Gebirgsfamilien auf dem Balkan
Gebirgsfamilien auf dem Balkan
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Balkan,
Pomaken,
Familie,
Demographie,
Bulgarien,
Ökonomie
Diese Studie untersucht die Interdependenzen zwischen Naturraum, Demografie, ökonomischer und sozialer Entwicklung sowie Haushaltsstrukturen im Rhodopengebirge, das heute eine Grenzregion zwischen Bulgarien und Griechenland bildet. Der Untersuchungszeitraum ist mit den 1830ern und 1930ern begrenzt. Dadurch können wesentliche Zäsuren beobachtet werden, wobei das besondere Interesse dem Ende der osmanischen Herrschaft über die Region gegen Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts gilt. Empirische Basis der Arbeit sind umfangreiche quantitative Quellen (Haushaltsregister, Tauf-, Heirats- und Sterbematrikeln, Volkszählungen und andere statistische Daten), archivalische Quellen zur ökonomischen, sozialen und politischen Situation in der Region, zeitgenössische ethnografische und ähnliche Materialien, unpublizierte Feldforschungsaufzeichnungen bulgarischer EthnografInnen sowie eigene Feldforschungen. Die theoretischen Überlegungen der Monografie speisen sich aus zwei Quellen: einerseits aus der Gebirgsanthropologie und der ökologischen Anthropologie, andererseits aus der Familiengeschichtsschreibung. Auf der Basis dieser beiden Zugänge werden Vergleiche der Untersuchungsregion mit anderen Regionen angestellt, da nur so die lokalen Gegebenheiten verstanden werden können. Methodologisch ordnet sich die Arbeit in das Paradigma der historischen Anthropologie ein. Eines der zentralen Ergebnisse ist, dass die Rhodopen nicht in das Muster großer, komplexer Haushalte, wie es für den westlichen Balkan typisch war, passten. Allerdings gab es Unterschiede zwischen der muslimischen Bevölkerung in der Region, die häufiger in komplexen Haushalten lebte, und der christlichen, die überwiegend in nuklearen Familien lebte. Diese Unterschiede werden durch unterschiedliche ökonomische Strategien erklärt. Die Rhodopen entsprachen im 19. Jh. auch nicht dem Bild der isolierten Gebirgsregion, sondern sie waren eng in den osmanischen Markt integriert, was für die Gesellschaftsstrukturen in der Region von großer Bedeutung war.
- Universität Graz - 100%