Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Abstract
im Schatten der NS-Vergangenheit
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Darstellung der politischen, diplomatischen und
gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Israel von 1945 bzw. 1948 (Staatsgründung Israels) bis zur
Gegenwart. Ausgehend von unserer zentralen These, daß die österreichisch-israelischen Beziehungen teilweise über
das "normale" Maß hinausgehen, da sie nachhaltig von der NS-Vergangenheit geprägt sind, lautet die primäre
Fragestellung: Wie gestaltete sich das Verhältnis zwischen den ehemaligen "Täter"/"Mittätern" und den ehemaligen
"Opfern" des Nationalsozialismus? Inwieweit waren/sind die österreichisch-israelischen. Beziehungen von den
Schatten der NS-Vergangenheit überlagert?
Neben dem Verlauf der zwischenstaatlichen Beziehungen sollen die häufig aufgetretenen Konflikte und Krisen
zwischen Österreich anhand von wichtigen Zäsuren und Schnittpunkten (z.B.
"Wiedergutmachungs``Verhandlungen, Kreisky-Ära, Waldheim-Affäre) dargestellt und analysiert werden. Zudem
geht es uns auch um die gegenseitigen Wahrnehmungen, Einstellungen und Bilder und deren Wandel im Laufe der
Jahre, die ebenfalls anhand von exemplarischen Ereignissen (z.B. Staatsgründung Israels, Sechstagekrieg,
Libanoninvasion, Wiederannäherung) herausgearbeitet werden. Ein weiteres Augenmerk wird auf Aspekte "jenseits
der Diplomatie" gelegt, wie z.B. auf die Motivationen und Hintergründe des Israelengagements von
``Israelfreunden" in Österreich oder die Erfahrungs- und Wahrnehmungsmuster von österreichischen und
israelischen DiplomatInnen.
Es zeigt sich, daß die österreichisch-israelischen Beziehungen sowohl in Israel als auch in Österreich stark auf das
jeweilige Geschichts- und Selbstverständnis verweisen und dieses teilweise auch hinterfragt werden mußte.
Besonders auf österreichischer Seite berührten die Konflikte/Auseinandersetzungen mit Israel immer auch zentrale
politische Ereignisse der österreichischen Nachkriegsgeschichte und lassen somit auch Rückschlüsse auf die
Befindlichkeiten und den politischen Bewußtseinsstand der 2. Republik zu. Das Verhältnis Österreichs zu Israel
kann somit auch als ein wichtiger Indikator des Umgangs der 2. Republik mit Antisemitismus und ihrer NS-
Vergangenheit verstanden werden.