Die Feinsteinzeugfabrik Julius Paul & Sohn in Bunzlau.
Die Feinsteinzeugfabrik Julius Paul & Sohn in Bunzlau.
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Druckkostenbeitrag D 3205Die Feinsteinzeugfabrik Julius Paul & Sohn in BunzlauKonrad SPINDLER09.10.2000 Gelegentlich meines Antrages D3066-SPR an den FWF, bewilligt am 5. 7. 1999, hatte ich unter Punkt 13 den Abschluß der Manuskriptarbeiten zu einer ersten Bunzlauer Firmenmonographie, und zwar über die Feinsteinzeugfabrik Julius Paul & Sohn, avisiert. Was bekanntermaßen für andere europäische Keramiklandschaften längst als obligatorischer wissenschaftlicher Grundbedarf gilt, läßt sich mit den herkömmlichen methodischen Ansätzen für Bunzlau nicht realisieren. Der Grund liegt darin, daß durch Kriegsereignisse 1945 sämtliche Archive und Bibliotheken in der Region verloren gegangen sind. Deshalb mußten für die Darstellung einer Bunzlauer Keramikfirma, neue methodische Wege beschritten werden. Die historischen Aspekte zur Firma und Familie Julius Paul in Bunzlau, Niederschlesien (1893-1945), die Frau Lippert im vorliegenden Werk zusammengestellt hat, basieren zum einen auf wenigen erhalten gebliebenen Originalzeugnissen, die Vertreibung und Flucht überstanden haben. Als überraschend ergiebig erwiesen sich zum anderen Hinweise aus Sekundärquellen, zumeist aus der zeitgenössischen (Keramik-)Fachliteratur. Da diese bibliographisch nur höchst unzureichend erschlossen ist und zudem durchweg in den Bereich der bibliophilen Raritäten gehört, bedurfte es über 20jähriger Sucharbeit, um. zu tragfähigen Erkenntnissen zu gelangen. Ein weiterer wesentlicher Teil des vorliegenden Werkes versucht, die Produktpalette des Betriebs in 1hrer Abfolge von den Anfangen als kleine Töpferei bis hin zur Firma mit Weltgeltung zu rekonstruieren. Zwar standen dafür u. a. einige Warenkataloge und Preislisten zu Verfügung, den entscheidenden Beitrag lieferten indes die in Sammlungen verfügbaren Objekte selbst. Dabei kamen vor allem. in der Fachdisziplin Ur- und Frühgeschichte bewährte Methoden zum Einsatz, die es ermöglichten, über Masse-, Form- und Dekorvergleiche sowie über die zu ihrer Fertigung verwendeten Technologien die Erzeugnisse der Paulschen Firma scharf gegen die Produkte vergleichbarer (Bunzlauer) Betriebe abzugrenzen. Auf diese Weise konnten nahezu 6000 der Firma Julius Paul (& Sohn) zuweisbare Objekte in rund 40 Museen und Sammlungen identifiziert und für die vorliegende Arbeit dokumentiert und ausgewertet werden. Es schließen sich technologische Untersuchungen zu der Masseherstellungsverfahren, Dekorarten und Glasurtechniken an, die wiederum. i. w. auf der Durchforstung zeitgenössischer Literatur beruhen. Der Tatsache zum. Trotz, daß diese zumeist als ,,Betriebsgeheimnisse" gehandelt wurden, gelang es Herrn Endres, den entsprechenden Entwicklungsfortschritt in der Firma auf physikalisch-chemischer Grundlage verläßlich nachzuzeichnen. Die Einführung des Dekorverfahren mittels Spirtztechnik Mitte der zwanziger Jahre bei der Fa. Julius Paul & Sohn bewirkte, daß der Betrieb die wirtschaftliche Depression dieser Jahre überstand und in der Folge zu einer Weltfirma aufstieg. Deshalb beschäftigen sich zwei weitere Beitrage von Ekkehard und Inge Lippert mit der Einführung des Spritzverfahrens in die Keramikindustrie unter besonderer Berücksichtigung dieser Innovation bei Paul. Ein umfassender Dokumentationsteil incl. eines Verzeichnisses von 170 Marken, Firmensignets, Papieretiketten und Händlermarken rundet das Werk ab.