Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark
Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Druckkostenbeitrag D 3186Die mittelalterlichen Wandmalereien in der SteiermarkElga LANC24.01.2000 Trotz ihrer eminenten Bedeutung für die Greschichte der mittelalterlichen Kunst war die Monumentalmalerei in Österreich kunsthistorisch noch kaum bearbeitet und damit - von wenigen Ausnahmen abgesehen - auch den Mittelalter-Spezialisten weitestgehend unbekannt geblieben. Diesem Unistand wurde mit dem Unternehmen des Corpus der mittelalterlichen Wandmalerei Rechnung getragen. Nach dem ersten, den Beständen in Wien und NÖ. gewidmeten Band, liegt nun der zweite über "Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark" vor. Die Steiermark ist nach Kärnten das an mittelalterlicher Wandmalerei reichste Bundesland Östereichs. Im Bearbeitungszeitraum vom 12. Jh. bis um 1530 wurde der immense Bestand von 1752 Wandbildern und Gewölbemalereien bzw. Katalognummern in 163 Standorten erstmals und eingehend kunstwissenschaftlich erschlossen - eine in der kunsthistorischen Grundlagenforschung bisher einzigartige Fülle von Material. Es umfaßt höchst bedeutsame, qualitätvolle Werke von europäischem Rang, darunter - aus hochmittelalterlicher Zeit - die Gesamtausstattungen mit ihren komplexen, vielschichtigen Programmen in der Johanneskapelle in Pürgg und in St. Georgen ob Judenburg. Anders als in Wien und NÖ. (Bd. I) sind in der Steiermark aus allen fünf Jahrhunderten umfangreiche Gesamtausstattungen und große Werkstattgruppen vertreten, die sich im Bereich der wichtigen Handelswege entlang der Mur und der Mürz in und um die Städte Bruck, Leoben, Knittelfeld, Judenburg, Murau und Graz sowie im Ennstal konzentneren. Darüber hinaus haben sich hier in den Stiften und Klöstern, den geistigen und kulturellen Zentren des Landes, wie Neuberg a.d. Mürz, Göss, Seckau, Fürstenfeld, Stift Rein, Graz und St. Lambrecht, mit den mittelalterlichen Bauten weitgehend auch die Wandmalereien aus dieser Epoche erhalten, die von hervorragenden Künstlern ausgeführt wurden. Einige von ihnen kamen aus Venetien bzw. Friaul, andere, heimische Künstler, hatten dort ihre Schulung erfahren oder waren von böhmischen bzw. westlichen Werken geprägt. Auch bedeutende Künstlerpersönlichkeiten können erstmals vorgestellt werden, wie der Meister von St. Radegund, der zwischen 1501 und 1506 dort und in anderen Orten (Stift Neuberg, Seckau, Stift Rein) höchst qualitätvolle Werke schuf. Den Schwerpunkt der Untersuchungen bilden - abgesehen von Angaben zu Technik und Erhaltungszustand - eingehende Analysen der für die Wandmalerei spezifischen Kategorien, der Ausstattungsformen, der übergreifenden Gesamtprogramme, der einzelnen Bildthemen mit ihren ikonographischen Besonderheiteri, die in ihrer Vielfalt die Wandmalerei auszeichnen, sowie der speziellen Stilausprägungen, welche die entwicklungsgeschichtliche und zeitliche Einordnung der Denkmäler erlauben. Die Erfassung aller Werke eines so großen Bundeslandes ermöglicht es, Querverbindungen aufzuzeigen, Einflußgebiete aufzuspüren oder zu präzisieren, Werkgruppen zusammenzustellen und bereits; bekannte zu ergänzen. Durch das Einbeziehen der Inschriften werden Zusammenhänge zwischen Bild und Text, auf der Grundlage der exegetischen Schriften, und darüber hinaus auch kirchenpolitische Hintergründe deutlich. Ein weiteres Spezifikum dieser Kunstgattung sind die Gewölbemalereien, von denen sich in der Steiermark ebenso unterschiedliche wie eindrucksvolle Beispiele erhalten haben. Jeder der Katalogtexte bietet neue Erkenntnisse bzw. eine Vielzahl davon. Über die fachspezifisch relevanten Ergebnisse hinaus, darunter auch solche zur Baugeschichte (u.a. Stiftskirche St. Lambrecht), bietet der Band für die geisteswissenschaftlichen Nachbar-Disziplinen (Geschichte, Realienkunde, Epigraphik etc) ein reiches, höchst interessantes Material. Der nach Orten alphabetisch geordnete Katalog im Textband enthält, neben den Untersuchungen zur Wandmalerei selbst, auch Informationen zum Bau, zur Forschungslage, zur Geschichte und zu den Auftraggebern. 60 Textfiguren (Wandabwicklungen bzw. Grundrisse) und die angeschlossenen Verzeichnisse von Personen sind Orten sowie das ikonographische und Sachregister erleichtern die Erschießung durch den Benützer. Der Tafelband bietet mit insgesmt 991 farbigen und schwarz-weißen Illustrationen eine annähemd vollständige fotografische Dokumentation der Denkmäler.
- Ernst Bacher, assoziierte:r Forschungspartner:in