Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (50%); Philosophie, Ethik, Religion (50%)
Keywords
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Art,
Artistic Research,
Data Science,
Archival Studies,
Philosophy,
Artificial Intelligence
Das Forschungsprojekt Radical Matter versucht einige der Probleme zu lösen, mit denen unser Planet in Zukunft konfrontiert sein wird. Dabei geht es aber nicht alleine um das Beschreiben dieser Probleme, sondern auch darum konkrete Werkzeuge zu entwickeln um ihnen entgegentreten. Wir forschen dabei aber nicht in sterilen Labors und bauen auch keine komplizierten Apparaturen, sondern verwenden künstlerische Mittel. Wir haben keine Angst vor der Unordnung der Welt und denken im Gegenteil, dass das Chaos des Lebendigen eine wichtige kreative Kraft in sich trägt. Der Begriff Radical Matter der aus dem Englischen übersetzt in etwa unberechenbare neue Materie bedeutet, bezieht sich auf das wunderbar seltsamen Verhalten, das seit Jahrzehnten für subatomaren Teilchen vorhergesagt wurde. Diese so genannten Quanteneffekte waren lange reine Theorie, doch heute versteht man sie so gut, dass schon bald mit der Fertigstellung von extrem leistungsstarken Computern auf dieser Grundlage gerechnet werden kann. In der Vergangenheit haben bahnbrechende Entdeckungen oft unser Verständnis der Welt verändert. Wir glauben deshalb, dass auch die Quantenphysik die Art beeinflussen wird, in der wir Menschen denken und handeln. In diesem Falle könnte dies jedoch eine recht radikale Veränderung sein, da die Regeln der Quantenphysik der Welt, wie wir sie kennen, grundlegend widersprechen: Dort gibt es weder eine lineare Zeit, noch ist es klar wo genau sich ein Gegenstand gerade befindet. Und als ob das nicht schon seltsam genug wäre, würde auch jeder Versuch, solch einen Gegenstand zu beobachten, dessen Verhalten auf unvorhersehbare Weise verändern. Die Welt der Quantenphysik ist uns jedoch nur mittels komplizierte Maschinen zugänglich. Um dieses unbekannte Universum besser kennen zu lernen, müssen wir also neue Werkzeuge und Sprachen erfinden. Unser Leben wird sich zukünftig noch stärker mit dem der Maschinen verweben und diese enge Partnerschaft wird große Änderungen mit sich bringen nicht nur in der Informatik und in den Wissenschaften, sondern auch in der Philosophie, der Kunst, der Literatur und im menschlichen Zusammenleben. Wir wollen zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit der Wissenschaften mit den Künsten sein wird, um sich diese zukünftigen Entwicklungen und die daraus entstehenden Möglichkeiten vorzustellen. Wir wollen praktische Wege erforschen, um ihre Auswirkungen auf uns selbst und unseren Planeten umzusetzen und sind der Meinung, dass dies nur durch die Zusammenarbeit aller Kräfte unter Einbeziehung der Kunst möglich ist. Das Ergebnis unseres Projekts wird ein Leitfaden für das Unbekannte sein, den wir schreiben, während wir uns auf der Reise befinden. Es wird sich um eine eigenartige Karte handeln, auf der sich die Orte und Ereignisse die wir kartieren, durch unsere Beobachtungen verändern. Diese Art der Herangehensweise entspricht ziemlich genau den Methoden, die auch für die Herstellung von Kunst und für alle Formen von Erfindungen erforderlich sind.
