Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Abstract
Die politische Expansion Roms in Italien stellt einen entscheidenden Wendepunkt in der geschichtlichen
Entwicklung der Apenninenhalbinsel dar, denn der Einfluß der Kultur und der Sprache der altitalischen Völker und
Stämme und ganz besonders der etruskischen Kultur auf das römische Geistesleben hatte vorher in manchen
Bereichen zu einer partiellen Italisierung bzw. Etruskisierung Roms geführt; diese erscheint komplementär zum
kulturellen und sprachlichen Einfluß Roms auf die Kultur der anderen Völker und Stämme und führte letzten Endes
zu ihrer Romanisierung. Die Geschichte Altitaliens weitet sich somit auf die Erforschung der historischen
Bedeutung ihrer Völker und Stamme von ihrem Auftreten zu Beginn des 1. Jahrtausends v.Chr. an bis zur
Herausbildung eines römischen Nationalgefühls in augusteischer Zeit und zu dessen Umwandlung in ein
italienisches Bewußtsein im hohen Mittelalter aus. Man möchte fast sagen: Die Betrachtung der gegenseitigen
Beeinflussung und der kulturellen und sprachlichen Kontinuität von der Antike über das Mittelalter und der
Renaissance ist heutzutage unerläßlich für das Verständnis des neuzeitlichen Italiens und Europas.
In diesem Band haben namhafte Forscher theoretische Überlegungen über Aufkommen und Verschwinden der für
das Volk der Etrusker charakteristischen Merkmale angestellt und in weiterer Folge versucht in dem Geflecht
zahlreicher identitatsstiftender, aber sich dauernd verändernder Merkmale Anfang und Ende des etruskischen
Charakters des jeweils einzelnen Merkmals, etwa der politischen Geschichte der materiellen Kultur oder der
Religion der Etrusker zu bestimmen.
Dabei zeigt sich, daß die politische und militärische Expansion Roms höchstunterschiedliche Integrationsprozesse
auf geographischem, wirtschaftlichem, sozialem, religiösem, sprachlichem und psychologischem Gebiet teils
bedingt und teils beschleunigt haben.