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Die materielle Kultur der Spätantike in den Ostalpen

Die materielle Kultur der Spätantike in den Ostalpen

Sabine Ladstätter (ORCID: 0000-0002-0131-5640)
  • Grant-DOI 10.55776/D3187
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 24.01.2000
  • Projektende 17.08.2000
  • Bewilligungssumme 13.081 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Abstract

Druckkostenbeitrag D 3187Die materielle Kultur der Spätantike in den OstalpenSabine LADSTÄTTER24.01.2000 Auf dem im Süosten Öterreichs gelegenen Hemmaberg entstand in der Spätantike, das größte frühchristliche Pilgerzentrum des Alpenraumes. Ausgehend vom Fundmaterial dieser Anlage werden in der vorliegenden Studie allgemeine Kennzeichen der materiellen Kultur der Spätantike in den Ostalpen vom 4. bis zum 7. Jh. diskutiert. In einem ersten Abschnitt werden ausgewählte Fundgattungen besprochen, die für die absolute chronologische Einordung sowie für die Charakterisierung der Siedlungen von Bedentung sind. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf einer numismatischen Analyse des Münzumlaufes vom 3. bis zurn 5. Jh., die mit einer Diskussion zur Problematik der Hortfunde, die in die Mitte des 3. Jh. datiert werden können, verknüpft ist. Zudem wird das Spektrum an keramischen Importwaren, das sich aus nordafrikanischen Sigillaten und Lampen, kleinasiatischen Sigillaten and Amphoren zusammensetzt, analysiert and wirtschaftsgeschichtlich interpretiert. Durch die Vorlage der Grobkeramik, der Fibeln und der Glasfunde wiederum können lokale Produktionsformen definiert werden. Der Übergangszeit zwischen der Spätantike und dem frühen Mittelalter ist ein eigenes Kapitel gewidmet, das auch die Problematik der slawischen Landnahme und ihrer archäologischen Nachweisbarkeit umfaßt. In einem zweiten Abschnitt werden aussagekräftige und für die Chronologie relevante Fundkomplexe aus der westlichen Doppelkirchenanlage auf dem Hemmaberg kontextuell vorgestellt. Abgerundet wird die Arbeit durch Überblicke zur Forschungsgeschichte, zum Forschungsstand und zur geschichtlichen Entwicklung der Region vom 4. bis zurn 7. Jh. Schwerpunkte: - numismatische Analyse des Münzumlaufes vom 4. bis zum 7. Jh. - handels- und wirtschaftsgeschichtliche Auswertung der Importkeramik vom 4. bis zum 7. Jh. - ethnogenetische Fragestellungen, denen der archäologische Fundstoff zugrunde gelegt wird - Verknüpfung des Befundes und des Fundmaterials (Vorlage der Grabungsdokumentation) - Kombinierte Answertung von gattangsspezifisch bearbeitetem Fundmaterial und kontextuell vorgelegter Fundkomplexe, die einen Überblick über die Vergesellschaftung verschiedener Materialgruppen erlauben. Ergebnisse: Die Bearbeitung des Fundmaterials and seine überregionale Answertang hatten unter anderem das Ziel die Siedlungsentwicklung und die ökonomische Situation der Provinz und ihrer Bewohner zu charakterisieren. Dabei konnte festgestellt werden, daß sich die kaiserzeitliche Siedlungsstruktur im Zuge der diokletianischen Provinzteilung nicht änderte. Erst im ausgehenden 4. Jh. und der 1. Hä1fte des 5. Jh. kam es zur Anlage von Höhensiedlungen bzw. zum Rückzug der provinzialrömischen Bevölkerung in die befestigten Kastelle am Donaulimes. Trotzdem gingen der Importstrom aus dem Mittelmeerraum sowie die regionale Produktion von feinkeramischen Produkten während der 1. Hälfte des 5. Jh. unvermindert weiter. Das Fehlen von charakteristischem Importmaterial aus dem fortgeschrittenen 5. Jh. am norischen Donaulimes möchte ich mit der offiziellen Aufgabe der Provinz in Zusammenhang bringen, da in weiterer Folge die für den Handel unbedingt notwendigen Straßen nicht mehr in ausreichendem Ma gesichert wurden. Es ist allerdings ein schwerwiegender methodischer Fehler aufgrund des Ausbleibens von mediterraner Feinkeramik auf den lückenlosen Abzug der romanischen Bevölkerung zu schließen. Vielmehr zeigen die Befunde aus Binnenoricum, daß die Provinzialen vor Ort blieben und die lokale Versorgung an die Stelle von regionalem Handel trat. Binnenoricum erlitt ein ähmliches Schicksal, allerdings erst etwa ein Jahrhundert später. Bis in das fortgeschrittene 5. Jh. wurden die spätantiken Höhensiedlungen mit Importwaren versorgt, dann kam es zu einem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Der Übergang zur Naturalwirtschaft, sukzessiv zurückgehende Absatzmärkte und infrastrukturelle Schwierigkeiten können dafür verantwordich gemacht werden. Errichtete man am Hemmaberg noch im beginnenden 6. Jh. Doppelkirchenanlagen mit reichem, musivischen Schmuck, der von privaten Stiftern gestiftet wurde, so wurden diese bereits im fortgeschrittenen 6. Jh. geschlossen und für primitive Wohnzwecke genutzt. Die Siedlungen des 6. Jh. sind durch die Dominanz lokaler Produktionsformen charakterisiert. Diese örtliche Produktion beschränkt sich nicht nur auf die Keramik, sondern kann auch aufgrund des Nachweises handwerklicher Betriebe für Metall-, Bein- und Glasverarbeitung auf andere Materialgruppen übertragen werden. Die Landnahme der einwandernden Slawen und der Verbleib romanischer Bevölkerungsgruppen an Ort und Stelle ist einerseits durch durch das Auftreten fremder keramischer Formen, andererseits durch die rasche Übernahme romanischer Fertigungstechniken archäologisch nachgewiesen. Die Zerstörung der Kirchenbauten bedeutete allerdings keine Auslöschung romanischen Lebens in den Ostalpen, denn die handwerklichen Fähigkeiten wurden weiter tradiert und adaptiert. Die auf die Zerstörung folgende Aufgabe der Höhensiedlungen zugunsten von Dörfern, in Tallagen bildete dagegen eine deutliche Zäsur in der Siedlungsentwicklung der gesamten Region.

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