radicalmatter untersuchte, wie Kunst und Wissenschaft dazu beitragen können, das Verhältnis von Gesellschaft, Technologie, Ökologie und künstlicher Intelligenz neu zu denken. Ausgangspunkt des Projekts war eine zentrale Frage: Wie lassen sich technologische Entwicklungen kulturell reflektieren, jenseits rein technischer oder wirtschaftlicher Perspektiven, und im Bewusstsein ihrer sozialen, ethischen und ökologischen Folgen? Über einen Zeitraum von vier Jahren entwickelte sich radicalmatter zu einer internationalen Plattform, die Künstler:innen, Philosoph:innen, Wissenschaftler:innen und Forscher:innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbrachte, insbesondere von der Universität für angewandte Kunst Wien und dem Royal College of Art in London. Anstatt Technologie als neutrales Werkzeug zu betrachten, verstand das Projekt künstliche Intelligenz und digitale Systeme als tief verflochten mit materiellen Prozessen, ökologischen Bedingungen sowie menschlichen und nicht-menschlichen Lebensformen. Ein zentrales Ergebnis des Projekts war eine groß angelegte Ausstellung mit begleitendem internationalem Symposium. Die Ausstellung, die im Angewandte Innovation Lab (AIL) gezeigt wurde, war die bislang meistbesuchte Ausstellung in der Geschichte des Hauses und erhielt internationale Berichterstattung in der Kunstpresse. Präsentiert wurden eigens für das Projekt entwickelte künstlerische Arbeiten, die sich mit Fragen von Materialität, Ökologie, Technologie und mehr-als-menschlicher Intelligenz auseinandersetzten. Werke, die im Rahmen von radicalmatter entstanden sind, wurden darüber hinaus weltweit in Ausstellungen, Screenings und Präsentationen gezeigt. Das zweitägige internationale Symposium brachte über 30 Künstler:innen, Forscher:innen, Philosoph:innen und Wissenschaftler:innen zusammen. In öffentlichen Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Performances und Screenings wurden Themen wie künstliche Intelligenz, Quantenphysik, Klima, Materialismus und ethische Verantwortung verhandelt. Videoaufzeichnungen des Symposiums stellen sicher, dass diese Diskussionen auch über die Projektlaufzeit hinaus öffentlich zugänglich bleiben. Ein weiteres wesentliches Ergebnis ist das zweibändige internationale Journal radicalmatter, das mit ISBN in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen ist und zusätzlich frei in digitaler Form zugänglich gemacht wurde. Das Journal vereint Essays, künstlerische Beiträge und experimentelle Formate und bildet ein dauerhaftes Archiv der im Projekt entwickelten Fragestellungen und Debatten. Gemeinsam mit der Projektwebsite, die als fortlaufende öffentliche Forschungsplattform weiterbesteht, ermöglichen die Publikationen und audiovisuellen Materialien einen langfristigen Zugang zu den Ergebnissen des Projekts. Die Bedeutung von radicalmatter liegt vor allem in seinem Beitrag zum kulturellen Verständnis aktueller technologischer Entwicklungen. Durch künstlerische Forschung eröffnet das Projekt neue Perspektiven auf den Umgang mit künstlicher Intelligenz, Ökologie und Materialität und zeigt, wie Kunst eine zentrale Rolle dabei spielen kann, öffentliche Diskurse über technologische und ökologische Zukünfte kritisch mitzugestalten.
- Hannes Werthner, Technische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Ruth Ahnert, Queen Mary University of London - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 1 Publikationen
- 11 Künstlerischer Output
- 1 Disseminationen
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2026
Titel radicalmatter - INTERNATIONAL JOURNAL for ART. PHILOSOPHY. WILD SCIENCE Typ Other Autor Ashley Hans Scheirl Seiten 290
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2024
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Titel when materialism is no longer enough Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2024
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Titel ReWilding AI Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2024
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Titel ana-cartography II Typ Performance (Music, Dance, Drama, etc) Link Link -
2024
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Titel sticky cohesions, strange skins, intimate portals Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2023
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Titel troubling the story Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2023
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Titel topologies of the real Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2023
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Titel planetary skins Typ Performance (Music, Dance, Drama, etc) Link Link -
2023
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Titel ana-cartography Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2023
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Titel a pAIn in the Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2022
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Titel from there through here Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link -
2022
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Titel RAW! symposium Typ Artistic/Creative Exhibition Link Link