtmenschlichen Lebewesen und anorganischen Phänomenen zu untersuchen. "Mythopoesis for Techno-Living Systems" entwickelte eine künstlerische Forschungsmethode mit dem Titel "Writing Speculative Collectivities". Diese setzt auf Strategien feministischen gemeinschaftlichen Handelns, um gemeinsam neue, widerständige Narrative hervorzubringen. An der Schnittstelle von menschlicher Kommunikation und algorithmischer Kontrolle dienten spekulative Formen der Fiktion als Methode, um mögliche zukünftige Entwicklungswege dieser Technologien kritisch zu untersuchen. Der kollaborative Prozess brachte Künstler:innen, Wissenschaftler:innen, Science-Fiction-Autor:innen und Theoretiker:innen zusammen. Im Mittelpunkt standen Themen wie künstliche Intelligenz, künstliches Leben und maschinelles Lernen sowie deren Auswirkungen auf (post-)humane Identität. Über einen Zeitraum von drei Jahren entwickelte MTLS diesen kollektiven Forschungsprozess durch kontinuierlichen Austausch, Workshops sowie künstlerische, theoretische und fiktionale Beiträge, die auf einer digitalen Plattform versammelt wurden. Unter den Bedingungen planetarer Datenverarbeitung vermitteln technische Gefüge unsere Erfahrungen nicht mehr nur - sie strukturieren diese bereits im Voraus. Das Leben selbst, sowohl menschliches als auch mehr-als-menschliches, wird dabei als Information lesbar: Es wird erfasst, extrahiert und in Systeme der Optimierung zurückgeführt. Vor diesem Hintergrund fragte MTLS, wie das Verständnis dessen, was als menschlich gilt, innerhalb einer sich fortwährend entwickelnden und wandelnden techno-organischen Konstellation neu bestimmt werden muss. Zugleich untersuchte das Projekt, wie wir jene Netzwerke bewohnen, die menschliche und mehr-als-menschliche Körper miteinander verbinden. Die Ergebnisse dieses Prozesses sind auf einer digitalen Plattform versammelt. Dort können zahlreiche eigens in Auftrag gegebene digitale Kunstwerke und Texte über sich verändernde algorithmische Programme interaktiv erfahren werden (www.mtls.world). Darüber hinaus werden die Ergebnisse in einer abschließenden Publikation zusammengeführt.
- Patricia Maccormack, Anglia Polytechnic University - Vereinigtes Königreich