Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Abstract
Über die Wiener Werkstätte liegen bereits zahlreiche kunsthistorische Publikationen vor, die auf permanente
wirtschaftliche Schwierigkeiten des Unternehmens zwar hinweisen, doch nicht ausführlicher darauf eingehen. Eine
nähere Auseinandersetzung mit der Firmengeschichte und dem wirtschaftlichen Erfolg der Wiener Werkstätte im
Zusammenhang mit den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten der Zeit zwischen 1903
bis 1932 unterblieb bisher.
Ziel der vorliegenden Arbeit, die auf einer überarbeiteten Dissertation basiert, war es, eine umfassende
Archivrecherche ( ca. 80 % des Bestandes bis zu dieser Bearbeitung uneingesehen) sowie ein Literaturstudium und
eine qualitative Unternehmensanalyse unter Einbeziehung der wirtschaftlichen und politischen Ereignisse des ersten
Drittels des 20. Jahrhunderts durchzuführen. Dabei wurde erstmals der Handelsregisterakt (Firmenbuch) und der
kaufmännische Teil des Firmenarchivs der Wiener Werkstätte ausgewertet und einer detaillierten Untersuchung
unterzogen. Zusammengefasst betrachtet ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:
Die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg überlagerte die
Inflation.
Die Rückkehr zu realwirtschaftlichen Verhältnissen mit der Sanierung der Währung und des Staatshaushalts
führte zur Umstellung der Bilanz nach dem Goldbilanzgesetz im Jahr 1926. Noch im selben Jahr rettete sich
das Unternehmen mit einer 35 %igen Ausgleichsquote vor dem Konkurs. Doch fehlte es nun an finanziell
potenter Klientel, das Durchschnittseinkommen lag noch 1924 rund 25 % unter dem Stand von 1913. Das
Bürgertum, die potentielle Käuferschicht, hatte in der Inflationszeit zu einem Gutteil sein Vermögen
verloren. Dies wirkte sich auch nach 1926 aus.
In den Jahren 1926 bis 1929 wurde die Chance auf marktorientierte Produktion und Absatz sowie
realwirtschaftliche Betriebsführung verabsäumt.
Der Zusammenbruch und die Auflösung im Jahr 1932, ist als Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu
sehen.
Die beiliegende Fotoauswahl ist als Platzhalter zu verstehen, da für die Veröffentlichung mit dem Museum für
angewandte Kunst in Wien die Bildrechte für jedes einzelne Foto abzuklären sind.