Hitzestress und Interventionen zum Arbeiter*innenschutz
Heat stress effects and interventions to protect workers
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (15%); Psychologie (85%)
Keywords
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Heat Stress,
Essential Workers,
Co-Created Intervention,
Protective Measures,
Climate Change Adaptation,
Worker Health
Der Klimawandel schreitet von Jahr zu Jahr schneller voran, und seine Auswirkungen betreffen jeden Aspekt unseres Lebens. Es kommt vermehrt zu Extremwetterereignissen wie schweren Stürmen oder intensiven, langanhaltenden Hitzewellen. So hat sich etwa die Anzahl der Hitzetage (> 30 C) und Tropennächte (> 20 C) pro Jahr im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Arbeiten unter langanhaltender Hitzebelastung hat kurz- und langfristige gesundheitliche Folgen, zum Beispiel Hitzschlag, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Nierenschäden durch unzureichende Versorgung mit Flüssigkeit, und erhöhte Anfälligkeit für Sonnenschäden auf der Haut. Die Hitze wirkt sich auch auf unseren geistigen Zustand und unser Verhalten aus: Wer längere Zeit bei der Arbeit großer Hitze ausgesetzt ist, wird erschöpft und kann sich schlechter konzentrieren, was das Risiko für Arbeitsunfälle erhöht. Hält die Hitze nachts an, kann dies zu Schlafproblemen und weniger erholsamem Schlaf führen. Treffen diese erschwerten Bedingungen mit Leistungsdruck bei der Arbeit zusammen, können Stress und psychische Belastung entstehen. Dieses Projekt untersucht die körperlichen und geistigen Auswirkungen von Hitzewellen auf Beschäftigte in drei systemrelevanten und körperlich anspruchsvollen Berufen: Bauarbeiter*innen, Krankenpfleger*innen, und Essenslieferant*innen. Hauptziel des Projekts ist, Möglichkeiten zu finden und zu testen, wie die Arbeitsabläufe in diesen Berufen angepasst werden können, um die Hitzebelastung der Angestellten zu reduzieren und so sowohl Gesundheit als auch Leistungsfähigkeit zu erhalten. Das Projekt verläuft in drei Phasen: 1. Hitzebelastung verstehen, 2. Anpassungsmöglichkeiten finden, 3. Ausprobieren und gemeinsam bewerten. In Phase 1 werden die Arbeiter*innen jeweils über einen Zeitraum von mehreren Tagen begleitet, einmal vor und einmal während einer Hitzewelle. Während dieser Zeit werden täglich Fragen zum psychischen Zustand beantwortet (zum Beispiel Stresserleben, Sorgen über die Auswirkungen der Hitze auf Köper und Arbeitsleistung, Konzentrationsfähigkeit) und körperliche Maße (Puls, Herzratenvariabilität) sowie Maße zur Arbeitsumgebung (Temperatur, Luftfeuchtigkeit und gefühlte Temperatur) aufgezeichnet. So wird festgestellt, welche die zentralen Belastungsfaktoren für jede Berufsgruppe sind. In Phase 2 werden Befragungen in zwei bereits länger von Hitzewellen betroffenen Ländern (Malaysia, Dominikanische Republik) durchgeführt, um herauszufinden, wie in den entsprechenden drei Berufsgruppen dort mit der Hitze umgegangen wird und ob es Strategien gibt, die auf den österreichischen Kontext übertragbar wären. Im Anschluss wird mit jedem beteiligten Unternehmen eine Arbeitsgruppe durchgeführt, in der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam, wissenschaftlich begleitet, die Ergebnisse aus Phase 1 besprechen und dann Anpassungsmöglichkeiten der Arbeitsabläufe erarbeiten. Die Gruppe und das wissenschaftliche Begleitteam einigen sich gemeinsam auf ausgewählte Strategien, die in Phase 3 umgesetzt werden, sowie auf Evaluationskriterien Kriterien, anhand derer eine Maßnahme als erfolgreich oder nicht erfolgreich bewertet wird. Die Ergebnisse der Evaluation werden an alle Beteiligten rückgemeldet. Die Maßnahmen werden außerdem gemeinsam mit den Praxispartnern in einer Weise nach außen kommuniziert, die es für andere Betriebe ebenfalls ermöglicht, diese für sich umzusetzen.
- Universität Wien - 100%
- Hannes Zacher, Universität Leipzig - Deutschland
- Hong Ching Goh, Universiti Malaya - Malaysia