Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
Selbstzeugnisse,
Adel,
Frauentagebücher,
Memoria,
Frühe Neuzeit,
Österreich
Abstract
Die vorliegende Studie über zwei Frauentagebücher von österreichischen Adeligen des 16./17. Jahrhunderts sowie
eine Leichenpredigt stellt Selbstzeugnisse der frühneuzeitlichen adeligen Alltagskultur in den Mittelpunkt. Die
protestantische Tagebuchschreiberin Esther von Gera - von der Steiermark aus religiösen Gründen nach
Oberösterreich emigriert - und deren katholische Enkelin Maria Susanna von Weiss (später von Hoheneck)
thematisieren viele Probleme des Alltagslebens von adeligen Frauen in der Frühen Neuzeit. Neben Krankheit,
Geburt, Hochzeit, Sorge um die im Krieg befindlichen Söhne und Festen stehen besonders der Tod und das
Gedenken an Verstorbene im Vordergrund. Beide Texte, die offensichtlich in einem von der Enkelin später erneut
verwendeten "Gedächtnisbuch" gemeinsam eingetragen sind, berühren besonders den Tod der jeweiligen
Ehemänner und die nachfolgende Witwenzeit. In einer ausführlichen Einleitung wird ein Überblick über
unterschiedliche Schreibtraditionen von Frauen in der Frühen Neuzeit, ein biographischer Abriß zu den Familien
der Tagebuchschreiberinnen und ein kurzer Überblick zu Leichenpredigten geboten. Die nachfolgende Edition
(Tagebücher und Leichenpredigt des Ehemannes der Esther von Gera) wurde umfangreich kommentiert und
zusätzlich über ein Personen- und Ortsregister erschlossen. Diese in jahrelanger Arbeit erstellte Edition, die den von
der Forschung noch immer zu wenig beachteten Selbstzeugnisse von Frauen gewidmet ist, versucht eine
Forschungslücke zu schließen, da die frühneuzeitliche Geschichte weiblichen Schreibens in den österreichischen
Ländern bislang meist mit den Selbstzeugnisse der Elisabeth Stampferin und zeitlich damit deutlich später
angesetzt wird.