Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Abstract
Drei Fragen bestimmen die vorliegende Untersuchung zu deutschnationaler und nationalsozialistischer
Geschlechterpolitik in Österreich:
* die Frage nach - offenen und verdeckten - Zusammenhängen zwischen Nationalismus und nationaler Formierung
auf der einen und nach der Konstituierung des Geschlechterverhältnisses in der Republik und der politischen
Positionierung von Frauen auf der anderen Seite:
* die Frage nach Verbindungslinien und Transformationen zwischen den deutschnationalen und völkischen Milieus
im Österreich der Zwischenkriegszeit und der sich formierenden nationalsozialistischen Bewegung;
* und schließlich die Frage nach der Reformulierung von Geschlechterverhältnissen in nationalsozialistischen
Diskursen und nach der Partizipation von Frauen an oppositionellen - legalen und illegalen - nationalsozialistischen
Politikzusammenhängen in der Ersten Republik und im austrofaschistischen "Ständestaat". Zur Untersuchung dieser
- an die internationale Forschungadiskussion um Nation und Geschlecht wie an die Geschlechterforschung zum
Nationalsozialismus anschließenden - Fragen werden auf der Basis gedruckter wie archivalischer Quellen in den
ersten beiden Abschnitten die Frauen- und Geschlechterpolitik der Großdeutschen Volkspartei - der größten Partei
des sogenannten ,"nationalen Lagers", der Ersten Republik -, sowie die Entwicklung der Frauenorganisierung
innerhalb der nationalsozialistischen Partei in Österreich und deren geschlechterpolitische Aussagen untersucht.
Aus der Verbindung dieser beiden Fragestellungen resultiert als These dieser Arbeit: die antisemitische Ideologie
der ,`Volksgemeinschaft" spielte als Matrix sowohl großdeutscher wie nationalsozialistischer
Geschlechterprogrammatik eine zentrale Rolle für die Transformation der aus deutschnationaler Perspektive
formulierten Frauen- und Geschlechterpolitik in ein Feld nationalsozialistischer ideologischer und politischer
Positionierung. Neben organisations- und ideologiegeschichtlichen Darstellungen und Analysen werden in dieser
Arbeit auch sozialgeschichtliche Fragen nach der Konstituierung von spezifischen Milieus der politischen
Partizipation von Frauen in der Ersten Republik aufgeworfen. Exemplarische Analysen - etwa eine Untersuchung
der geschlechtsspezifischen Wahlergebnisse der für die NSDAP so erfolgreichen Wahlen 1932 oder biographische
Thematisierungen zentraler Persönlichkeiten des untersuchten Politikzusammenhanges - ergänzen die Darstellung.
Den dritten und abschließenden Teil der Arbeit bildet die Untersuchung des legalen und halblegalen Netzwerkes
deutschnationaler Frauenorganisationen. das - so die These dieser Untersuchung - nach dem Verbot der NSDAP
wesentlich zur Reorganisation und Aufrechterhaltung der illegalen nationalsozialistischen Zusammenhänge beitrug.