Ludwig Wittgenstein und Rudolf Koder: Briefwechsel
Ludwig Wittgenstein und Rudolf Koder: Briefwechsel
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Ludwig Wittgenstein und Rudolf Koder: Briefwechsel Hrsg. v. Martin Alber in Zusammenarbeit mit Brian McGuinness u. Monika Seekircher Mit zwei Essays über musikalische Aspekte in Leben, und Werk von Ludwig Wittgenstein von Martin Alber Das Buch ist in zwei Großteile gegliedert, die zusammen ein ineinander verflochtenes Ganzes ergeben. Der Briefwechsel zwischen Ludwig Wittgenstein und Rudolf Koder ist ein Dokument von ausschließlich privatem Interesse: Die Lebensfreundschaft zwischen ihnen wurde in der Zeit des gemeinsamen Volksschulunterrichts in Puchberg von der Musik gestiftet, gemeinsames Musizieren prägte auch den Umgang Koders mit der in Österreich verbliebenen Familie Wittgenstein, als Ludwig sein Leben in England eingerichtet hatte. Die Korrespondenz wurde vom Herausgeber zum Anlaßt genommen, den musikalischen Spuren in der Familie Wittgenstein im allgemeinen und in Leben und Philosophieren Ludwig Wittgensteins im besonderen nachzugehen. Von daher die Verflochtenheit der beiden dokumentarischen Essays mit dem vorangestellten Briefwechsel. Der eine ist dem "Hauskomponisten" der Wittgensteins, Josef Labor, gewidmet: seine Biographie führt ins 19. Jahrhundert zurück, zu familiären Nahverhältnissen mit Joseph Joachim und zur Bekanntschaft mit Johannes Brahms, zu den musikalischen Salons der Wiener Aristokratie und dem Stellenwert der Musik in der Familie Wittgenstein am dokumentierbaren Beispiel der Generation Ludwigs. Paul Wittgenstein teilte als Auftraggeber für Klavierkompositionen linker Hand die Verehrung für Labor mit Hermines und Ludwigs Hochschätzung von dessen empfindsamem Musizieren. Der zweite, umfangreichere Essay beschäftigt sich auf dokumentarische Weise vor allem mit musikalischen Aspekten in Ludwig Wittgensteins Philosophieren und in den überlieferten Gesprächen und Erinnerungen verschiedener Zeitgenossen und Freunde. Hier wird das in der Familie grundgelegte Rezeptionsmuster wiederaufgegriffen, ein Rückgriff auf romantisches Musikverständnis und daran haftende Kanonbildung in der musikalischen Präferenz läßt einen thematischen "Flächenkommentar" zu den verstreuten Äußerungen in der Gesamtkorrespondenz Wittgensteins und in den Niederschriften (v. a. Vermischte Bemerkungen und Zettel) entstehen. Angesprochen ist auch die von Wittgenstein formulierte Verwandtschaft (oder Parallelität) von Musik und Sprache (ein altes Paradigma), und damit zusammenhängend werden Verknüpfungen zwischen musikalischen Gedanken und begrifflicher Arbeit rund um das "`Sprachspiel" des späten Wittgenstein versucht. Im Unterschied zum Einzelstellenkommentar, der direkt an den Briefwechsel anschließt, handelt es sich bei den beiden dokumentarischen Essays um einen "Flächenkommentar", welcher eine breitere Form der Kommentierung darstellt. Zugleich sind diese beiden Essays eine erste umfassende Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Musik in Leben und Werk von Ludwig Wittgenstein.
- Martin Alber, assoziierte:r Forschungspartner:in