Tell el-Dab´a I. Tell el-Dab´a and Qantir
Tell el-Dab´a I. Tell el-Dab´a and Qantir
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Labib Habachi, einer der herausragendsten äyptischen Ägyptologen unseres Jahrhunderts, hatte ein besonderes Interesse am östlichen Nildelta, im besonderen an Tell el-Dab`a und Qantir, die beide auf Relikten alter Stadtsiedlungen liegen. Entgegen der damals vorherrschenden und stark vertretenen ägyptologischen Meinung, daß die alte Hyksoshauptstadt, Auaris, und die Ramsesstadt in Tanis zu suchen seien, versuchte Habachi aufgrund seiner Forschungsergebinisse den Beweis anzutreten, daß diese beiden Städte beim heutigen Tell el-Dab`a und Qantir zu lokalisieren sind. Habachi hatte zwischen 1941 bis 1943 selbst Grabungen um Tell el-Dab`a durchgeführt, deren Ergebnisse seine Ansichten untermauerten, jedoch von der Wissenschaft weitgehend ignoriert wurden. Die seit 1966 fast regelmäßig durchgeführten Grabungen des österreichischen Archäologischen Institutes in Tell el- Dab`a unter der Leitung des Antragstellers haben nicht nur Habachis Ergebnisse aufs beste bestätigt, sondern auch die Bedeutung des Ortes Tell el-Dab`a/Qantir für die ägyptische Geschichte, die Siedlungsarchäologie und die internationalen Beziehungen im östlichen Mittelmeerraurn demonstriert. Das Ableben des ägyptischen Ausgräbers verhinderte die geplante Veröffentlichung.seiner Ergebnisse, die als erster Band im Rahmen der Publikationen der Zweigstelle des Österr. Archäologischen Institutes vorgelegt werden sollten. Das unvollendete Manuskript sowie seine Dokumentationen wurden dem Antragsteller zur Verwahrung und mit der Bitte übergeben, diese für eine Veröffentlichung druckfertig zu machen. Frau Eva Engel, die jahrelang an den Ausgrabungen in Qantir (Museum Hildesheim) mitgewirkt hat, übernahm die verantwortungsvolle und mühsame Bearbeitung dieses Nachlasses, dessen Ergebnisse durch Beiträge von Frau Christa Mlinar (Skarabäen) und. Herm Peter Jnosi (Mittleres Reich) ergänzt sind. Die vorliegende Publikation enthält im. ersten Teil das überarbeitete und edierte englische Originalmanuskript Habachis, das sich mit der Problematik der Städte-Identifizierung sowie der Geschichte des östlichen Nildeltas auseinandersetzt. Die Teile 2 und 3 präsentieren die Ergebnisse der Bearbeitung des Nachlasses. Der zweite Abschnitt stellt die Arbeiten Habachis und anderer Ausgräber im Raum Tell el-Dab`a/Qantir dar und versucht, die z.T. unveröffentlichten Ergebnisse in ihren wissenschaftlichen Kontext zu stellen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Herkunft und Zusammengehörigkeit von Fundobjekten gerichtet, da sie die Basis für historisch auswertbare Informationen bilden. Darüberhinaus wurde auch versucht, die Objekte in den archäologischen und siedlungsspezifischen Kontext einzubetten, um Hinweise über die Strukturen der Städte und der Siedlungsgeschichte zu erhalten. Teil 3 enthält den Katalog all jener Funde, die Habachi durch eigene Grabungen entdeckte sowie jene, die ihm zur Darlegung seiner Identifizierung dienten und meist aus Raubgrabungen oder dem Kunsthandel dieser Gegend stammten. Für diesen letzten Teil der Publikation konnte auf z.T unveröffentlichtes Photomaterial, das heute im Epigraphic Survey des Chicago Houses (Universität Chicago) in Luxor aufbewahrt wird, zurückgegriffen werden. Darüberhinaus war es durch das hilfreiche Entgegenkommen der ägyptischen Kollegen im Ägyptischen Museum in Kairo möglich, alle Funde, die ins Museum gelangt und zugänglich waren, neu aufzunehmen und zu dokumentieren. Auch wenn Habachis Identifizierung der Hyksoshauptstadt mit dem Grabungsplatz Tell el-Dab`a heute infolge der Ergebnisse der österreichischen Grabungen an diesem Ort und der deutschen Grabungen in Qantir ein unbestrittenes Faktum ist, so blieb die Veröffentlichung seiner reichen Dokumentationen und Materialssamm1ungen ein lang anstehendes Dessiderat derÄgyptologie und der Siedlungsarchäologie im speziellen. In der vorliegenden Publikation werden nicht nur Habachis schriftliche Dokumentationen erstmals zusammenhängend dargestellt, sondern auch alle Fundobjekte und FundzusammenhAnge zurn ersten Mal der Öffentlichkeit in wissenschaftlicher Form vorgelegt.
- Labib Habachi, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in