Mitteleuropäische Schulen II (1350 - 1410)
Mitteleuropäische Schulen II (1350 - 1410)
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Der vorliegende Katalogband umfaßt 212 Beschreibungen von mittelalterlichen illuminierten Handschriften aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Die Auswahl betrifft Codices, die zwischen ca. 1350 und ca. 1410 zu datieren und im Gebiet des heutigen Mitteleuropa entstanden sind. Gemäß den Richtlinien der Publikationsreihe liegt der Schwerpunkt der Bearbeitung in der Darstellung des Buchschmucks. Neben der Erläuterung der Bildinhalte und der Systematisierung der einzelnen Ausstattungselemente steht die kunsthistorische Einordnung des Buchschmucks im Vordergrund der Katalogbeschreibungen. Darüber hinaus werden alle kodikologischen Merkmale der Handschrift, wie ihre äußere Erscheinungsform und der Einband sowie der Inhalt, die Provenienzgeschichte und die Literatur in eigenen Abschnitten ausführlich behandelt. Wenn die primäre Aufgabe eines Bestandskataloges auch in der Erfassung der Einzelobjekten liegt, so wird auch hier der Versuch unternommen eine Gliederung des beschriebenen Bestandes vorzunehmen. Dies gilt schon für die Auswahl der Objekte, die nach zeitlichen und geographischen Gesichtspunkten erfolgt ist, und für die Ordnung der Katalognummern, die nicht dem numerus currens der Signaturen folgt, sondern unter Berücksichtigung der stilgeschichtlichen Zusammenhänge in einer chronologischen Abfolge durchgeführt wurde. Die unterschiedliche Bedeutung der beschriebenen Objekte wird in dementsprechend abgestuften Beschreibungstypen berücksichtigt: Vollbeschreibungen, Kurzbeschreibungen und sehr knapp gefaßte Darstellungen von Handschriften mit sehr geringfügigem Buchschmuck. Ausführliche Einleitungen zu kunsthistorischen und kodikologischen Merkmalen fassen die Einzelbeobachtungen zusammen. Die ebenfalls nach den angeführten Sinnabschnitten gegliederten Indices ermöglichen auf diesem Weg einen Zugang zu den in den einzelnen Katalogisaten dargestellten Forschungsergebnissen. Die zahlreich genannten Vergleichshandschriften, die in vielen Fällen auch abgebildet werden, gewährleisten die über die Sammlung hinausgehende Relevanz des Katalogbandes. Dem bearbeiteten Bestand entsprechend betreffen die wichtigsten Forschungsergebnisse die österreichische gotische Buchmalerei. Anhand von zahlreichen Beispielen wird die produktive, aber eher nur regional bedeutende Malerei der zweiten Jahrhunderthälfte in ihren unterschiedlichen formalen Ausprägungen und motivgeschichtlichen Abhängigkeiten dokumentiert. Meistens ist es auch gelungen über den bisherigen Forschungsstand hinaus die Einzelhandschriften zu Werk- oder Stilgruppen zusammenzufassen - z. B. bei den Handschriften des sogenannten Niederösterreichischen Randleistenstils`. Mit zahlreichen und prominenten Beispielen wird in dem Katalog auch die Produktion der sogenannten Wiener Hofminiatorenwerkstatt in ihrer frühen Phase von ca. 1385 bis 1405 präsentiert. Diese höfische Kunstrichtung zeichnet sich durch eine vergleichsweise deutlich höhere Qualität, durch eine eklektizistische Vorbildauswahl und - bildinhaltlich - durch die Präsenz der Auftraggeber im Buchschmuck aus. Die wichtigen Beiträge zur österreichischen Buchmalerei werden durch die Zusammenstellung von inhaltsgleichen Handschriften - zu nennen sind an erster Stelle die Weltchroniken -ergänzt. Im Unterschied zu den Codices der genannten höfischen Denkmalgruppe repräsentieren sie einen Typus, der für eine andere Auftraggeberschicht gedacht war und mit technisch vereinfachten Ansprüchen andere inhaltliche Schwerpunkte forciert.