Die in den vorliegenden Proceedings der in Heidelberg organisierten Konferenz "Sacred Landscape of the Tibetan
Himalaya" (25. - 27.5.1998) gesammelten bauanalytischen und sozialanthropologischen Beiträge repräsentieren
einen wichtigen und längst notwendigen interdisziplinären Schritt in der Betrachtung der räumlich-materiellen,
sozial-politischen und religiösen Manifestationen der zum tibetischen Kulturraum gehörenden Gesellschaft des
Himalaya. Die Konferenz selbst, DFG-finanziert und von Gutschow und Michaels in ihren architektur- und
religionswissenschaftlichen Aspekten betreut, stellt eine harmonische Ausweitung der sozialanthropologischen
Projekte dar, die zuletzt unter dem Titel "From Landscape to Polity in Tibet" FWF-finanzierten Programm der
Sozialanthropologischen Kommission der ÖAW waren. Der Hauptmitarbeiter dieses Programms der Kommission,
Charles Ramble, inzwischen Universität Oxford, war daher in die Planung und Durchführung ebenfalls voll
eingebunden.
Die Beiträge des Bandes sind von ersten Vertretern ihrer Arbeitsgebiete verfaßt, in Dokumentationen und
Bildbeigaben umsichtig ausgestattet und von den Herausgebern sorgfältig redigiert worden. Für knappe inhaltliche
Zusammenfassungen der Beiträge darf auf pp. 3-6 des "preface" verwiesen werden.
Durch die Architekturanalysen gewinnen die sozialanthropologischen Daten und religionsgeschichtlichen
Dokumente dieser Himalaya-Regionen, die erst in jüngster Zeit genauer untersucht werden konnten, eine bisher
fehlende Deutung für jenen Bereich, in dem sich die spirituellen und gesellschaftlichen Ideen der Gesellschaften in
sichtbarer Form artikulieren. Umgekehrt wird auch das sichtbare in seiner gewählten Form nur durch den Bezug
auf die in ihm verwirklichte Idee oder Weltsicht verständlich gemacht. Trotz der fachbedingt verschiedenen
Ansätze der einzelnen Beiträge werden durch diese gemeinsame Anstrengung allgemein gültige Parameter sichtbar
gemacht, wie sie etwa Michaels in seiner "Introduction" zu überschauen versucht. Mit dem vorliegenden Band
gelingt es somit, eine tiefer liegende Schichte von sozialen Ordnungen zu erschließen, welche die "Umwelt"
einschließt. Damit wird am Beispiel von Regionen des Himalaya ein menschheitsgeschichtlich bedeutsames
Ordnungssystem herausgearbeitet, das durchaus Modellcharakter auch für postmoderne Ordnungsversuche und
daher auch von aktuellem Rang in einem überregionalen Sinn zu sein beanspruchen kann.