Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Abstract
Die Beiträge dieses Bandes gehen auf ausgewählte und umgearbeitete Vorträge der ersten Arbeitstagung des
internationalen (von Österreichischer Akademie der Wissenschaften und Fonds zur Förderung der
wissenschaftlichen Forschung geforderten) Projekts über Vor- und Frühstufen des Erstspracherwerbs der
Morphologie in zwei Dutzend Sprachen zurück, welche in Wien im Februar 1995 stattgefunden hat. (Zu den
Auswahlkriterien vgl. p.6)
Dieser Band zeichnet sich von anderen Bänden zum Erstspracherwerb durch mehrere Vorzüge aus: Er betrifft
überdurchschnittlich viele Sprachen (12) und die sonst meist vernachlässigten Frühphasen des Morphologie-
Erwerbs (von 1 bis 3 Lebensjahren); er ist nur dem Morphologie-Erwerb gewidmet und hier wiederum drei
Schwerpunkten (Verbalflexion, Diminutive, extragrammatische Operationen); viele Beiträge folgen explizit einem
konstruktivistischen Forschungsansatz, der sich damit zum ersten Mal sprachvergleichend beim Spracherwerb
bewahrt (der Ansatz der anderen, nicht explizit konstruktivistischen Beiträge ist mit diesem Ansatz kompatibel); die
Sprachvergleichung wird auch dadurch erleichtert, daß die den Beiträgen zugrundeliegende Datensammlung,
Datenkodierung und quantitative Auswertung im Zusammenhang des internationalen, im Rahmen der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften geleiteten Projekts nach denselben Prinzipien erfolgen (auch im
Zusammenhang mit dem CHILDES-Projekt).
Auf eine Einleitung, auf Beitrag 1 zur Selbstorganisation und Beitrag 2 zum Problem radikaler phonetischer
Neutralisation, folgt der erste spezifische Beitrag überhaupt zu russischer extragrammatischer Morphologie im
Spracherwerb und (im ersten Spracherwerbsbeitrag über die mexikanische Sprache Huichol) der Nachweis des
(auch) morphologischen Charakters von Kürzungs-Operationen (als Typ extragrammatischer Morphologie).
Beiträge 5 und 6 behandeln den Übergang von vorwiegend extragrammatischer zu vorwiegend grammatischer
Morphologie im Französischen und Deutschen und sind daher für die Abgrenzung von Protomorphologie
gegenüber vorangehender Prämorphologie und folgender modularisierter Morphologie wichtig. Die folgenden
Beiträge zum Erwerb der Verbalflexion enthalten die ersten linguistischen Beiträge zum Spracherwerb des
Litauischen und Slowenischen sowie Beiträge zur nah verwandten Sprache Russisch, zum weitschichtig
verwandten Schwedisch und zu den nicht verwandten Sprachen Türkisch und Georgisch. Die letzten drei Beiträge
beleuchten aus drei Sprachen (Griechisch, Italienisch, Niederländisch), zum ersten Mal longitudinal,
morphopragmatische Grundlagen des Erwerbs von Diminutiven (als nicht-prototypischer Kategorie der
Wortbildung) und stützen dadurch Thesen des Herausgebers.