Die Protokolle des österreichischen Ministerrates 1848-1867 IV/1
Die Protokolle des österreichischen Ministerrates 1848-1867 IV/1
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Geschichte,
Ministerratsprotokolle,
Habsburgermonarchie,
Quellenedition,
Rechberg,
Johann Bernhard Graf v.,
1859
Band IV/1 der Edition "Die Protokolle des österreichischen Ministerrates 1848-1867" umfaßt die erste Hälfte des Ministeriums Rechberg (1859-1861) und enthält die Protokolle vom 19. 5.1859 bis 2./3. 3.1860 mit textkritischem Apparat, wissenschaftlichem Kommentar, Einleitung und Bibliographie. Ein Personen-, Orts- und Sachregister wird den Band ergänzen. - Der erste Teil des Bandes wird vom Krieg Österreichs gegen Sardinien-Piemont und Frankreich beherrscht. Die Isolierung, in die Österreich geriet, veranlaßte Buol zum Rücktritt, Rechberg wurde Außenminister und interimistischer Vorsitzender der Ministerkonferenz. - Die Niederlage bei Solferino, das Fehlen eines Verbündeten und Geldmangel veranlaßten Kaiser Franz Joseph zum Friedensschluß mit Napoleon III. Die Niederlage mit dem Verlust der reichen Lombardei leitete das Ende des neoabsolutistischen Regimes ein, das der junge Kaiser 1851/52 errichtet hatte. Er entließ die wichtigsten neoabsolutistischen Berater und vertraute nach einem spannenden Machtkampf zwischen dem ständisch-konservativen Adel und der gemäßigt-konservativen Bürokratie dieser die Aufgabe an, die im Laxenburger Manifest versprochenen "Verbesserungen in Gesetzgebung und Verwaltung" einzuleiten. Die Ausarbeitung des Regierungsprogramms im Sommer 1859 ist durch Sonderprotokolle dokumentiert, die hier erstmals zur Gänze publiziert werden sollen. - Am 21. 8. wurde Rechberg zum Ministerpräsidenten ernannt. Sein Kabinett begann sofort mit der Umsetzung des Programms: Sanierung des Staatshaushalts, Reduktion der Militärausgaben, Zugeständnisse an die Liberalen (freiere Presse, Schritte zur Judenemanzipation) und an den Adel (lokale Selbsverwaltung). Die Regierung versuchte auch die ungarische Frage zu lösen. Die Schwächung des Regimes durch die Niederlage auf dem Schlachtfeld war aber so nachhaltig, daß Zugeständnisse nicht ausreichten und die Forderung nach Beteiligung der Bevölkerung am politischen Geschehen immer drängender wurde. Irgendwie mußte ihr Rechnung getragen werden. Die Regierung wählte den Weg der Verstärkung des Reichsrates, eines rein beratenden Gremiums, durch Vertreter aus den Kronländern. So begann im Frühjahr 1860 die Zeit der Verfassungsexperimente. Das Jahr 1859 erwies sich als das Jahr der Wende auf dem Weg zum liberalen Verfassungsstaat. - Der Band soll wie die bisherigen im Verlag öbv&hpt erscheinen. Er bietet der Forschung und Lehre wichtige Akten in wissenschaftlich aufbereiteter Form zur Geschichte Österreichs und seiner Nachbarländer an.