Die Jugendtagebücher Kaiser Franz Josephs
Die Jugendtagebücher Kaiser Franz Josephs
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Jüngste entdeckte Geschichtsquelle,
Psychogramm des jungen Erzherzogs,
Privatsphäre des Habsburgerhofes,
Bildungsreisen in die Kronländer,
Programmierung zum Regenten,
Militärische Erziehung
Mit der kommentierten Edition der erst jüngst aufgetauchten Jugendtagebücher des späteren Kaisers Franz Joseph wird eine einzigartige Geschichtsquelle erschlossen, die einen unverstellten Einblick in das Familienleben des spätbiedermeierlichen Habsburgerhofes in Wien gewährt. INHALT: Die Tagebucheintragungen beginnen in Ischl am 18. August 1843, seinem 13. Geburtstag, und enden abrupt am 13. März 1848, dem Tag des Ausbruchs der Revolution in Wien. Fünf Jahre hindurch hält der adoleszente Erzherzog, der sich seiner Rolle als künftiger Regent in zunehmender Weise bewußt ist, jene Erlebnisse und Ereignisse fest, die ihm wichtig erscheinen. Das Interesse des Autors gilt vordergründig dem Alltag im pulsierenden Kosmos der habsburgischen Großfamilie mit ihrer weitverzweigten, ständig an- und abreisenden Verwandtschaft (Bayern, Mailand, Modena, Parma, Exil-Bourbonen). Primäre Bezugspersonen sind neben den Eltern, Brüdern und Vettern seine von Metternich zu strenger Disziplinierung angehaltenen Erzieher und zahlreichen Lehrer, die ihren illustren Schüler in ein enges und stressiges Tagesordnungs-Korsett zwängten. Ein erdrückendes Maß an Lektionen erlaubte nur eine karge Freizeit für altersgemäße Spiele mit sorgfältig ausgewählten Kameraden aus allerhöchsten Kreisen. Mit großer Begeisterung schildert Franz Joseph sein hartes militärisches Ausbildungsprogramm als Infanterist, Artillerist und Dragoner. Das Tragen der Uniform, die Teilnahme an Paraden und Manövern faszinierten ihn weit mehr als die häufig in elterlicher Begleitung absolvierten Theater- und Opernbesuche. Ausführlichen Raum nehmen neben Ausflügen und Jagderlebnissen im früh geliebten Salzkammergut die jährlich angeordneten Bildungsreisen durch die Kronländer der Monarchie ein. ERGEBNISSE: Dieses umfangreiche, frühe persönliche Dokument schließt eine nicht unbedeutende Lücke in der Biographie Franz Josephs. Als aufschlußreiches Psychogramm des jugendlichen Erzherzogs führt es zur Erkenntnis, daß nahezu sämtliche Wesenszüge des späteren Monarchen bereits in der Phase der Pubertät klar präfiguriert waren. Die detailreichen Aufzeichnungen ermöglichen einen direkten Einblick in jenen bisher wenig beachteten und erschlossenen Lebensabschnitt, in welchem der prominente Erzherzog unter dem rigorosen Druck von Erziehung und gesellschaftlichem Umfeld gewissermaßen zum "fertigen Kaiser" programmiert wurde. Das von seinen zahlreichen Biographen tradierte Bild Franz Josephs kann anhand der Tagebücher ergänzt, modifiziert und mitunter auch korrigiert werden.