Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Abstract
Druckkostenbeitrag D 3111Vom Parergon zum LabyrinthBurghard SCHMIDT06.03.2000
Vorliegendes Buch zum Ornament richtet sich in allen seinen Beiträgen auf paradigmatische Situationen in der
Geschichte, in denen das, was man unter dem Ornamentalen verstehen mag, seine Rolle zu wechseln begann. Zwar,
in solchen Situationen schwerstens angegriffen, stieß und stößt das Ornament aus einer gebändigten Funktion als
Beiwerk (altgriech. : Parergon) oder Schmuck (lat.: Decorum) zur Sache selber durch, indem es das von ihm bis
dahin Begleitete zu überwuchern begann und beginnt.Daß dieses in Entsprechungsverhältnissen zu aIlgemeinen
Gesellschaftskrisen und zu Versuchen ihres Überwindens geschah, dieser Hypothese folgen alle Autoren des Buchs
auf dem Hintergrund von breitem historischem Material.
Zugleich entwickeln sie dabei im Gesamtzusammenhang des Buchs die Einsicht, daß die Prozesse eines
überwuchernden Ornamentalen dieses aus seiner rahmenden, zusammenfassenden, bloß bestätigenden Funktion in
ein verwirrendes Labyrinthisieren der Desorientierung oder Dekonstruktivität treibt. In solcher Richtung vermag die
weitest historisch verfahrende, dabei pluralisierende Untersuchung doch Ansätze anzubieten zur Durchleuchtung
der Lebenskultur unserer Gegenwart. Denn diese ist ja eine, in der wachsend die Inszenationsweise das zu
Inszenierende überwuchert, sie ist eine ornamentalisierende Lebenskultur, keine ornamental fixierte.
- Gerard Raulet, assoziierte:r Forschungspartner:in