Partizipative Mobilitätstransition: Nachhaltig & Gesund
Co-Created Mobility Transition for Sustainability and Health
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (40%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (40%); Soziologie (20%)
Keywords
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Co-creation,
Health Justice,
Mobility Transition,
Urban Transformation,
Sustainability Experiment,
Health in All Policies
Nehmen wir an, eine Stadt möchte gesünder und nahhaltiger werden und fängt damit an, indem sie eine Straße neu gestaltet also z.B. mehr Bäume pflanzt, Radwege baut, Gehsteige verbreitert oder Kreuzungen sicherer macht. Sobald dies bekannt wird, kommen Anwohnende mit ihren Anliegen auf die Stadt zu: Die einen wollen mehr Parkplätze, die anderen überhaupt keine Autos mehr vor der Haustür; die einen wollen breite Radstreifen, die anderen lieber Sitzbänke, Bäume und ausgedehnte Grünflächen. Erschwerend kommt hinzu, dass Gesundheit und Nachhaltigkeit nicht die einzigen Gesichtspunkte sind, die berücksichtig werden müssen: Dazu kommen allgemeine politische Ziele wie etwa die Aufrechterhaltung des Verkehrsflusses, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer*innen, aber auch die Reduktion von Lärm, Feinstaub und CO2 oder Verbesserungen für bestimmte Unternehmen. Die städtische Verkehrsplanung hat nun die Aufgabe, inmitten all dieser Interessen eine möglichst optimale Lösung für die Neugestaltung zu finden. Dafür haben Städte unterschiedliche Vorgehensweisen entwickelt und nicht immer gelingt es, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Dies führt oft zu jahrelangen Debatten und Kompromisslösungen, die niemanden wirklich zufrieden stellen. Dabei vergessen die Beteiligten leicht, dass es letztlich darum geht, die Gesundheit aller Menschen zu fördern und nachhaltige Lösungen für die gesamte Stadt zu finden. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an: Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Geographie, Medizin, Soziologie und Verkehrsplanung diskutieren gemeinsam mit Expert*innen aus der Praxis (Mobilitätsinitiativen, Ärzt*innen, Stadtverwaltung u.a.) und entwickeln mit Bewohner*innen einen Plan, wie man bei der Umgestaltung von Straßen am besten vorgeht. Sie orientieren sich dabei an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015 und verbinden Ziele wie Gesundes Leben für alle und Ungleichheiten verringern mit Nachhaltige Städte und Siedlungen. Damit dieser Plan auch umsetzbar ist, wird er vor der Fertigstellung anhand von mehreren Straßen- Gestaltungsprojekten getestet. Dabei werden zunächst mit Bürger*innen vor Ort, in unserem Falle in Graz, Ideen entwickelt. Diese Ideen werden dann wissenschaftlich analysiert, um z.B. die Auswirkungen auf die Gesundheit, die Sicherheit, die Nachhaltigkeit oder das Zusammenleben der Menschen zu erkennen. Mit dieser Analyse können die Bürger*innen schließlich fundierte Einwände gegen bestimmte Ideen formulieren. Dadurch bekommt die städtische Verkehrsplanung ein klares Bild von der Situation vor Ort und kann gute Lösungen im Sinne aller Beteiligten finden. Wenn der Plan fertiggestellt ist, soll er nicht nur in Graz, sondern auch in anderen Städten angewandt werden. Denn die Herausforderungen für nachhaltige und gesunde Städte sowie bei der Neugestaltung von Straßen sind sich häufig sehr ähnlich.
- Universität Graz - 100%