Die Entstehungsgeschichte des Mann ohne Eigenschaften von R. Musil
Die Entstehungsgeschichte des Mann ohne Eigenschaften von R. Musil
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
MUSIL,
TEXTGENESE,
SCHREIBPROZESS,
NACHLASSFORSCHUNG,
ROMANENTSTEHUNG,
LITERATURPSYCHOLOGIE
Druckkostenbeitrag D 3245Die Entstehungsgeschichte des "Mann ohne Eigenschaften" v. R. MusilWalter FANTA08.05.2000 Der Band enthält die erste monographische Darstellung der gesamten Entstehungsgeschichte des Romans "Der Mann ohne Eigenschaften" des österreichischen Schriftstellers Robert Musil. Die Rekonstruktion der komplexen Textgenese im Verlauf der Jahre von 1919 bis zum Tod des Autors 1942 steht in enger Verbindung mit allgemein wichtigen textologischen, literatursoziologischen und literaturpsychologischen Problemstellungen, welche den Fall von Musils unvollendetem Großromanprojekt auch zum Anschauungsobjekt genereller produktionsästhetischer Erkundung werden lassen. Die Darstellung bezieht sämtliche bisher publizierte Literatur zur Werkgeschichte ein, ihr methodischer Grundansatz besteht aber in einer systematischen Aufarbeitung und Neuinterpretation des 1992 als CD-ROM (mit Unterstützung des FWF) veröffentlichten literarischen Nachlasses Robert Musils. Der erste Teil widmet sich daher auch Fragen der textologischen Begriffsabklärung sowie der Klassifizierung und der Systematisierung des Manuskriptbestands. Daran schließt im Hauptteil des Buches die exakte Rekonstruktion der Werkgeschichte im chronologischen Verlauf an; hierbei wird eine Gliederung in zehn Produktionsstufen zu Grunde gelegt. Schwerpunkte der Rekonstruktion bilden: a) die Herausbildung der Romanfabel und des Romanpersonals in ihren biographischen Bezügen als Projektionen des Autors (beginnend schon 1898, bis 1923); b) der Prozess der Elaboration und Modifikation der narrativen Syntax -in mehreren Fassungen bis 1928; c) die Selbstauflösung der Romanfabel durch eine Art von "Gegenauftraggeber"-Instanz (im Sinn von Greimas), die sich unter geänderten historisch-biographischen Gegebenheiten ab 1933 schrittweise volIzieht. Um das Buch nicht bloß für den kleinen Kreis von wissenschaftlich tätigen Musil Interpreten interessant zu machen, sondern die Leserschaft des Romans selbst zu erreichen, strebt die Darstellung nach einer konzentrierten und (durch Faksimiles und Farb-Graphiken) an schaulichen Form. Damit aber auch einem Desiderat der spezialisierten Musil Forschung Genüge getan wird, sind die etwa 6.000 Manuskriptseiten, die zum "Mann ohne Eigenschaften" zählen, erstmals in ihren genetischen Beztigen aufgeschlüsselt dargestellt (Materiahibersichten in Kapitelanhängen). Zwei Folgebände sind in Vorbereitung, die sich weiter mit werkgeschichtlichen Fragen zum Mann ohne Eigenschaften auseinandersetzen, und zwar mit dem Romanfinale in Musils Plänen und Entwürfen und mit Reflexen und Reflexionen zu Musils Schreibprozess.
- Walter Fanta, assoziierte:r Forschungspartner:in