Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Abstract
Diese erste Interpretationsarbeit über die Theologik Hans Urs von Balthasars (1985-87) versucht, auf dem Boden
der Frage nach der Quelle des Wissens und seiner Wahrheit, die Balthasar eingebracht hat, einen neuen Ansatz zu
nehmen: nicht so sehr bei göttlichem Wissen, vermittelt durch den Gottesgeist, sondern bei der Einsicht, wie sehr
solch hohes Wissen v.a. durch das christliche Zentraldatum des Kreuzes Jesu in die Krise gebracht wurde. Das
wurde weniger im ersten Teil, als es um den philosophischen Zugang zur Analogie zu tun war, als im zweiten und
dritten Teil durchgeführt, wo im Zweischritt der christologischen Offenbarung der und pneumatologischen Präsenz
dieser Offenbarung die Fragwürdigkeit eines fast gnostischen Wissensanspruch sich entwickelte. Die Logik, wie sie
sich dann aufgrund er kritischen Einsicht noch ersinnen läßt, wurde im Epilog als gegenseitige Vermittlung von
Analogie und Katalogie erfaßt, wobei Analogie hier als Entsprechungsdenken gemeint ist, das sich seiner
wesentlichen negativen Unmöglichkeit der Adäquation bewußt bleibt, und Katalogie das negative Wissen vor Gott
bedeutet. Dieser Gedanke wurde kritisch gegen Balthasar als Ergebnis formuliert. Das negative Wissen hat so den
Sinn, Gott als verborgenen, mehr noch als verlorenen zu erinnern und sich darum der Glorie in der Theologie zu
entschlagen. Theologie steht so weit weniger im Zeichen von satten Affirmationen als im Druck, dem abhandenen
Gott, gerade angesichts des Leidens, so standzuhalten, daß der "leere Stuhl", wie er in der jüdischen Religion im
Zentralheiligtum in Jerusalem verhüllt blieb, durch keine götzendienerische Anwandlung besetzt werden darf.
Damit wird zugleich versucht, christliche Theologie auf der Grundlage der Frage nach ihrer heute möglichen Logik
ihrer Wurzel näherzubringen, die im jüdischen Glauben sich findet. Insofern stellt die Arbeit nicht bloß einen
speziell-theologischen oder rein auf Balthasar bezogenen Anlaß vor, sondern arbeitet auch auf die jüdisch-
christliche Auseinandersetzung zu, von der christlichen Theologie jedenfalls dadurch, daß von einer solchen
Befassung für die eigenen Glaubenserfassung unendlich viel zu lernen ist. Deshalb blieb der Epilog auch thesenhaft
und fragmentarisch; seine Ausführung erfordert wohl ein eigenes, späteres Unternehmen.