Stimmen zur Ermächtigung gegen Geschlechterungleichheiten
Voices for Empowerment Against Gender Inequalities
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (40%); Psychologie (20%); Soziologie (40%)
Keywords
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Theatre of the Oppressed,
Social Change,
Aesthetics And Politics,
Gender Inequality,
Mixed Methods,
Empowerment
VOICEsEMPOWER untersucht das Potenzial des Theater der Unterdrückten (TdU) zur Förderung der Geschlechtergleichstellung und der Ermächtigung von Frauen, Mädchen und ihren Verbündeten im gegenwärtigen Europa. Dazu verbindet unser transdisziplinär angelegtes Projekt Wissen aus der Theater- und Tanzwissenschaft, der Politikwissenschaft und der Sozialpsychologie mit praxisorientiertem Wissen von KünstlerInnen, PädagogInnen, TherapeutInnen, SozialarbeiterInnen und politischen AktivistInnen. TdU ist eine spezifische Form partizipativen Theaters, die von dem aus Brasilien kommenden Augusto Boal in den 1970er Jahren entwickelt wurde, um Dialog zu fördern und sozialen Wandel zu ermöglichen. Eine Neuakzentuierung des TdU im Kontext des gegenwärtigen Europas könnte Möglichkeiten bieten, fortbestehende Geschlechterungleichheiten zu adressieren. Trotz maßgeblicher Fortschritte in den letzten Jahrzehnten bleibt noch viel zu tun (von Lohnunterschieden bis hin zu ungleicher Repräsentation), um Geschlechtergleichheit zu erreichen. Das TdU könnte, so unsere These, den Abbau von Stereotypen und sozialen Wandel durch eine künstlerische Praxis unterstützen. Wie ist das zu erreichen? TdU verschiebt den Fokus von Repräsentation zu Partizipation, es fordert die Zuschauenden auf, ihre Stimme zu erheben in politischer wie ästhetischer Hinsicht. Die Grenzen zwischen ZuschauerInnen (spectators) und SchauspielerInnen (actors) lösen sich potenziell auf, indem alle Teilnehmenden als spect-actors selbst ProtagonistInnen auf der Bühne werden können. In diesem intimen und geschützten Raum experimentieren sie mit Handlungsmöglichkeiten, die bis dahin nicht denkbar waren, proben für die Revolution, die Veränderung der Gesellschaft und ihrer eigenen Situationen. Dieses Einüben alternativer Modi des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens kann den Raum öffnen für Perspektivwechsel jenseits enger Geschlechterbegriffe, -normen und -verhältnisse. Die Untersuchung des TdU im zeitgenössischen europäischen Kontext bedarf in einem ersten Schritt einer kritischen Revision seiner künstlerischen Methoden. Dabei muss die Intersektionalität von Diskriminierung mitgedacht werden: Der Kampf um Geschlechtergerechtigkeit kann nicht von Ethnie und Sexualität getrennt werden. Eine Aktualisierung des TdU ist deshalb aufs Engste verknüpft mit Decolonial und Queer Studies. Wir setzen Boals Idee von Theater als Probe der Revolution für eine geschlechtergerechte Gesellschaftsordnung in Szene, und untersuchen ob, warum und wie ein gegenwartsbezogenes TdU sozialen Wandel durch künstlerische Praxis herzustellen vermag. VOICEsEMPOWER untersucht das TO sowohl als Kunst als auch als Intervention, um Fragen der Ungleichheit der Geschlechter (Bewusstsein) zu verstehen und Lösungen zu finden (Aktion). Über die Verbindung von sozialem Aktivismus und Ästhetik strebt unser Projekt ein Modell der Ermächtigung und Entscheidungsfreiheit gegen geschlechtsspezifische Ungleichheiten durch künstlerische Praxis an.
- Universität Salzburg - 100%