Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
AUTOR,
MUSIKVERSTEHEN,
HERMENEUTIK,
KOMMENTAR
Abstract
Die interdisziplinäre Frage, welcher Stellenwert autorintentionalen Aspekten - und insbesondere
Eigenkommentaren beim Kunstverstehen beizumessen ist, wird gegenwärtig sehr kontrovers beantwortet. Sie gilt
als brisanter Problemfall.
Anders als in den Literatur- und Kunstwissenschaften hat ein systematisch entwickelter sowie historisch
differenzierender Diskurs auf dem Feld der Musik bislang nicht stattgefunden. Dieses Defizit zu beheben liegt als
Anliegen der Schrift Komponistenkommentare. Ansätze zu einer Geschichte der Eigeninterpretation zugrunde. (Die
Studie wurde im Frühjahr 2001 an der Universität Wien als Habiltationsschrift angenommen.)
Kapitel A wirft die Frage nach dem Wesen musikalischer Autorschaft auf. Bezug nehmend auf ein sonderbares,
vielschichtig auf das Phänomen "Werkkommentar" beziehbares Klavierstück, werden Überlegungen darüber
angestellt, was es heißen und welche Konsequenzen es haben kann, dass ein Komponist mit einem musikalischen
Werk bzw. einem Werkkommentar etwas "will". Kapitel B fasst den Terminus `Kommentar` verschieden weit:
ausgehend von einem allgemeinen Definitionsvorschlag werden verschiedene Spielarten des
Komponistenkommentars zu eigener Musik unterschieden. Beispielhaft kommen dabei (wie schon in Kapitel A)
rezeptionsästhetische Aspekte zur Sprache. Eine rudimentäre Skizze der Frühgeschichte solcher verbaler Zusätze
(10.-18. Jh.) dient der Überleitung zu den nachfolgenden, historisch orientierten Fallstudien (18.-20. Jh.).
In den neun Fallstudien von Kapitel C kommen Komponistenkommentare zu eigenen Werken zur Sprache, und
zwar im Kontext (1.) des jeweils wirksamen Verstehensbegriffes, (2.) des Verhältnisses der Komponisten zur
Rezeption (eigener und fremder Werke) und (3.) der jeweiligen Einstellungen zur Verbalisierung von Musik.
Dokumentarisch aufbereitet und chronologisch gereiht, modellieren diese Fallstudien ausgewählte Autoren- und
Kommentarkonzeptionen.
Kapitel D dient abschließend dazu, einerseits Aspekte eines Buchprojektes zu reflektieren, das kürzlich
verwirklicht wurde und in großer Zahl Eigenkommentare der Gegenwart bietet. Andererseits wird versucht, im
resümierenden Blick auf die vorangegangenen Abschnitte Perspektiven für eine künftige Auseinandersetzung mit
dem Thema zu entwickeln.