Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Abstract
Der Band enthält die Ergebnisse der archäometrischen und chemiehistorischen Untersuchungen am Inventar des
Laboratoriums von Oberstockstall/Kirchberg am Wagram. Dieser 1980 in einem niederösterreichischen Schloß in
der Nähe von Krems an der Donau gemachte Fund ist für die Geschichte der Chemie sensationell. Für die
Geschichte der Chemie ist die Aufarbeitung des Fundkomplexes Oberstockstall deswegen von großer Bedeutung,
da in dieser Zeit die entscheidenden Weichenstellungen von der Alchemie hin zu einer Chemie auf empirischer
Grundlage erfolgen. Die vorliegende Publikation ist die erste Studie zur Geschichte des Paracelsismus in
Osterreich.
Das erste Kapitel behandelt die Frage, wer die Alchemisten in Oberstockstall gewesen sind. Das Herzstück der
Studie umfaßt die Kapitel 4-7. In diesem Teil werden die ca. 1000 Objekte vier deutlich voneinander
unterscheidbaren Disziplinen der Alchemie am Ende des 16. Jahrhunderts zugeordnet: der Goldmacherei, der
Probierkunst (Dokimasie), der Destillierkunst und der Chemiatrie (einer präparativen Chemie im Dienste der
Medizin). Es werden dabei die archäologischen Fakten einerseits in Beziehung gesetzt mit den Ergebnissen der
chemischen Analyse der Rückstände, Niederschläge, Schmelzkuchen etc., andererseits wird die chemisch-
technologische und alchemistische Literatur der Renaissancezeit zu Rate gezogen. Auf diese Weise ergibt sich ein
umfassendes und detailgetreues Bild des damaligen Laborierens.
In den Schlußkapiteln soll verdeutlicht werden, daß die in Oberstockstall betriebene Alchemie mit den Adjektiven
"paracelsistisch" oder "spagyrisch" zu bezeichnen ist. Es handelte sich um eine offensichtlich stark vom
Humanismus beeinflußte Konzeption. Es wird erkennbar, was die Chemie dem Humanismus der Renaissance
eigentlich verdankt.