Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Abstract
Der vorliegende Sammelband ist eine aktuelle Zusammenfassung von Aufsätzen zur archäologischen Forschung in
Velia, die anläßlich eines Kongresses 1993 in Rom als Vorträge gehalten wurden. Die Bemühungen der
Veranstalter, um eine möglichst breite Thematik spiegelt sich im Inhaltsverzeichnis wider.
J.P. Morel vergleicht die Forschungsgeschichte von Velia mit der von Arseille in den letzten 25 Jahren und
differenziert darin den Begriff der phokäischen Stadt in ihrer Beziehung zum Hinterland. F. Krinzinger geht auf die
monumentale Ausgestaltung der Akropolis ein und kann dabei auf Grabungsergebnisse im Bereich des Theaters
verweisen. In engem Zusammenhang damit legt J. Daum die Dokumentation zur Terrassenmauer II vor. Das
Grabungsteam der Soprintendenz interpretiert die neuen Tiefgrabungen im hellenistischen Gebäude westlich des
Akropolis-Tempels und kommt dadurch zu Schlüssen, die sich weitgehend mit den Ansätzen im Beitrag Krinzinger
decken. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Datierung des Tempels in die Zeit um oder nach 300
v. Chr. Die nächsten beiden Beiträge beschäftigen sich mit der sogenannten Agora von Velia, wobei G. Tocco die
öffentliche Funktion dieses Platzes erneut diskutiert und für eine Neubennung als Asklepieion eintritt, L. Cicala und
L. Veccio legen die Stratigraphie aus den Untersuchung vor. G. Greco behandelt das Fragment eines Löwenkopfes,
der als "Altfund" immer mit der Sakralarchitektur in Verbindung gebracht worden war, nunmehr aber überzeugend
als Wasserspeier eines Brunnenhauses erkannt wurde. R. Maffettone gibt einen Überblick über die figürlich bemalte
Keramik. V. Gassner stellt die Funde aus den von der Missione Austriaca freigelegten Lehmziegelhäusern in der
Unterstadt vor und entwickelt daraus ein chronologisches Gerüst für die Bauphasen der Erstbesiedlung der
Unterstadt. R. Sauer und F. Ortolani behandeln geologische Probleme des Stadtgebietes von Velia, wobei ersterer
eine sedimentologisch begründete Zerstörungsgeschichte der vorgenannten Erstbesiedlung zeichnet, Ortolani
hingegen eine großräumige Einbindung in die Küstengeologie und die Klimageschichte des Mittelmeerraums
versucht.
Die Drucklegung dieses Sammelbandes als erster Band in einer neubegründeten Reihe bekräftigt die langjährige
Zusammenarbeit zwischen der Missione Austriaca und den italienischen Partnern. Daraus sind zahlreiche Impulse
erwachsen, die Basis für ein längerfristiges Publikationsprogramm wurden.