Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Abstract
Unterschiedliche Versuche, auf Alltag, Lebensformen und Lebensgestaltung disziplinierend einzuwirken, lassen
sich in jeder Gesellschaft in vielfacher Weise erkennen. Dies gilt im besonderen Maße auch für den Zeitraum des
Mittelalters und der frühen Neuzeit. Dabei kann nachgewiesen werden, daß die genannten Disziplinierungsversuche
einerseits mit Hilfe vielfältiger Normsetzungen angestrebt werden, welche sich vor allem auf die
"öffentlichkeitsintensiven" Bereiche des Lebens konzentrieren. Andererseits ist damit auch der breite Kanon
didaktisch-moralisierender Literatur und belehrender Bilder in Verbindung zu bringen. Darüber hinaus wird
Disziplinierung - zumindest indirekt - auch in allgemeiner Raumorganisation, im Städtebau, in letztwilligen
Verfügungen, in der Chronistik oder in Inventaren sichtbar. Selbstdisziplin gilt als wichtige Tugend
mittelalterlicher Herrscher.
Das Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften widmete im Oktober 1996 seinen 11. internationalen Kongreß diesem wichtigen Themenkreis und
versuchte die angesprochene Breite des Themas abzudecken und zu diskutieren. Der Band beinhaltet 13 für den
Druck überarbeitete Vorträge international anerkannter Experten aus 8 Ländern und ist damit bestrebt, einen neuen
Beitrag zur modernen Alltags- und Mentalitätsgeschichte zu liefern. In ihnen zeigt sich zum einen, daß der
Problemkreis nicht nur von unterschiedlichen methodischen Ausgangspunkten her bewältigt werden muß. Zum
anderen ist als eines der generellen Hauptergebnisse anzusehen, daß "Alltag und Disziplinierung" in
unabdingbarem Kontext zu analysieren sind.