Studien zum Patriarchatsregister von Konstantinopel II
Studien zum Patriarchatsregister von Konstantinopel II
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Das Register des Patriarchats von Konstantinopel erhalten in den beiden Handschriften Cod. trist. gr. 47 und Cod. trist. gr. 48 der Österreichischen Nationalbibliothek zu Wien, stellt eine der bedeutendsten urkundlichen Quellen für das 14. Jahrhundert in Byzanz, genauer für die Jahre 1315 bis 1402, dar. Die kritische Ausgabe des Registers - bisher erschienen zwei Bände (1981 [Urkunden der Jahre 13155-1331] und 1995 (Urkunden der Jahre 13377- 13501); weitere Bände befinden sich in Bearbeitungg - gehört zu den Hauptaufgaben der "Wiener Schule" der Byzantinistik. Im Rahmen der editorischen Tätigkeit treten freilich immer wieder Fragen und Probleme auf, deren ausführliche Erörterung innerhalb der eigentlichen Ausgabe aus Platzgründen unmöglich ist. Aus diesem Grunde wurden als Art `"Begleithefte" zur Edition schon im Jahre 1981 "Studien zum Patriarchatsregister von Konstantinopel" ins Leben gerufen, deren zweiter Band vor kurzem abgeschlossen werden konnte. Sein umfangreichster Beitrag enthält eine Untersuchung des "Tomos des Jahres 1341", eines zentralen kirchenpolitischen Dokumentes, in dem der Patriarch Ioannes XIV. Kalekas und die Synode die Angriffe des Mönches Barlaam von Kalabrien gegen den Priestermönch Grgeorios Palamas, d. h gegen den gerade um diese Zeit in Byzanz um sich greifenden Hesychasmus, verurteilten. Dieser Tomos bietet in seinem Hauptteil eine Fülle von Zitaten aus der patristischen Literatur, welche die Richtigkeit des palamitischen Standpunktes beweisen sollten. Alle diese Zitate werden identifiziert, analysiert und in ihrer Textform mit der jeweils zitierten patristischen Quelle bzw. mit weiteren Zitaten des nämlichen Auszugs in anderen Schriften des Gregorios Palamas (bzw. seiner Anhänger und Widersacher) verglichen. Als Ergebnis kann festgehalten werden, daß sich der Vorwurf, den schon zeitgenössische Gegner des Hesychasmus gegen Gregorios Palamas erhoben, voll bestätigt: Seine Zitate aus der patristischen Literatur sind oft aus dem Zusammenhang gerissen, weichen gar nicht selten entschieden vom zitierten Text ab und lassen sich in Einzelfällen sogar als bewußte Fälschungen erweisen. - Ein einleitender Beitrag ("Zur scheinbaren Nonchalance der Kanzleisprache des Patriarchatsregisters") untersucht den Einsatz rhetorischer Stilmittel in den Urkunden der Patriarchen von Konstantinopel im 14. Jahrhundert, namentlich jene Wendungen, die auf eine lockere, "nonchalante" Handhabung der Sprache, insbesondere der Syntax, in den Urkunden des Patriarchatsregisters hinzuweisen scheinen. Überwiegend handelt es sich dabei um Nebensätze, aber auch um verschiedene Indefinita, Aposiopesen und Formeln, die in ihrer betonten Unverbindlichkeit den Eindruck des Überflüssigen erwecken. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber, daß mit dieser "Nonchalance" sehr wohl bestimmte Absichten verbunden waren. - Eine abschließende Studie beschäftigt sich mit der im Patriarchatsregister überlieferten "Lebensbeichte" einer schillernden Persönlichkeit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, eines Mönches namens Paulos Tagaris, der es bis zum lateinischen Patriarchen von Konstantinopel brachte. Seine "Generalbeichte" wird kritisch ediert, ins Deutsche übersetzt und mit einem ausführlichen Kommentar versehen.