Die französischen Zeichnungen der Albertina. Barock bis Rokoko
Die französischen Zeichnungen der Albertina. Barock bis Rokoko
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
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ALBERTINA,
FRANZÖSISCHE ZEICHNUNGEN,
PROVENIENZEN,
17./18. JAHRHUNDERT,
BESTANDSKATALOG,
LUDWIG XIV
Die Albertina besitzt eine der reichsten und bedeutendsten Sammlungen französischer Zeichnungen außerhalb Frankreichs. Ihr Bestand geht zum überwiegenden Teil auf die Sammeltätigkeit ihres Gründers Herzog Albert von Sachsen-Teschen zurück. Nachdem die französischen Zeichnungen der Albertina niemals zuvor wissenschaftlich systematisch erfaßt und katalogisiert worden waren, wurden 1993 erstmals die frühen französischen Zeichnungen des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts im ersten Band eines Bestandskataloges der französischen Zeichnungen der Albertina vorgestellt. Mit dem hier vorliegenden Computerscript und den darin katalogisierten ca. 900 Blättern wird nun der zweite Band der französischen Zeichnungen der Albertina zur Veröffentlichung vorbereitet. Dieser Band wird Zeichnungen von insgesamt 60 Künstlern des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts umfassen. Die Blätter wurden nach Künstlergenerationen geordnet, mit einer Kurzbiographie des betreffenden Künstlers eingeleitet und anschließend mit ihren technischen Angaben, ihrer Provenienz und Bibliographie beschrieben. Darüber hinaus versucht ein kurzer Katalogkommentar zu jeder einzelnen der bearbeiteten Zeichnungen die traditionelle Zuschreibung zu bestätigen oder eine eventuelle Neuzuschreibung zu begründen, die Zeichnung innerhalb des Oeuvres des betreffenden Künstlers zeitlich einzuordnen und, soweit möglich, Zusammenhänge mit danach ausgeführten Werken herzustellen. Sollten keine genaueren Zuschreibungen möglich gewesen sein, dann wurden die Blätter entweder in den Umkreis eines bestimmten Künstlers verwiesen oder in ein separates Kapitel anonymer Blätter aufgenommen. Der hier als Computerniederschrift vorliegende zweite Band des Bestandskataloges der französischen Zeichnungen der Albertina beschreibt Blätter von herausragenden Künstlern wie Pierre Mignard, Antoine Watteau, Jacques Oudry und vielen anderen, die zwar nicht über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügen, aber die Darstellung eines umfangreichen historischen Zeitbildes, hauptsächlich der Epoche Ludwigs XIV., ermöglichen, ohne daß der Blick von den Höhepunkten französischer Zeichenkunst verstellt wird. Methodische Umstände machten es notwendig, auch Künstler in den Katalog mit einzubeziehen, deren Wirken bereits dem Geist des Rokoko verpflichtet war, so daß der zweite Band des Bestandskatalogs französischer Zeichnungen ein äußerst vielfältiges Bild französischer Zeichenkunst wiedergibt, das nicht nur die Epoche Ludwigs XIV., sondern auch die nachfolgende Régence und damit das beginnende Rokoko widerspiegelt. Abgesehen von einer breiten Palette an Bildgattungen wie Historienbild, Genre, Porträt und Landschaft zeigt der Katalog alle Möglichkeiten der Zeichenkunst auf: Es finden sich Skizzen- und Studienblätter ebenso wie finale, bildmäßig ausgeführte Zeichnungen; in schwarzer oder roter Kreide ausgeführte Blätter behaupten sich neben Federzeichnungen, die entweder laviert oder aquarelliert wurden; und letztlich gibt der Band auch einige für den Sammler zumeist weniger interessante Nachzeichnungen und Kopien wieder, die allerdings manchmal für den Forscher äußerst hilfreich für die Bestimmung eines verloren gegangenen Originals sein können. Abgesehen von der technischen und inhaltlichen Vielfalt bietet der Band auch einen guten Überblick über die verschiedenen Kunstzentren im 17. Jahrhundert. Während sich z. B. in Lothringen eine lokale Stecherschule heranbildete, die in der Folge die Hauptstadt Paris erobern sollte, entwickelte sich in Südfrankreich eine lokale Künstlertradition, die Einflüsse aus der Hauptstadt nur zögend annahm. Darüber hinaus kommt auch der künstlerische Austausch mit Kunstzentren außerhalb Frankreichs zum Ausdruck: Neben der traditionellen Verbindung mit Rom fanden gegenseitige Anregungen auch mit Amsterdam, London, Berlin und Sankt Petersburg statt. Im Rahmen der Provenienzenforschung konnten wir feststellen, daß viele Blätter aus anderen Quellen als aus Herzogs Alberts Sammlung stammen. Von besonderer Bedeutung erwies sich in dieser Hinsicht die Kaiserliche Hofbibliothek, die Blätter aus den Sammlungen der Madame de Bandville und des Prinz Eugen erworben hatte, die schließlich 1919 mit den Erwerbungen Alberts von Sachsen-Teschen, die sich zum Teil in die Sammlungen des Fürsten de Ligne und Gottfried Wincklers zurückverfolgen lassen, zusammengelegt wurden.